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Blau ist keine Form

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Deutsch singende Rock-Bands gibt es ja eigentlich schon mehr als genug. Aber das Trio GRANADA74 hebt sich wohltuend vom Mainstream-Brei ab. Sein lärmiger Garagen-Rock hat einfach Charme, und man merkt den drei Kölnern den Spaß am Musik machen deutlich an. Auch die Texte, die sich irgendwo zwischen skurril, witzig und leicht sinnfrei bewegen, zeigen, dass man sich selbst angenehm unernst nimmt. Songzeilen wie "Ich wär so gern dein Slip" oder "Ich hab ein T-Shirt an und das stinkt nach Fisch" bewegen sich zwar hart an der Grenze zu bloßen Albernheiten, aber Andreas Raasch intoniert seine Lyrics so unbekümmert, dass man sich ein Grinsen trotzdem nicht verkneifen kann. Lediglich der Titelsong bereitet mir mit seinem 80er Beat in der Strophe und seinem allzu sinnfreien Text ziemliche Mühe, zumal er auch noch stark an die grauenvollen SPORTFREUNDE STILLER erinnert. Dagegen zeigen Songs wie "Eine Andere Stadt" oder "Supergummigut" die eigentliche Stärke des Trios: Simpler, straighter Schrebbel-Rock mit netten Melodien, von denen viele direkt im Ohr hängen bleiben. Und das ist doch schon mal wesentlich mehr, als der überwiegende Großteil der aktuellen Deutschrocker zu bieten hat.

Blau ist keine Form


Cover - Blau ist keine Form Band:


Genre: Nicht angegeben
Tracks: 9
Länge: 27:34 ()
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The Return Of The Red Pony

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Die Österreicher bereiten sich auf die Zeit vor, wenn kein Schnee mehr fällt und ihre Alpen zu Steinwüsten verfallen sind. Arizona kommt nach Europa, vieles erinnert an QOTSA und Co. Nur spielten die Ösis ihren Scheibe mit sehr viel Siebziger-Flair ein, Led Zeppelin sind allgegenwärtig gelegentlich grüßen sogar die Beatles und manch Song klingt gar nach Udo Lindenberg in seiner Andrea-Doria-Zeit. Sogar Artwork, Schrifttypus und Layout der Scheibe transportieren den Spirit des Vergangenen. Das mag ja alles an sich nicht schlecht sein, ist sogar recht abwechslungsreich (Western-Feeling, balladeske Songs, Psychedelic-Pop, Keyboard-Rock, Hendrix-Retro, rockiger Groove, Boogie, und vieles mehr - das trifft wahrscheinlich sogar wieder den Zeitgeist, wie Erfolge von Bands wie Wolfmother zu belegen scheinen. Indes: Mit zunehmender Spielzeit geht einem der Gesang auf die Nerven, sorgt für Ohren- und Hirnbluten. Und auch die lichten Momente der Scheibe können nicht über die Redundanz der Songs hinwegtäuschen. THE RETURN OF THE RED PONY ist ein weiterer Grund zu hoffen, dass sich die Alpen der fortschreitenden Klimaerwärmung noch länger als erwartet widersetzen.

The Return Of The Red Pony


Cover - The Return Of The Red Pony Band:


Genre: Nicht angegeben
Tracks: 8
Länge: 36:27 ()
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Architecture

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SOYLVYBE machen schon seit einigen Jahen Musik und haben es mittlerweile fünf Alben veröffentlicht, von denen ?Architecture? das aktuellste ist. Ein wenig verwundert es ja, dass die Band bisher kaum in Erscheinung getreten ist, jedenfalls außerhalb von Bayern. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. An der Qualität vom vorliegenden Longplayer wird aus auf jeden Fall nicht scheitern ? die vier haben ansprechende Songs, die grob als moderner Metal eingeordnet werden können, ohne sich zu sehr an einer Band zu orientieren. Geboten wird stattdessen ein kraftvoller klarer Gesang, der sehr im Mittelpunkt steht und oft von ebenfalls kräftigen Backing Vocals unterstützt wird. Dazu kommen harte Gitarren, die sich aber zurücknehmen können und nie unangenehm in den Vordergrund drängen, sondern sehr songdienlich agieren und gemeinsam mit der Rhythmus-Sektion einen ordentlich Groove aufbauen. Das alles führt zu acht interessanten, hochklassigen Metalsongs, mit denen sich SOYLVYBE sehen lassen können und die die Band hoffentlich im deutschen Raum bekannter machen.

