Nein, die finnischen TAROT sind nicht urplötzlich auf Drogen. „The Warrior‘s Spell“ heißt der bisher größte Output der Kartenleger aus Down-Under, die musikalisch in vollkommen andere Sphären als ihre finnischen Namensvetter abtauchen. Bluesigen, doomigen (Psychedelic) Hard Rock bekommt der Hörer hier serviert, das schillernd-bunte Artwork trügt also nicht. Trotz farbenfroher Aufmachung versprühen die Songs von TAROT eine oft mystische Aura, Songs wie „Life And Death“ oder auch „Twilight Fortress“ strahlen einfach eine fas vollkommene Tiefe der Finsternis aus.
Und auch wenn kräftige Synthie-Attacken wie in „Leaving This Place“ wirklich Geschmackssache sind, bewahren TAROT doch stets einen rockigen Klang, hier klingt nichts nach Disko. Im Einsatz waren Hammond, Mellotron und Moog.
Sehr schöne Kompositionen sind auf „The Warrior‘s Spell“ zu finden, die Scheibe fesselt von der ersten bis zur neunundsechzigsten Minute, während der Hörer auf psychedelischen Wolken dahin reitet. Sprich: Man muss sich darauf einlassen. Die australischen TAROT kann man einfach nicht gut finden, wenn man etwas vollkommen anderes (zum Beispiel Marco Hietala) erwartet hat. Lässt man sich aber darauf ein, weiß der Spruch des Kriegers sehr wohl (und gerade nach mehrmaligem Hören) zu verzaubern. Wer auf psychedelisch angehauchten Vintage Rock steht sollte sollte TAROT dringend ausprobieren!
Anspieltipps: „Twilight Fortress“, „The Warrior’s Spell” und “Mystic Cavern”.
Alex Beyrodt (PRIMAL FEAR, SINNER) legt uns heuer sein viertes VOODOO CIRCLE-Album unter den Weihnachtsbaum. Und freuen wir uns? Wenn man auf Classik Rock oder speziell auf alte WHITESNAKE steht, dann wie Bolle ! "Whisky Fingers" ist das WHITESNAKE-Album, das David Coverdale einfach nicht mehr schreiben will oder kann. Bluesiger, in John Sykes Manier beriffter Hardrock, mit Keybord und ganz viel 80er Flavour stecken in dem neuen Teil.
Sänger David Readman macht uns den Coverdale, aber sowas von knusprig und nahe am Original, dass letzte Zweifel bleiben, ob da nicht stimmbandmäßig mit Klontechnik gearbeitet wurde. Und als Sahnehäubchen obendrauf konnte man noch Frontiers Geheimwaffe Alessandro del Vecchio (HARDLINE, LIONVILLE) als Keyborder, Songwriter, zweite Gesangsstimme, sowie zum mastern und mixen des Albums gewinnen. So kommt der Longplayer kantig und atmosphärisch dicht, mit jeder Menge Glitzerstaub um die Classik Rock-Ecke gedriftet. Auf "Whisky Fingers" gibt es breitbeinigen Cowboy Stiefel-Hardrock, Momente mit Kerze sowie Gesangsduelle in tiefpurpurner Farbe getaucht, so dass einem Rockanhänger der alten Tage nichts anderes übrig bleibt, als zum nächsten Platten-Dealer zu pilgern oder auf den Weihnachtsmann zu hoffen.
Die 2012 unter dem Namen ME AND MYSELF gegründete Melodic Death Metal-Band bringt nun unter dem neuen Namen CAELESTIA (zu Deutsch: „Die Himmelskörper“) ihr Debüt-Werk „Beneath Abyss“ heraus. Zwei Bassisten, drei Gitarristen und eine Sopran-Sängerin haben die Griechen am start – allerdings keinen festen Schlagzeuger. So haben mehrere Gast-Drummer (darunter Markus Freiwald (SODOM) und Kostas Savvidis (ex-NIGHTFALL)) das Material eingespielt. Stilistisch haben CAELESTIA einen gewaltigen Gothic-Touch, der wohl zu großen Teilen dem zarten Klargesang von weiblicher Seite geschuldet sind, und das obwohl die Band sich zu wirklich großen Teilen im Up-Tempo-Bereich bewegt. Gerade der männliche Gegenpart zu Dimi ballert hinterlegt mit flotten E-Gitarren und kräftigem Schlagzeugspiel eines beliebigen Drummers schon mächtig und sorgt für ordentliche Kontraste. So gibt es auf der einen Seite düsteren Gothic („Lake Of Decay“), während auf der anderen Seite ordentlicher Melodic Death-Metal geboten wird („Blessing Of Tragedy“).
