Die finstersten Abgründe westlicher Hermetik und Alchemie gibt es auf „De Secretis Naturae Alchymica“ zu entdecken. Solokünstler H.M.T. zelebriert eine düstere Messe, irgendwo zwischen rituleskem Doom Metal und leicht industriellem Noise/ Ambient. So stehen beschwörerische Vocals bei TEMPLE OF GNOSIS an erster Stelle, die Instrumentierung sorgt nur hintergründig für eine passende Atmosphäre. Wer in Tiefen westlicher Esoterik abtauchen möchte, macht hier also absolut nichts verkehrt. Für den durchschnittlichen (Doom-) Metal-Fan sind TEMPLE OF GNOSIS aber vermutlich ein wenig zu speziell um sich eine große Anhängerschaft erspielen zu können. Über weite Strecken geben sich TEMPLE OF GNOSIS nämlich sehr zäh. Die Stücke gleichen einander stark, es wird sehr viel geredet, Musik gibt es selten, Gesang (fast) nie – weshalb ich die stilistische Bezeichnung „symphonic okkult Death Doom“ auch etwas unzutreffend finde. Wer auf rituleske Musik steht sollte hier im Gegenzug unbedingt reinhören, das knapp fünf Minuten lange Intro zeigt dabei schon in welche Richtung es geht. „Sol Katharis“ und „Tree Of Life“ zeigen sich dabei zugänglicher als der Rest.
STEAK NUMBER EIGHT weichen auf ihrem drittem Album nicht von ihrem Weg ab. Weiterhin ist das chaotisch-komplexe Zusammenfügen unterschiedlichster Bestandteile ihre große Leidenschaft. Für den Mix zeigte sich auf "Kosmokoma" David Bottrill (TOOL, KING CRIMSON) zuständg, was nicht nur für einen guten Sound spricht, sondern auch das Potential der Band zeigt. Gut, bei Album Nummer Drei ist letzteres keine Überraschung mehr und was die Belgier an Songs zusammengeschrieben haben, zeigt das voll und ganz. Das doomige "Gravity Giants", "It Might Be The Lights" als klare Post-Metal-Variante oder die PINK FLOYD-Verneigung „Knows Sees Tells All“ zeigen die vielen Facetten im STEAK NUMBER EIGHT-Sound eindrucksvoll auf. Dabei verstehen es die Herren, jederzeit - halbwegs - nachvollziehbar zu bleiben und weder die Songs zu überfrachten noch den Hörer zu überfordern; was nicht für eine leicht zugängliche Platte steht. "Kosmokoma" fordert den Hörer auf sympathische Weise heraus. Wer die Herausforderung annimmt und ein wenig über den eigenen musikalischen Tellerrand schauen kann, wird mit einer packenden Scheibe belohnt. Ein bißchen ISIS, ein bißchen TOOL, ein bißchen PINK FLOYD, ein bißchen GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR ("Space Punch") und viel Können: fertig ist auch das dritte gut zusammengepuzzelte STEAK NUMBER EIGHT-Album.
Die neuste EP „Dying Alone“ der Côte d’Azur-Todesmetaller AFFLICTION GATE bringt vieles auf den Punkt: Hier gibt es Death Metal rauerer Machart, mit leicht schwärzlichen Schauer (wie das Artwork schon vermuten lässt) und ohne Schnörkel. Der Gesang von Herastros hat etwas leicht verzweifeltes, was die stimmige Gitarrenarbeit schön untermalt. AFFLICTION GATE liefern Death Metal der ohne blutige Orgien und Monster mit seiner düsteren Stimmung punkten kann. Per se gibt es an „Dying Alone“ so kaum etwas auszusetzen. Es klingt in jedem Fall gut, was die Franzosen hier machen, aber leider klingt es auch sehr ähnlich. Klar gibt es hier auch einige Tempowechsel, Melodien und Riffs, die selbstverständlich variieren, doch wo ist das Highlight von „Dying Alone“? Ich kann es nicht sagen. Wer auf angeschwärzten (Old School) Death Metal der „depressiven“ Sorte steht, sollte hier rein hören. Ein „Must-have“ ist die limitierte EP aber nur für ganz harte Genre-Fans und Sammler.
Urtraditionellen klassischen Hard Rock haben sich LAST IN LINE auf die Fahnen geschrieben, und das erklärt sich von alleine, wenn man einen Blick auf die Musiker der Band wirft. Da ist mit Vinny Appice, Jimmy Bain und Vivian Campbell die Besetzung von DIOs ersten drei Alben an Bord, angereichert mit Sänger Andrew Freeman (HURRICANE, LYNCH MOB). Jimmy Bain, seines Zeichens auch RAINBOW-Bassist auf den Über-Alben "Rising" und "On Stage", ist tragischerweise vor der Veröffentlichung des Longplayers verstorben - R.I.P.
"Heavy Crown" ist ein hervorragend eingespieltes sowie erdig, klanglich enorm differenziert und kraftvoll produziertes Album. Sänger Andrew Freeman fügt sich ausgezeichnet in die groovenden, hart zupackenden Nummern und veredelt sie mit eigenem Profil. Das Teil ist kompakt und bietet kaum Schwachstellen; nur vollkommene Liebe entfaltet sich eben auch nicht.
