BLACKSMOKER haben als Trio begonnen, sich mittlerweile aber mit ex-OMEGA MASSIF-Mann Boris an der zweiten Gitarre vielversprechend verstärkt. Auf "Origins", dem Debüt der Truppe, gibt es auf schickem Vinyl Stoner-lastigen Metal zu hören, der sich fröhlich bei alten Rockhelden Marke BLACK SABBATH und heftigen Kollegen wie MASTODON, BARONESS oder HIGH ON FIRE bedient. Das ergibt zusammen eine erdige, gut rockende Scheibe, die vom Opener "Death Valley" bis zum Rausschmeißer "Hell Walks The Earth" Laune macht und zum Bier trinken, kiffen und Headbangen auffordert. Eine rotzige Grundattitüde ist BLACKSMOKER nicht abzusprechen, wodurch "Origins" noch mehr an Charme gewinnt - die Scheibe kann nicht ohne Grinsen gehört werden. "Burn Down The Thrones" verbindet Anspruch und ehrliches nach-vorne-losgehen auf gekonnte Art und Weise, während "Mind Over Mind" als ruhigere Nummer den Epikhammer auspackt. Beides steht BLACKSMOKER gut zu Gesicht, hier waren Musiker am Werk, die beim Songschreiben eine genaue Vorstellung ihrer Platte hatten. Dieses Können ist "Origins" genau wie der Spaß beim Schreiben und Einspielen der Songs anzuhören. Soundlöcher gibt es nicht und Langeweile kommt erst recht nicht auf. "Origins" ist eine feine Scheibe in der Schnittmenge von Metal und handfestem Rock. Live sicher Bombe und auf Platte sowieso.
Anfang der 70er Jahre begann JOHNNY CASH, sich hauptsächlich in Schwarz zu hüllen: der “Man in Black” war geboren. Unterwegs mit dem gleichnamigen Song und der Johnny Cash Group gastierte der Musiker 1971 auch in Dänemark, und bei dieser Gelegenheit fragte das dänische Fernsehen an, ob Cash und seine Musiker nicht ein Sonderkonzert aufnehmen wollten. Sie wollten. Die Aufzeichnung dieses Konzerts erschien bereits 2006 als DVD, nun folgt mit einigen Jahren Verspätung erstmals die Veröffentlichung auf CD. Mit von der Partie sind die CARTER FAMILY, THE STATLER BROTHERS und CARL PERKINS, die allesamt schon zum Zeitpunkt der Aufnahme Rang und Namen hatten, und nicht nur im gemeinsamen Zusammenklang mit JOHNNY CASH zu hören sind, sondern auch Solo-Auftritte haben, wie beispielsweise Carl Perkins mit „Blue Suede Shoes“ und THE STATLER BROTHERS mit „Flowers On The Wall“. CASH- Klassiker wie das programmatische „Man In Black“, „A Boy Named Sue“, „I Walk The Line“ und „Folsom Prison Blues“ dürfen natürlich nicht fehlen, ebenso wenig Duette mit June Carter („Help Me Make It Through The Night“, „Darlin´Companion“, „If I Were A Carpenter“). Und zum krönenen Abschluss schließlich folgt eine gemeinsame Darbietung aller Musiker beim Gospel-Klassiker “Children, Go Where I Send Thee”. Fazit: „Live In Denmark 1971“ bietet ein illustres Starensemble unter Johnny Cashs Federführung und damit ein hübsches Schmankerl zur Vervollständigung einer jeden Johnny Cash-Sammlung.
Während des Weihnachtskonsum-Wahns wurde ich in meinem Kiez überraschend von einem jungen Mann angesprochen. Im Verlauf dieses Gesprächs stellte sich heraus, dass er ein Musiker aus Estland ist und auf diese Weise versucht, seine Kunst an den Mann zu bringen. Da hätte er es schlechter erwischen können. Zwar "bezahlte" ich nicht für die CD, versprach ihm aber, mich mit der Ware zu beschäftigen.
Und voilá, heute stelle ich euch die Band ILLUMENIUM vor. Die fünf Musiker kommen aus Estland, sind durchweg auf Tour in Europa und haben mit "Towards Endless 8" ihr Debütalbum im Gepäck. Geboten wird eine Melange aus Rock, Post-Grunge und einem melancholischen Gothic Metal, der mich immer mal wieder an PARADISE LOST erinnert. Mit über einer Stunde Spielzeit und einer ordentlichen Produktion hinterlässt das Teil einen guten Eindruck. Stimme, handwerkliches Können und auch das Songwriting sind vielversprechend. "For my old Friend" überzeugt mit Atmosphäre, Emotion und einer Portion Kraft und Zorn. Die Band verbindet gekonnt Wut und Melancholie in ihren Nummern, wobei hier die zuweilen echt starken Melodien punkten können. Etwas weniger Songs hinten heraus und die Reduzierung von musikalischen Wiederholungen hätten das Teil verdichtet und noch zwingender gemacht.
Die Vermarktung der Esten muss eventuell noch mal überdacht werden, aber das musikalische Potenzial verdient in jedem Fall Beachtung!
