Konzert:

Out & Loud Festival 2014 - Samstag

Konzert vom 31.05.2014

Der dritte Tag begann für mich etwas später, erst zu MAJESTY war ich am Start. Nicht, dass die Bands davor uninteressant gewesen wären, aber man hat ja auch noch andere Dinge zu tun. MAJESTY jedenfalls konnten bei bestem Festival-Wetter loslegen und mit ihrer ansteckend guten Laune nicht nur ihre Die Hard-Fans begeisterten (die schon Minuten vor Show-Beginn „Hail, hail, to Majesty!“ skandierten), sondern auch das restliche Publikum ansteckten. Weiter mit MILKING THE GOAT MACHINE, die sich in der Eventhalle austobten. Die Ziegenmenschen, die auf Männer und Frauen starrten, sorgten mit ihren Grindcore-Cover für Spaß und das eine oder andere breite Grinsen im Publikum.

Für Festivals sind die Russen von ARKONA bestens geeignet, denn ihre eingängigen, ebenso melodischen wie harten Songs und die Bühnenpräsenz von Masha kommen einfach gut an, auch wenn das Publikum die Truppe noch nicht kennt. Masha wirkt alles andere als gekünstelt, eher wie ein wildes Tier, was ja auch zum Wolfsfell passt, dass sie sich wie immer trotz strahlendem Sonnenschein über die Schultern gehängt hatte. Ganz im Gegensatz dazu dann ARVEN, die in der Eventhalle stocksteif agierten und mich komplett kalt ließen. Ich mag Symphonic Metal, aber bei ARVEN stimmte für mich gar nichts: Lustlos präsentierte Songs, matschiger Sound, mieses Licht und ein Stageacting, für dass sich die Marionetten der Augsburger Puppenkiste geschämt hätten.

Nein, danke! Lieber schnell wieder raus an die Sonne und ungeduldig auf VADER gewartet. Die Polen hatten von Beginn an sichtlich viel Spaß, wurden von der Meute vor der Bühne angefeuert und bedankten sich, indem sie die Menge mit fiesen Todesblei-Salven eindeckten. Der Auftritt hätte gerne länger dauern dürfen. Wobei es anschließend in der Eventhalle auch was fürs Gemüt gab, denn THYRFING krochen wie Ungeheuer aus den Tiefen eines Moores an die Oberfläche, hüllten sich in dichten Nebel und umgarnten ihre Zuhörer mit derben Weisen aus finsteren schwedischen Wäldern. Klang jedenfalls so, und der Sound kam beim Publikum an, in dem etliche Headbanger ihr Haupthaar ähnlich wild kreisen ließen wie Jens & Co. auf der Bühne.

Wir reisen weiter von Schweden nach Finnland, wo die wilden Kerle und ihre Anstandsdame von ENSIFERUM herkommen. Mit den Pagan-Metallern macht kein Festival etwas falsch, die Truppe ist Spaßgarant, ohne gleich das metallische Äquivalent zu Jürgen Drews oder dem Wendler zu sein. ENSIFERUM verstehen ihr Handwerk, geben permanent Vollgas und haben offensichtlich selbst jede Menge Spaß. Dass das ansteckend ist, versteht sich von selbst. Vermutlich haben sich auch HAIL OF BULLETS von der allgemeinen guten Laune anstecken lassen, denn die Todesmetaller um Sänger Martin van Drunen hatten mächtig Spaß in den Backen und bereiteten die Leute ideal auf den folgenden Auftritt von AMON AMARTH vor. Zumindest diejenigen, die sich nicht zugunsten eines Platzes vor der Bühne schon vorm Sicherheitszaun drängelten und dort ausharrten, bis die schwedischen Kultmetaller loslegten.

Mit meterhohen Flammensäulen, Explosionen, toller Licht-Show und vor allem sehr gutem Sound waren AMON AMARTH zusammen mit POWERWOLF die Abräumer des Out&Loud. Band und Fans feierten gemeinsam eine exzessive Party und ließen es so richtig krachen, während in der nur wenige Meter entfernten Autobahnkirche vermutlich der eine oder andere Besucher an den Tag des jüngsten Gerichts geglaubt haben mochte. Mit „Pursuit of Vikings“ setzten AMON AMARTH einen donnernden Schlusspunkt, der dank des von Tausenden Kehlen mitgegrölten Gitarrenriffs für lang anhaltende Gänsehaut sorgte.

 

 

Vorletzte Band des Out&Loud waren die Portugiesen von MOONSPELL in der Eventhalle, die sich nach dem Auftritt der Wikinger erfreulich schnell füllte und den Düster-Metallern einen warmen Empfang bereitete. Die bedankten sich nicht umsonst bei ihren deutschen Fans für die jahrelang währende Zuneigung und spielten sogleich mit „Opium“ ihren größten Erfolg in den deutschen Charts, der aber auch schon viele Jahre zurück liegt. Gut, dass MOONSPELL ein kurzweiliges Set spielten, denn insgeheim warteten die meisten Metalheads eh nur noch darauf, dass auf der Mainstage endlich BLIND GUARDIAN als finaler Headliner das Out&Loud beenden würden. Die deutsche Tolkien-Band ließ sich auch nicht lumpen und legte mit „Sacred Worlds“, „Welcome to Dying“ und „Nightfall“ einen perfekten Start hin. Bis zum Rausschmeißer „Valhalla“ reihten BLIND GUARDIAN einen Klassiker an den nächsten. Da störten auch die Sprüche von Hansi Kürsch nicht weiter, der wenig elegant auf dem schmalen Grat zwischen witzig und arrogant herum trampelte. Auch wenn das Publikum vielleicht nicht so euphorisch war wie es sich Herr Kürsch vorgestellt hatte, kamen BLIND GUARDIAN offensichtlich gut an und beendeten somit das Out & Loud 2014 standesgemäß. Das Out & Loud darf man sich also für 2015 auf jeden Fall vormerken – dann findet es vom 04.-06.06. wieder in Geiselwind statt.

 

Text: Daniela Adelfinger & Florian Stangl

Fotos: Daniela Adelfinger



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