Vivian Campbell zupft eine edle Gitarre, die sich erst beim dritten oder vierten Durchgang so richtig ins Gehör buddelt. Das Songwriting schwankt zwischen dem eher durchschnittlichen "Martyr" und genialen Nummern wie "Curse the Day", das mit seinem sentimentalen Beginn und dem inspirierten Spiel von Vivian überzeugt, oder dem atmosphärisch dunkel grollenden Titeltrack. Auch das abschließende, mit DIO-Riffing vorangetriebene "The Sickness" ist auf der Habenseite.
Das Debüt der "Supergroup" liegt knapp über dem Durchschnitt, die Besetzung und der perfekte Klang hätten mehr liefern können, wenn nicht sogar müssen. Ende dieser Woche gibt es für unsere bayerischen Kids Zwischenzeugnisse - "Heavy Crown" würde ich eine 2 Minus geben, womit Mama und Papa mehr als zufrieden sein sollten.
Wenn sich Musiker vom Schlage eines "Lef" Lorenzo Esposito Fornasari (BERSERK!, OBAKE) Colin Edwin (PORCUPINE TREE) oder Pat Mastelotto (KING CRIMSON) in einem Projekt zusammenfinden, sind die Erwartungen automatisch hoch. Bei O.R.K. leben die Herren keine unerwarteten musikalischen Ideen aus, sondern bleiben der progressiven Musik treu, die sie kennen und können - und trotzdem ist "Inflamed Rides" kein lahmer Abklatsch ihrer Hauptbands. Glücklicherweise sprudeln die Ideen nur so aus den Herren heraus, was sich in überraschenden Riffs im Opener "Jellyfish", jazzigen Einflüssen in "Dream Of Black Dust" und harten Tönen ("Breakdown") manifestiert. "Inflamed Rides" entpuppt sich nach dem erstem gefälligen Höreindruck als wahre Wundertüte progressiven Rocks. Natürlich finden sich Facetten von KING CRIMSON und PORCUPINE TREE, diese werden durch die vielen verwursteten Ideen schnell in den Hintergrund gedrängt. Das dunkle "Funfair" oder das fast schon tanzbare "No Need" seien hier als Beispiele genannt. Insgesamt ein sehr interessantes Album voller Facetten progressiven Rocks, die in dieser Form nicht zu erwarten waren. O.R.K. zeigen, dass ein Projekt mehr sein kann als nur das Kohle machen mit den Namen der Beteiligten. "Inflamed Rides" ist ein spannendes Progressive Rock-Album geworden, das Fans aller genannten Bands gefallen wird. Erwartungen erfüllt!
CAULDRON aus Kanada gehörten auch schon auf den vorhergehenden drei Alben nicht zu den hektischsten Vertretern ihrer Zunft. Ihr melodisch / melancholischer Heavy Metal buhlte nie um Geschwindigkeits- oder Härterekorde, vielmehr wusste er durch memorable Melodien und eine einzigartige Stimmung zu überzeugen. Auf Album Nr. 4 ist das keinen Deut anders. Während man gerade beim Punkt zwingende Melodien auf dem Vorgängerwerk „Tomorrow’s Lost“ etwas schwächelte, so befindet man sich mit „In Ruin“ wieder in der Erfolgsspur des Zweitwerks „Burning Fortune“. Als Einflüsse höre ich neben den amerikanischen HALLOWEEN (die man mit „I Confess“ auf besagtem Zweitwerk auch schon coverte) auch 80er Undergroundcombos wie NIGHTCRAWLER oder LEATHER NUNN heraus. Aber auch die 80er Großtaten der SCORPIONS dürften einen bleibenden Eindruck auf Jason Decay und seine Mannen gehabt haben. Das große Plus von „In Ruin“ ist die angenehme „Hörbarkeit“. Zur Musik CAULDRONs lässt sich sowohl im Club abrocken als auch auf der Couch entspannen. Mir gefällt der Mut, viele Hard Rock Elemente in ihren Sound einfließen zu lassen, ohne sich einen Kopf darüber zu machen, ob der Sound dadurch verwässert wird. Wird er meiner Meinung nach nicht, er bekommt aber eine weitere Facette und Tiefe. CAULDRON beweisen, dass Heavy Metal nicht immer voll auf die 12 gehen muss, um zu gefallen. Anspieltipps sind das treibende „Empress“, das flotte „Burning At Both Ends“ und der Stampfer „Corridors Of Dust“. Lediglich das etwas langatmige Instrumental „Delusive Serenade“ kann da nicht wirklich mithalten. Trotzdem bleibt das Fazit, dass CAULDRON mit „In Ruin“ ein weiteres gelungenes -und latent trauriges- Album veröffentlicht haben, das wunderbar dazu geeignet ist, nach dem Genuss der Alben von SKULL FIST, ENFORCER, RAM etc. zu entspannen und auf den Boden zurückzukommen. Chill-Out Metal sozusagen.