Konzert:

With Full Force Tag 2 mit Rob Zombie, Amon Amarth & Co.

Konzert vom 05.07.2014

Bunt gemischt präsentierte sich das Programm des zweiten Full Force-Tags. Mit Headliner ROB ZOMBIE, den Wikinger-Metallern AMON AMARTH und Thrashern wie DEW SCENTED kam die Metaller-Fraktion voll auf ihre Kosten, während die Core-Fans mit Bands wie ESKIMO CALLBOY, WE CAME AS ROMANS oder WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER beglückt wurden. Dass die Sonne am WFF-Samstag pausierte und es etwas kühler war, kam den meisten Fans sicher entgegen. Die paar Regentropfen konnten dabei auch nicht weiter stören.

DEW-SCENTED Frontmann Leif Jensen ließ durch sein „Guten Morgen“ zu Beginn des Sets um 15.00 durchblicken, was Rockstarsein für jedes kleine Kind bedeutet. Dank hochsommerlicher Temperaturen war auch das von ihm als „morgendlicher Weckruf“ titulierte Konzert der Braunschweiger nicht als solches zu empfinden, spätestens um 7.00 brannte die Sonne so sehr auf die Zeltkuppeln, dass es wohl keinen mehr in seinem Schlafsack hielt. Sei es drum, ihr Thrash klingt auch nach 22 jähriger Bandgeschichte weiterhin modern groovig und Old-School brachial, wenn auch von der ursprünglichen Besetzung mittlerweile nur noch Meister-Entertainer Jensen übrig geblieben ist. Er lobte die Anwesenden, dass obwohl lange Zeit vergangen ist, seit DEW-SCENTED das letzte Mal die Force-Bühne bespielten, dadurch, dass auch das Publikum „älter, aber immer noch lecker“ aussähe. Hiermit, mit ihrem schonungslosem Geknüppel und der ernstzunehmenden Freude über die abgehfreudigen Zuschauer startete Tag 2 sehr ordentlich. (jq)

Stell Dir vor, es ist AMON AMARTH-Signierstunde und alle gehen hin! Ein eindrucksvolles Beispiel, dass der von vielen gerne als schwierig bezeichnete „Culture-Clash“ zwischen Hardcore- und Metal-Fraktion auf dem With Full Force kaum Probleme hervor bringt. Zwischen Sporthosen samt Kniestrümpfen und Kutte von Langhaarigen herrschte in der beachtlichen Warteschlange eitel Sonnenschein. (jq)

Den CARNIFEX - Zuschauern mangelndes Harmonie-Bedürfnis nachzusagen würde wohl zu weit gehen, die Aggressivität und Kompromisslosigkeit mit der die Brutal-Maschinerie aus Kalifornien über das Rollfeld pflügte, brachte jedoch bereits binnen der ersten zwei Lieder den Sanitätern schon drei verletzte, mehr oder wenig stark aus Mund, Nase und Augenbraue blutende Kunden ein. Der Sound auf Spitzenniveau, Schreihals Scott Lewis zog alle Register seines Kehlkopf-Triebwerks, während seine übrigen vier Mitstreiter einen Druck aufbauten, der live von den wenigstens Bands in dem Ausmaß erreicht wird. Das ließ einen im Publikum dann doch recht sparsam dreinblicken. „Waren die nicht mal so junge Deathcore-Steppkes?“ waberte es durch den Kopf - jupp, sehen alle etwas älter aus, die Band gibt es ja auch bald 10 Jahre, die musikalische Reife, die sie erreicht haben, ihre Präzision, ihre Angstfreiheit davor, auch mal satte Melodien vom Stapel zu lassen und dabei immer wieder Härte und Brutalität im Riff-Kosmos die Kontrolle übernehmen zu lassen, machten CARNIFEX zu einem Highlight des Festivals. (jq)