Architecture


Cover - Architecture Band:


Genre: Nicht angegeben
Tracks: 8
Länge: 35:0 ()
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Next Target: Punkrock

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Der Fünfer aus Niederbayern hat sich bereits 1997 gegründet und hat immerhin schon vier Alben am Start. Der Titel des neuen Albums ist offenbar zumindest teilweise ironisch zu verstehen. Denn einerseits spielen die Jungs lupenreinen Punkrock, andererseits nehmen sie sich aber selbst nicht allzu ernst. So wird sich dann in "Ritalin" an Hardcore versucht und in Songs wie "Quit Da Scene" an Ska, in beiden Fällen aber mit einem gehörigen Augenzwinkern. Das eigentliche Metier von DUMPWEED ist schneller, aber eingängig melodischer Punkrock. Der bleibt, obzwar mit viel Energie gespielt, größtenteils an der Oberfläche, so dass unterm Strich nicht viel hängen bleibt. Wer kalifornischen Gute-Laune-Punkrock mag, ist hier sicherlich an der richtigen Adresse. Mir persönlich fehlen aber echter Dreck und eine ordentliche Portion Eigenständigkeit.

Next Target: Punkrock


Cover - Next Target: Punkrock Band:


Genre: Nicht angegeben
Tracks: 14
Länge: 38:49 ()
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Fuel The Fire EP

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Emo aus der Oststeiermark ist schon exotisch. Wer auf Wiener Schmäh beim Gesang wartet oder folkloristische Einflüsse, der ist mit dieser EP falsch bedient, denn soundmäßig sind DEFCON nicht von anderen Bands des Genres zu unterscheiden. Das ist gleichzeitig das große Manko der Combo (und des Genres insgesamt): in der Veröffentlichungsflut wird "Fuel The Fire" ziemlich schnell untergehen. Für große Aufmerksamkeit werden die sechs nach Schema F gestrickten Songs nicht reichen, auch wenn sie gut ins Ohr gehen und solide gespielt und produziert sind. Aber das reicht einfach nicht aus, wenn man in einem so überlaufenen Genre wie dem Emocore eine durchschnittliche Platte veröffentlicht.

Fuel The Fire EP


Cover - Fuel The Fire EP Band:


Genre: Nicht angegeben
Tracks: 6
Länge: 23:2 ()
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Chewed To Bits By Flying Rodents

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Mal wieder recht ungewöhnliche Sounds bei MI - BLOTCH ("Fleck") nennt sich eine Formation aus Köln und Bonn. Selber umschreiben sie ihren Stil als Dancefloor Rock, ich tendiere zu Indie meets Elektro aber auch dies trifft es natürlich auch nicht ganz. Denn der Track "Kei" entwickelt sich aus einem behäbigen atmosphärischen Gitarrengeklimper tatsächlich zu einem fetten Metalfinale. Eigentlich in klassischer Rockband-Besetzung mit Schlagzeug, Bass und zwei Gitarren sind die vier Jungs unterwegs, es geht viel um Rhythmus und Bewegung. Man verwendet lt. eigenen Angaben keine Samples oder Loops, bereits beim ersten Track mit treibenden Beats sowie dieser endlos monotonen Gitarrenschleife (") beginnend und der danach sich in fast extatische Konglomerate hochsteigernde Fusionsound wird deutlich, diese Musik hat schon etwas, bloß was "! Nach einem Demo im Jahre 2003 sowie einem weiteren Live-Demo von 2005 gibt es jetzt den ersten Longplayer mit dem Titel "Chewed To Bits By Flying Rodents" ("Rodents" = Nagetiere). Hatte ich schon erwähnt dass BLOTCH rein instrumental agieren - egal positiv sind auf jeden Fall die vielen traditionellen Einflüsse aus Jazz, Rock, Punk und ja auch Metal. Weiterhin wird auch viel mit Klängen, Geräuschen und sonstiger Lautmalerei experimentiert sowie gewisse fernöstliche Soundmuster miteingebaut. BLOTCH schrecken eigentlich vor nichts zurück, pflegen eine gewisse skuril-schnöde Attitüde aber kommen trotzdem nicht total abgehoben oder gar künstlich daher. Der Spaßfaktor wird deutlich hörbar trotzdem hochgehalten, es klingt bei allerrlei seltsamen Details nie zu angestrengt oder konstruiert. Auch das an alte gemalte Filmplakate erinnernde Coverdesign sowie die leicht sonderbaren (Kunst) Titel deuten darauf hin und zeugen von ungewöhnlichen Musikauffassungen. Muß aber sagen, trotz aller Ideen konnte sich diese CD auf Dauer keine heavy Rotation in meinem Player erkämpfen da helfen die immer wieder stark durchdringenden Rockroots nicht viel. Wenn die Band live spielt und die Stücke immer wieder neu entstehen läßt, ist die sicher mal ganz amüsant aber Dauer taugt diese Mucke doch eher für den Hintergrund. Der zunächst freakige Charakter geht nach mehreren Durchläufen schnell verloren, bietet aber bei den ruhigeren Parts tatsächlich ein gewisses Chill-Out Feeling ("Swing low"). Für 5 € ist "Chewed To Bits By Flying Rodents" auf der Band HP zu haben inklusive lohnenswerten Digipack.