WEAK ASIDE haben sich auf "The Next Offensive" lange vorbereitet; fünf Jahre, um genau zu sein. Da kann eine Band schon mal den Fokus verlieren oder sich neuen Einflüssen öffnen oder sowas, bei den Emdener ist nichts davon passiert: das neue Album schließt nahtlos an das Debüt der aus FEARER hervorgegangenen Band an. Fetter Death Metal, der sich fröhlich in England, Schweden, Holland und den USA bedient und auch vor heimischen Kollegen Marke MORGOTH nicht zurückschreckt. Einen Innovationspreis gewinnt damit niemand, aber das ist auch nicht der Anspruch der Ostfriesen. Wer eine gut gemachte Death Metal-Platte sucht, die gut 40 Minuten ordentlich aufs Mett gibt, der wird hier glücklich. WEAK ASIDE finden in den Songs von "The Next Offensive" die richtige Mischung aus schön nach vorne gehendem Death Metal mit Doublebass-Getrümmer und gnadenlosem Riffing und schleppender Walze. Der Gesang weckt immer wieder Erinnerungen an Evil Chuck, zeigt sich variabel und kann immer wieder Akzente setzen. Die Gitarristen verstehen ihr Handwerk und bauen gerne mal leichte Thrash-Noten ein, während an den Drums jemand sitzt, der gerne einfach Vollgas gibt, sich aber in den schleppenden Songs auf das Wesentliche besinnt und songdienlich arbeitet. Alles in allem ist "The Next Offensive" so eine richtig gute Death Metal-Scheibe, mit der WEAK ASIDE bei allen Death Metal-Fans punkten können. Fett!
Progressive Metal gibt es von TOOTHGRINDER auf die Ohren: Nach der Bandgründung 2010 und einigen EP’s bringen die Vier aus New Jersey „Nocturnal Masquerade“ nun endlich ihr erstes Album heraus. TOOTHGRINDER kombinieren mörderisch brutale Hardcore-Trips mit ausgesprochen melodischen Passagen, satten Grooves und atmosphärischen Spielereien. Abwechslung wird hier also großgeschrieben.
Wie ein Weckruf bricht der Opener „The House (That Fear Built)“ auf den Hörer herein, schmettert alles nieder und punktet dann mit äußerst eingängigem Clean-Refrain. Gitarren und Schlagzeug erweisen sich als ausgesprochen variabel. TOOTHGRINDER halten trotz progressivem Aufbau alles beisammen, steigern sich in ihren Songs kontinuierlich bis zum (meist scheppernden) Höhepunkt und vermeiden Längen. So kommen ruhigere Stücke wie „I Lie In Rain“ oder „Diamonds For God“ einfach nur unheimlich atmosphärisch daher und beweisen aufs Neue wie gut der Mix aus Shouts und Clean-Vocals hier harmoniert. Der Titelsong präsentiert sich wie auch der Opener ziemlich düster. „Lace Anchor“ und „Despondency Dejection“ kommen mit einem fast exotischen Aufbau daher, „Walz Of Madmen“ beendet das Werk als progressives Feuerwerk. Langeweile kommt hier wirklich nie auf, die zwölf relativ kurzen Songs beschränken sich stets auf das Wesentliche, glänzen aber dennoch durch viele Details. Wer auf Progressive mit Hardcore und Post Rock steht, sollte hier mal genau hinhören.
Wie klingt es wenn (man) Fleisch zerreißt? SWARMING aus Finnland/ Schweden wissen die Antwort. „Cacophony Of Ripping Flesh“ ist der Herren erstes Album und seit Halloween im Handel. Darauf enthalten sind acht Stücke, die zwischen 2010 und 2012 aufgenommen wurden und jetzt (besser spät als nie) via Dead Beat Media veröffentlicht werden. Lasse PYYKKÖ (HOODED MENACE, RUINEBELL, etc.) und Rogga Johansson (DOWN AMONG THE DEAD MEN, NECROGOD, PAGANIZER, etc.) haben hier gute Arbeit geleistet und ein rohes, dreckiges Death Metal-Album alter Schule erschaffen. Mit viel Wut und Leidenschaft zerreißen SWARMING offenbar ihr Fleisch, was gar nicht einmal so mies klingt. Katzenmusik („Cacophony“) ist hier nur am Rande zu erwarten, dafür spielen die Musiker auf zu hohem Niveau. Wirklich gute, eingängige Death Metal-Riffs und ein düsterer Unterton machen SWARMING aus. Wer auf gutgemachten Death Metal alter Schule steht und wissen will was der HOODED MENACE-Frontman noch so treibt sollte hier mal rein hören!
Die Entscheidung, dass ihre Band KYPCK (was auf Deutsch "Kursk" bedeutet) heißen soll, hatten die Gründer Sami Lopakka (der auf 16 Jahre mit SENTENCED zurückblicken konnte) und Hiili Hiilesmaa (der seit 2011 nicht mehr dabei ist) genauso schnell gefällt wie die Auswahl der russischen Sprache für die Texte um sich mehr von anderen Bands abzugrenzen. Nicht ganz so schnell fand sich dafür ein passender Sänger, aber ob die Gitarre in Form eines AK-47-Sturmgewehres (!) bei Herrn Lopakka von Anfang an auf der Liste stand, ist bislang nicht bekannt. Mittlerweile können KYPCK jedoch auf zwei Alben zurückblicken, die allerdings eher gemischt aufgenommen wurden. Und als Meisterwerk geht auch "Imena Na Stene", wie "Имена На Стене" auf Nicht-Kyrillisch heißt, nicht wirklich durch. Das liegt nicht etwa an der exotischen, gewollt schrägen Ausrichtung der Truppe, sondern schlichtweg daran, dass es das Quintett nicht hinbekommt, seinen epischen Doom (der eine gewisse Verwandtschaft mit langsameren SENTENCED nicht verleugnen kann) packend und ohne Längen zu zelebrieren. Bei Songs wie dem Titelstück, "Дети Биркенау (The Children Of Birkenau)", "Грязный герой (The Filthy Hero)",oder "Всегда так было (It’s Always Been This Way)" will der Funke trotz des kraftvollen Gesangs von Erkki Seppänen und der durchaus gelungenen Düsteratmosphäre kaum überspringen, was angesichts des großen Potentials der Band und des Gesamtkonzepts echt schade ist.