Was einem da besser gefällt ist natürlich Geschmackssache, mir persönlich gefallen die weniger gotisch dominierten Stücke besser. Zu ertragen ist der Frauengesang aber allemal, auch wenn das sicher besser geht. Hervorzuheben sind die kräftigen Basslienen, die Songs wie „Malleus Maleficarum (The Secret Cult) oder „Secret Rite“ einen mächtigen Flow verleihen.
„Beneath Abyss“ ist für die kurze Zeit in der es entstand ziemlich gut, einige Songs zeigen wirklich Potential. Über den Durchschnitt können die Griechen sich mit diesem Werk zwar noch nicht erheben, aber man lässt ja Platz nach oben. Fans von symphonischen Death Metal sollten hier mal reinhören.
„Rust & Bone“ heißt die neuste Veröffentlichung der irischen Death-Doomer MOURNING BELOVETH. Drei Songs die zwischen schleppendem Doom und modrigem Death Metal angesiedelt sind werden hier serviert. So schwanken MOURNING BELOVETH tatsächlich zwischen trägen und treibenden Passagen, den recht gotischen Beginn von „Godether“ einmal außen vor gelassen und zeigen sich ausgesprochen wandelbar: Langeweile kommt hier auch bei über sechzehn-minütigen Songs nicht so schnell auf.
Die beiden Instrumentalstücke „Rust“ und „Bone“ sind erfreulicher Weise recht kurz gehalten und verschaffen dem Wer so etwas wie eine anmutige Gliederung. Die Songs selbst glänzen durch einen eher progressiven Aufbau, viel Wandel und viele Details. Während der Opener „Godether“ eine lange doomige Reise in Richtung Death Metal ist, weiß vor allem „A Terribly Beauty Is Born“ zu überzeugen: MOURNING BELOVETH packen die Akustik-Klampfe aus und liefern hiermit eine wunderschöne, atmosphärische Nummer ab, die mit tieftrurigen Cleanvocals und Hintergrund-Trommeln enorm punkten kann. Großartig! „Rust & Bone“ erscheint in einer sehr stilvollen Digi-Ausführung und ist via Ván Records zu erwerben.
Aus Chile kommen LEFUTRAY, die mit „Oath“ ihr drittes Album herausgebracht haben. LEFUTRAY heißt so viel wie „schneller Sound“ auf Mapudungún. Und das ist auch das Attribut auf das die Thrasher aus Santiago bauen: „Oath“ besticht durch schnelle, wuchtige Gitarrenläufe, ein rasendes Schlagzeug, dominante Bässe und mitreißenden Groove. Stilistisch orientieren sich LEFUTRAY an der modernen Spielart á la MACHINE HEAD, Old School-Fans kommen hier nur bedingt auf ihre Kosten.
Dafür zünden mächtige Songs wie „Womb“, „Sound Kills“, „Mutant Mother“ oder das abschließende „Virus“ sofort. LEFUTRAY ballern nicht einfach drauflos, sondern lockern ihre Songs durch viele Instrumentalparts auf, mit „Aura“ ist hier sogar ein rein-instrumentales Interlude am Start. Wer auf modernen Thrash Metal etwas filigranerer Machart steht sollte hier mal reinhören!
TRAITOR aus der Bang Your Head!!!-City Balingen haben mit "Venomizer" ihre zweite Platte am Start, die wie erwartet lupenreinen Thrash Metal bietet, auch wenn der Titel weniger plakativ als der des Erstlings. Auffällig ist der extrem gute, druckvolle Sound, für den sich mit Vagelis Maranis (MARAUDER, SUICIDAL ANGELS) der gleiche Produzent wie beim TRAITOR-Debüt fand. Eine gute Wahl, die Konstanz macht sich bezahlt. Überhaupt ist das neue Langeisen die konsequente Fortführung des mit dem Debüt eingeschlagenen Weges, also schön Thrash Metal deutscher Prägung. Das fängt beim Gesang an, der an eine Mischung aus alten KREATOR und fitten SODOM erinnert, geht beim präzisen Riffings weiter ("Reactor IV") und hört beim konsequent hohem Tempo ("War, Death & Terror") auf. Das nötige Händchen für gutes, spannendes Songwriting haben TRAITOR auch, wie "Lords Of Lust" beweist, das zu den besten Songs der Platte gehört. "Venomizer" ist wenig innovativ, aber das ist auch nie der TRAITOR-Anspruch gewesen. Stattdessen gibt es gut gemachten Thrash Metal, der Party-tauglich ist, zum Headbangen einlädt und die Tradition des deutschen Thrash Metals weiterführt. Reicht doch für den Feierabend-Spaß.