Chewed To Bits By Flying Rodents


Cover - Chewed To Bits By Flying Rodents Band:


Genre: Nicht angegeben
Tracks: 11
Länge: 42:45 ()
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Vorsicht, Fahrstuhl!

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TILLMANN nennt sich ein bayrisches Trio aus Augsburg und München welche Abseits des deutschsprachigen Mainstreams agieren, auf ihre eigene Art Retro sind und lobenswerter Weise Anbiederungen an Radio und TV vermeiden. Der Opener "Geld, Gold & Glücklichsein" erinnert zwar fatal an Farin und seine Ärzte - bekommt aber mit der Zeit eine eigenständige Note und bleibt bös gesellschaftskritisch. Das nachfolgende "Blütenrausch" erhebt diesen Anspruch wohl auch, kann aber nicht vollends überzeugen und fällt leicht ab; der Song klingt einfach etwas zu flach. Dies allerdings wohl mit Kalkül. Denn mit neuer deutscher Härte und ähnlichem haben Tillmann nun gar nichts am Hut - stattdessen wird Punkattitüde mit (tatsächlich) NDW-mäßigen Synthiesounds gemischt. Der schon recht rockende Track "Schwimmen im Meer" hat Hitpotential und "Wachs auf die Haut" könnte fast aus alten Westernhagen-Tagen stammen. Das Ideal-Cover "Eisbär" lässt allerdings den letzten Kick vermissen (oder ist das Original doch einfach schon zu gut) und für Pogo dürfte das Ganze heutzutage einen Tick zu brav sein. Zum Schluss gibt es einen Viererpack mit "Geschichten aus dem All", schon etwas gewöhnungsbedürftig, aber dabei wird doch eine interessante und witzige Atmosphäre erzeugt ("Braunschweig, wir haben ein Problem"). Zu Gute halten muss man TILLMANN aber die durchaus gelungen alltäglichen Texte mit recht kritischen Untertönen - abseits der Plattheiten der heutigen Popmusik (oder Popbands die sich für Rockacts halten) und ohne den Besserwissereffekt mancher professionellen Studentencombo. Als Alternative zwischendurch ist "Vorsicht, Fahrstuhl!" damit schon genehmigt - ansonsten ist die Scheibe definitiv nichts für jedermann.

Vorsicht, Fahrstuhl!