WALLS OF JERICHO könnten wohl auch gepflegte 10 Jahre pausieren, auf dem With Full Force würden sie dennoch abgefeiert. Mikro-Rotschopf Candace Kucsulain hat sich optisch an die Kraft ihrer Stimme angepasst, macht sie doch seit einiger Zeit als Gewichtheberin für gute Zwecke auf sich aufmerksam. Über die Herzensangelegenheit der Band namens „Relentless Detroit“, eine Organisation, die ein positives Miteinander in der von Krisen und Armut belasteten Heimatstadt der US-Amis fördern möchte, erfuhren die Zuschauer aber dann doch nur am Rande etwas. Vielleicht wog die Freude über den massiven Zulauf vor der Mainstage am frühen Abend bei der Band und insbesondere bei ihrer Frontfrau zu schwer. Der einsetzende leichte Regen kam den Zuschauern sicher sehr gelegen, der schlechte Sound störte offenbar die wenigsten. Erst nach zwei, drei Liedern kam die Stimme annähernd voll zur Geltung, konnte vielfach aber gegen den breiigen Gesamtklang kaum ankommen – „Ade, ihr satten HC-Riffs!“ Der Begeisterung tat das dennoch keinen Abbruch, die Textsicherheit der Zuschauer lenkte den Fokus vom mäßigen Sound auf eine feiernde Meute und eine darüber sehr glückliche Band. Es darf gehofft werden, dass neben dem neuen Song für einen Sampler besagten „Relentless Detroits“ auch bald ein eigenes neues Album an den Start gehen wird! (jq)

 

 

WALLS OF JERICHO ließen es auf der Mainstage so richtig krachen und hatten auch selbst sichtlich Spaß, die Menge zum Toben zu bringen. Für die EMIL BULLS in der Hardbowl war das auch alle andere als ein Problem, die Crowdsurfer-Quote war bereits extrem hoch,sollte aber später noch getoppt werden.

Wieder auf der Mainstage ging es dann mit IGNITE etwas weniger brutal zur Sache, aber nicht weniger stimmungsvoll. Die Truppe sorgte für beste Stimmung und konnte mit dem eher ruhigeren U2-Cover "Sunday Blood Sunday" ein echtes Ausrufezeichen setzen. Danach ließen DEVIL YOU KNOW so richtig Dampf ab, spielten auf den Punkt und gönnten der Meute vor der Bühne keine Verschnaufpause. Ein sehr eindrucksvoller Auftritt.

Melodic-Hardcore funktioniert blendend unter dem wolkenverhangenen, für etwas Abkühlung sorgenden Himmel über Roitzschjora wenn, ja wenn die Truppe auf der Bühne auf den Namen „IGNITE“ hört. Es wäre ein Leichtes, die Kalifornier als bloße Fun- und Party-Band abzustempeln, wenn, ja wenn man nicht auf die Ansagen von Zoli Téglás hörte. Aufrufe zum friedlichen Widerstand – wenn auch etwas geschichtsinkonform und verklärt mit dem Hinweis begleitet, dass immerhin die Hippies den Krieg in Vietnam beendet hätten … - und klare politische Positionierung zu Ausbeutung, Macht und Geld fügten sich ein in abgehfreundliche Hardcore- und Punksongs, deren Melodiegehalt sicher zu den höchsten des diesjährigen WFF zählte. (jq)

DEVIL YOU KNOW, Release des ersten Albums: 25.04.2014. Erstes Konzert: 15.02.2014 – und jetzt als drittletzte Band am Sonnabend auf der Mainstage beim With Full Force? So einen Push wünscht sich bestimmt jede „Newcomer-Band“. Dafür muss man halt Vorschusslorbeeren geschickt nutzen! Schlagzeuger John Sankey und Gitarrist Francesco Artusato haben sich ihre Sporen unter anderem bei DIVINE HERESY, FEAR FACTORY und ALL SHALL PERISH verdient, Mikro-Schwinger Howard Jones kennen die meisten als den hervorragenden KILLSWITCH ENGAGE - Sänger, der lieber die Arme ausbreitet und das Publikum dirigiert anstatt selbst seine einzigartige Stimme zu beanspruchen. Leider kann die Sache mit den Vorschusslorbeeren aber auch mal nach Hinten los gehen, nicht nur, weil noch niemand im Publikum die zum Mitsingen erforderlichen Texte kannte, sondern hauptsächlich, weil ich den Platz vor der Mainstage um 20.00 abends noch nie beim WFF so leer gesehen habe. Am Können der Band lag das mit Sicherheit genauso wenig wie an dem Gehalt ihrer Musik, beides absolut tauglich für besagten Slot, aber offenbar muss sich in den Augen des geneigten Festival-Publikums jede Band selbigen aufs Neue verdienen und sich nicht auf ihre Vorgeschichten berufen. Dazu kam, dass der Sound erneut eher breiig durch die Boxen waberte. DEVIL YOU KNOW machten das Beste aus der Situation und zogen das Konzert nicht nur professionell durch, sondern konnten für ihren groovig-melodiösen Metalcore sicher einige Fans, die es nicht zu den Essens- und Getränke-Buden oder ins Zelt zu den fast zeitgleich startenden WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER zog, für sich gewinnen. (jq)

