2006 in London gegründet, setzen sich die LOYALTIES aus ehemaligen Mitgliedern von den YO-YOS, den BLACK HALOS und DEADLINE zusammen. Nach zwei EPs und einer Split-Single ist „So Much For Soho“ das erste volle Album des Vierers. Und was dieser hier bietet, geht direkt von Anfang an bestens ins Ohr. Hauptsächlich ist der Sound durch Punkrock der alten Schule im Stile der RAMONES und der CLASH geprägt, aber genauso sind auch Einflüsse von SOCIAL DISTORTION und den SUPERSUCKERS herauszuhören. Dabei geht es fast durchgehend sehr melodisch zu, ist der Sound gleichzeitig aber immer schön dreckig, und geht es tempomäßig nie zu sehr ab, dafür aber immer straight und gerade nach vorne. Daneben gibt es immer wieder Ohrwurm-Hooks und hymnische Refrains zu hören und sind die Songs musikalisch so vielseitig, dass einem nie langweilig wird. Einziger kleiner Kritikpunkt sind vielleicht die Lead-Vocals von Tom Spencer: Man wünscht sich stellenweise einfach etwas mehr Stimme. Auf der anderen Seite klingt sein gekrächzter Gesang aber zugegebenermaßen auch herrlich verbraucht und authentisch. Unterm Strich haben die LOYALTIES ein schönes Debüt abgeliefert, das mit tollen Songs und einer dreckigen Produktion voll überzeugt.
Dreizehn Jahre sind F.O.B. mittlerweile aktiv, bringen es mit „The Dice“ aber gerade einmal auf drei Alben – und was auf dem geboten wird, weckt nicht unbedingt den Wunsch nach mehr. Recht simpel ballern sich die Tschechen durch die knapp 45 Minuten, Höhepunkte sucht der Hörer da vergebens. Ganz sicher gehören die schiefen cleanen Vocals nicht dazu, die sich in manchen Songs finden und als Anbiederung an die Core-Gemeinde zu verstehen sind und gleichzeitig völlig unpassend zum Rest des Sounds sind. Der ist klar im Death Metal angelegt und hat eine Tendenz zum Grindcore, wie es so viele andere Tschechenbands auch machen. Nur besser. F.O.B. haben keinen einzigen guten Songs zustande gebracht, der „The Dice“ zu mehr als einem nur mittelmäßigen Album machen würde. Braucht echt niemand.
IRON MAIDNEM! Man muss schon etwas genauer hinschauen – alleine das Cover weckt Erwartungen gen vergangen Zeiten. Ist das etwa die x-te „Best Of“ der nicht mehr ganz so eisernen Jungfrauen? Hört man lieber eine komplette CD durch oder stehe ich auf Compilations – Scheiben. Und vor allem - wie halte ich es mit Covern? Fragen über Fragen. Denn IRON MAIDNEM sind eine ungarische Tribute-Band die – durchaus gekonnt – ihren Faves und sich selbst - zum 10-jährigen Band-Jubiläum ein Album widmet das sich hören lassen kann. Vor allem die nicht nur mit den üblichen Highlights gespickte Songauswahl verdient Beachtung (siehe unten). Dabei lässt man, wohl gewollt, die beiden ersten von Paul Di’Anno eingesungenen Überflieger ebenso außen vor wie neueres Material. Das erstere dürfte auch an der Stimme von Sänger Zoltàn Kiss liegen (auch bei NEMESIS in Diensten), welcher hier einen verdammt guten Job macht ohne Sir Bruce zu arg zu imitieren. Fakt ist – IRON MAIDNEM beherrschen ihre Instrumente, haben einen ausgezeichneten Sänger in ihren Reihen und eine durchaus gelungene Songauswahl auf „10 Wasted Years" vorzuweisen. Das ich mir trotzdem lieber eine Original MAIDEN-Scheibe am Stück reinziehe ist meine Antwort darauf.