Cover - Vorsicht, Fahrstuhl! Band:


Genre: Nicht angegeben
Tracks: 14
Länge: 51:41 ()
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Asphalt And Concrete EP

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LAW FOUND GUILT sind die erste österreichische Emo-Band, die in meinem Player landet. Wieder eine Lücke geschlossen. Ob sich die EP der Band aber lange in meinem Ohr festsetzt, ist fraglich. Zu austauschbar, zu poppig ist ihr Emocore. Alles ordentlich gespielt, mit gutem Gesang und einigen guten Ideen bei den Gitarren, aber auch irgendwie belanglos. Das wäre nicht so wild, wenn LAW FOUND GUILT einen oder zwei richtig geile Songs geschrieben hätten, so richtige Hits oder "Tanzflächefeger" wie El Cheffe immer sagt. Aber nix, "Till The Water Comes" hat zwar einen netten Chorus und "Balance" einen schönen Groove, sind aber beides trotzdem keine Krachersongs. "Aspahlt And Concrete" reiht sich so in die Schar der großen, belanglosen, langweiligen Veröffentlichungen ein, die das Genre in der letzten Zeit ertragen muss. Mit einem Wort: überflüssig.

Asphalt And Concrete EP


Cover - Asphalt And Concrete EP Band:


Genre: Nicht angegeben
Tracks: 5
Länge: 19:28 ()
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The Difference Between Us

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Die dritte EP von SCAB aus dem Jahr 2003 hat sich äußerst gut verkauft. Mittlerweile hat der Vierer außerdem über 150 Konzerten gespielt, u.a. im Vorprogramm von NO USE FOR A NAME. Gute Voraussetzunge also für das Debüt-Album. Dieses löst die Vorschusslorbeeren aber nicht wirklich ein. Dass SCAB aus Bayern kommen, hört man nur am deutschen Akzent von Sänger/Gitarrist Roman. Ansonsten wird einem hier Alternative Poppunk der US-amerikanischen Sorte à la GREEN DAY oder BLINK 182 vorgesetzt. Zugegeben, die Jungs verstehen ihr musikalisches Handwerk und können gute Songs schreiben, und die Produktion kickt auch ordentlich. Aber ihr Gute-Laune-Sound ist nicht nur komplett unoriginell und uninspiriert, sondern wird auf Dauer auch langweilig bis penetrant. Man kann so was ja mal machen, aber bitte nicht ein ganzes Album lang. Von einer Band mit drei EPs und einer derartigen Live-Erfahrung im Rücken hätte ich mehr Abwechslung und Eigenständigkeit erwartet.

The Difference Between Us


Cover - The Difference Between Us Band:


Genre: Nicht angegeben
Tracks: 11
Länge: 37:7 ()
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On/Off

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Verschobene Rhythmen, abgewechselt mit stampfendem Vier-Viertel, treibende, schrebbelig Gitarren, leicht psychedelische Harmonien vom Keyboard im Hintergrund und darüber aufgedrehter Robert Smith-mäßiger Gesang. Ja, der Opener des Debüt-Albums von LOW GRAVITY CIRCUS aus Trier klingt verdammt nach BLOC PARTY. Der Rest der Albums allerdings auch. Nach und nach werden aber auch immer mehr grade rockende Beats und Riffs eingebaut. Passagenweise, wie z. B. im Chorus von "Frequency Stadium Cairo", wird dann die Hektik mal etwas rausgenommen und cool gerockt, was dann ein wenig nach den QUEENS OF THE STONE AGE klingt. Die vier Jungs können ordentlich spielen und gehen mit jeder Menge Energie zu Werke. Auch die Produktion ist äußerst gelungen: Der Sound hat den nötigen Wumms und ballert an den richtigen Stellen, bleibt aber insgesamt transparent. Warum LOW GRAVITY CIRCUS jedoch sowohl von den QUEENS als auch von BLOC PARTY (ohne diese beiden Bands in einen Topf werfen zu wollen!) meilenweit entfernt sind, ist die Tatsache, dass sie keine echten Ruhepausen lassen oder zumindest mal länger bei einem graden Beat bleiben. Platz für einzelne Instrumente gibt es ebenfalls so gut wie gar nicht. Alles ist durchgehend sehr voll und ständig werden die Feelings gewechselt, was auf Dauer ziemlich anstrengend und irgendwann auch langweilig ist. "On/Off" ist sicherlich keine schlechte Scheibe, besonders nicht für ein Erstlingswerk, aber es fehlt sowohl noch eine gehörige Portion Eigenständigkeit als auch der Mut, mal einen Gang zurückzufahren.

On/Off


Cover - On/Off Band:


Genre: Nicht angegeben
Tracks: 12
Länge: 34:36 ()
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