Nachdem ja schon bei der Autogrammstunde von AMON AMARTH deutlich wurde, dass sich auch viele optisch eher dem HC zugehörige Zuschauer für die Schweden erwärmen können, wurde dieser Eindruck beim Konzert noch unterstrichen. Mir war aber erst einmal gar nicht so warm und so musste ich zum Camping-Platz, um mich für den restlichen Abend mit Jacke und Mütze zu rüsten. Selbst dort, seitlich der Bühne in fast 1 km Entfernung, war der Sound von AMON AMARTH viel differenzierter als zuvor insbesondere bei WALLS OF JERICHO und DEVIL YOU KNOW. Mikro-Recke Johan Hegg bedankte sich auf deutsch und zog auch noch mal die Gratulationskarte zum erfolgreichen Halbfinal-Einzug. Zurück vor der Mainstage wurde mal wieder deutlich, dass die Nordmänner bestimmt eine eigene Entourage an Bühnengestaltern und -ausstattern mit auf Tour haben. Die Drachenboot-Köpfe spien Nebel im Akkord und es fiel nicht schwer, Walhalla rufen zu hören. Den mal düsteren, mal brutalen Death Metal präsentierten AMON AMARTH gewohnt theatralisch, wobei das Augenzwinkern ob so viel Pathos' bis in die letzte Reihe wirkte. Ganz starker Auftritt! (jq)

Mit AMON AMARTH zogen danach die schwedischen Wikinger in die Death Metal-Schlacht und nahmen das komplette With Full Force mit. Die Songs und die Präsenz von Johan Hegg sind bekanntlich absolut Festival-tauglich, dazu kamen Pyro-Effekte und Feuersäulen, also die Vollbedienung für jeden Metal-Fan. ROB ZOMBIE konnte aber noch einen draufsetzen und stürzte sich gleich zwei Mal in den Graben, um auf der Absperrung entlang der begeisterten Fans zu balancieren und dabei natürlich noch zu singen. Mit vor allem seinen alten Klassikern und zwei Cover-Songs von DIAMOND HEAD und ALICE COOPER ("Am I Evil" und "School's Out") sowie seiner lockeren Art war die Show ein echtes Highlight, auch wenn Drum- und Gitarren-Solo sonst auf dem WFF eher zu den echten Seltenheiten gehören.

Zombie-Fashion auf höchstem Niveau beschloss den zweiten Tag des With Full Force 2014. Ob die Apokalypse mit gehirnfressenden, seelenlosen Wesen so stylish aussehen würde ist eine Frage, die nicht auf eine ROB ZOMBIE-Show gehört. Wo Altmeister ALICE COOPER, den er mit „School's Out“ ehrte, weiterhin auf trashige Grusel-Effekte einer 60er-Jahre Geisterbahn setzt, dabei musikalisch mehr im Rock'n'Roll verwurzelt ist, kommt sein geistiger Schwippschwager, klanglich eher dem Industrial entspringend, weitaus klarer, um nicht zu sagen steriler daher. Die Show war unterhaltungstechnisch sicherlich Weltklasse,

Beleuchtungsfarbspiel und Pyro-Einsatz - wie vermutlich jede Bewegung Zombies - durchgeplant von Anfang bis Ende, die Stimme stark effektiert, sein Gesicht kaum sichtbar zwischen monströsen Haaren und Schlapphut. DIAMOND HEADs „Am I Evil“ stand versinnbildlichender Weise auf der Setlist und wurde vom begeisterten Publikum genauso enthusiastisch mitgesungen wie die eigenen Lieder des umtriebigen Künstlers. Etwas bedauerlich blieb, dass die Show nur eine Stunde dauerte.

Das anschließende obligatorische WFF-Feuerwerk ließ diesen kleinen Wermutstropfen jedoch schnell vergessen. (jq)

In der Hardbowl stellten dann ESKIMO CALLBOY den Tagesrekord in Sachen Crowdsurfer auf. Die purzelten schon vor Beginn der Show in den Graben und mit dem Auftreten der Band im Sekundentakt,so dass die verstärkte Security im wahrsten Wortsinne alle Hände voll zu tun hatte.

Text & Fotos: Florian Stangl & Daniela Adelfinger



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