THIS ENDING haben nach ihrem Debüt nicht so viel auf die Kette bekommen, wie sie geplant hatten, aber genug Songs für eine neue Scheibe haben sie immerhin geschrieben. Auf der haut die quasi-All-Star-Combo (A CANOROUS QUINTET, AMON AMARTH, GUIDANCE OF SIN) erneut erstklassigen melodischen Schwedentod raus, der die eigene Vergangenheit zitiert und sich vor der Konkurrenz nicht verstecken muss. Hauptaugenmerk liegt diesmal auf AMON AMARTH-Drummer Fredrik, der sein Kit gnadenlos verprügelt und sich einen Sound basteln ließ, der an die Frühwerke seines Brötchengebers erinnert, was als Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart gesehen werden darf. An der Gitarre finden sich ebenfalls sehr versierte Musiker, die beispielsweise in „Parasites“ Schwedentodriffs vom Allerfeinsten haben, aber sich in den entscheidenden Momenten auch mal zugunsten der Brutalität zurücknehmen können. Einzig beim Gesang haben THIS ENDING einen Schwachpunkt, denn im Gegensatz zum Debüt ist der diesmal etwas kraftloser ausgefallen – zwar immer noch guter Genre-Standard, aber nicht auf dem gleichen hohen Level wie der Rest der Musiker. Das bleibt aber das einzige Manko einer ansonsten sehr guten Melodic Death Metal-Scheibe.
2004 kam diese CD bereits auf den Markt – in Eigenregie und ohne Labelunterstützung. Aufmerksamkeit erhaschte die Kapelle aber schnell und so sieht sich CMR-Records genötigt, das Teil erneut zu veröffentlichen. Als kleinen Bonus zu den sechs Songs gibt es ein Video zu „The Haunted“ vom vorangegangenen Output „Seducer Of The Human Souls“. Wie auch bei jenem Album legte Herr Andy Claassen bei diesem Re-Release Hand an, was dem eh schon nicht schlechten Sound weiter gut. Zu hören gibt es angedeathten Thrash, der „World Funeral“ sehr an Sylaer, beim zweiten Song „Final Strike frech an Sacred Reich erinnert, um sich dann auf SNIPER einzuschießen. Freunde traditioneller Bands wie Testament müssen sich diese Band unbedingt mal anhören, es ist erstaunlich wie nah an Rotenburg Amerika doch zu sein scheint. Und alle anderen sollten sich das Teil auch zulegen. Auch diese SNIPER sind verdammt effektiv …
Sehr ursprünglichen und dennoch melodischen Death Metal präsentieren die Sachsen-Anhaltiner auf ihrem bereits vierten Album (nach EP und Demo) – mit dicken Sound – aber erneut ohne Vertrag. Merkwürdig eigentlich, wo jedes Forstflittchen mit heidnischem Antlitz einen Kontrakt unterschreiben darf. Aber vielleicht ist Death Metal mit echten Heavy-Metal-Einflüssen eben doch nicht pagan genug? Sei’s drum: ABROGATION verwenden deutsche Texte im mittelalterlichen Kontext, scheinen das Ganze aber nicht so fürchterlich ernst zu nehmen (Bonustrack „Eisenmütze“) und vermeiden im Gegensatz zu früheren Alben fiese Peinlichkeiten. Musikalisch dominiert tatsächlich Death Metal der verträglichen Seite und mit wechselnden Tempi, gelegentlich durch akustische Parts aufgelockert und mit einer tüchtigen Portion Heavy Metal verfeinert. Unterm Strich bleibt für die Magdeburger eine weiter verfeinerte Scheibe, die Spaß macht und vom Charakter irgendwie an die ganz alten Reiter erinnert – obwohl die Stilistik sicher eine andere ist.
UNSOUL bewiesen bereits mit ihrem letzten Werk, dass Progressivität nicht immer zu Lasten der Hörbarkeit gehen muss. „Magnetic Mountain“, das neue Werk der Berliner Combo, ist der erneute Beweis und haut zwölfmal ordentlich auf die Kacke, ohne sich in endlose Frickelorgien zu ergehen. Im Grundgerüst weiterhin im Death Metal verhaftet, haben UNSOUL keine Scheu abgefahrene Ideen und ungewöhnliche Klänge einzubauen. Ganz besonders das Keyboard ist hier Vorreiter und hat von Kirchenorgelklängen bis good ol’ Hammond-Orgel ein sehr breites Spektrum zu bieten, das aber immer – und das ist das eigentlich Bemerkenswerte – perfekt in den jeweiligen Song passt. Die Kollegen des Tastenmannes wollten da wohl nicht zurückstehen und haben ebenfalls mehr als nur heftiges Geballer zu bieten, besonders die Gitarren stechen hier hervor, mit irrwitzigen Riffs, Frickelparts und akustischen Zwischenspielen. Dass das alles harmoniert und nicht zu Ohrenkrebs führt, ist Beweis für das mehr als gute Songwriting der Berliner, die selbst weiblichen Gesang („Dance Your Legs Off“) mühelos integrieren können. UNSOUL sind quasi die durchgeknallten Brüder von OPETH, die mit diesem Longplayer für ordentlich Aufsehen sorgen dürften!
Die ehemaligen VOLXTROTT (oder ihre PR-Abteilung) beschreiben sich als Folkrock-Punker, wohl auch, um sich von etwaigen Genregrößen wie STS, Schandmaul und Co. abzusetzen. Mag sein - Mittelalter hin, Folkrock her – die Band wirkt wie gewollt und nicht gekonnt, viel zu geplant beziehungsweise kalkuliert. Sicherlich sind Geige, Dudelsack, Gitarre und all der anderen Spielleut’ Handwerkzeug nicht inkompetent bedient, aber mit der Wirkung ist das so eine Sache. Da fehlt dem Rock der Wumms, dem Punk die Frische, dem Folk die Authentizität. VOLKSTROTT klingt wie eine Rockband für die Hausfrau - die Band ist, wenn nicht komplett scheiße so auf jeden Fall frustrierend langweilig. In einem Review einer führenden Print-Gazette las ich einen Vergleich des VOLXTROTT-Sängers LeBen mit Eric Fish – das ist Erich gegenüber eine echte Frechheit. In der zweiten großen gedruckten Postille las ich von Stolper-Folkern. Ich tendiere zum dritten Magazin, die schrieben nämlich gar nix über diese wenn nicht nervige, so mindestens belanglose Kapelle.
“Resisting Success" und “If At First You Don't Succeed” waren seinerzeit echte Meilensteine anspruchsvollen US-Power/Speed/Thrash-Metals. Das Feeling längst vergangener Tage versucht die DVD mit einem Auftritt aus Boston von 1988 herauf zu beschwören. Um es vorweg zu nehmen – es klappt nur sehr leidlich. Da ist zum einen die schlechte Bildqualität inklusive nerviger Schnitte und mittlerer Soundqualität. Klar – es ist ein Bootleg, noch dazu ein alter. Aber die Aufnahme vom Support-Gig für MEGADETH hält nicht das, was die Band früher hielt. Das aber werden – wenn überhaupt – nur diejenigen verstehen, die die Band von früher kennen und vielleicht sogar gesehen haben. Auf Neulinge dürfte der Live-Mitschnitte vielleicht sogar abschreckend wirken. Cool hingegen kommt die Dreiviertelstunde „Inside The Metal“, die die Geschichte der Band aus New Jersey aufarbeitet und mit netten Interviews und Bildausschnitten ein echtes (und sehenswertes) Zeitzeugnis liefert. Da bestätigen HADES viele schöne Klischees von damals – ja, damals sahen Metaller so aus. Dennoch wird der Konzert-Bootleg der Qualität dieser tollen Band nicht wirklich gerecht – historische Verklärung hin, Trueness her. Ich hör’ jetzt mal die erste HADES auf Vinyl. Das gibt’s auf der DVDisc:
Ganz im Geiste von alten Recken wie GORILLA BISCUITS oder BAD BRAINS gehen DISOBEY auf ihrem neuen Album vor: schneller, old schooliger Hardcore, der einen Scheiß auf Image oder Mode oder sonst was gibt, stattdessen einfach nur in die Fresse haut. Authentischer kann eine Band anno 2009 nicht sein als die Jungs hier, was sie sehr sympathisch macht und die Schwächen im Songwriting fast vergessen macht. Denn das ist das Manko an den elf Songs: sie sind zu ähnlich ausgefallen und folgen alle dem gleichen Schema, was es schwer macht, sie auf Dauer auseinander zuhalten. Ähnlich wie Achtlinge. Jeder für sich ist ein guter HC-Songs, aber über die volle Distanz funktioniert das noch nicht hundertprozentig. Genug Potential ist in der Band aber auf jeden Fall, damit die nächste Scheibe ein echter Knaller wird, zumal es in Sachen Produktion und Verpackung schon jetzt nichts zu meckern gibt.