Konzert:

20 Wahre Jahre In Extremo, Loreley

Konzert vom 04.09.2015

Zwanzig Jahre, das ist eine lange Zeit, und bei einem zwanzigjährigen Jubiläum kann man es durchaus mal krachen lassen. Das dachten sich auch die Herren von IN EXTREMO, und schmissen anlässlich ihres zwanzigjährigen Bestehens eine große Party mit Fans und befreundeten Musikern, für die man sich überdies auch eine legendäre Location ausgesucht hatte: die Loreley am schönen Mittelrhein. Diese zählt nicht nur zu den anerkanntermaßen schönsten Stellen Deutschlands, sondern stellt, der Überlieferung zufolge, passenderweise auch den Ort dar, an dem in früherer Zeit die gleichnamige Nixe Seeleute mit ihrem lieblichen Gesang anlockte.  Zwar waren diesmal keine Seemänner involviert und auch Schiffsunglücke am Fuße der Loreley blieben glücklicherweise aus, die Parallelen aber liegen auf der Hand, schließlich pilgerten auch diesmal Menschen in Scharen zu dem über dem Rhein thronenden Felsen, um (teilweise) alten Klängen zu lauschen. Das Programm zeigte sich musikalisch bunt gemischt,  hatte man doch verschiedenste Kollegen und Weggefährten mit ins Boot geholt und auch am Rahmenprogramm nicht gespart: neben den üblichen Festivalständen durfte beim Jubiläum einer Band wie IN EXTREMO natürlich auch ein Mittelaltermarkt nicht fehlen, der auch rege frequentiert wurde – insbesondere das kulinarische Angebot fand reichlich Zuspruch, denn wo das Mittelalter rockt, da dürfen Schlemmerei und Met nicht fehlen. Den sich dort Stärkenden bot eine kleine Mittelalterbühne Unterhaltung und wem das und das Hauptprogramm immer noch nicht genügte, der konnte im Partyzelt noch weitere Zerstreuung finden.

 

Den Auftakt zum Festival bildete ein „schwimmendes“ IN EXTREMO-Konzert auf der MS Rheinfantasie am Abend des 03.09.2015, bevor dann am darauffolgenden Tag der offizielle Startschuss auf der Loreley fiel. MANNTRA aus Kroatien machten den Auftakt, gefolgt von ORPHANED LAND, deren harte, orientalisch angehauchte Klänge in einem deutlichen Kontrast zu den nachfolgenden Pagan-Folkern von OMNIA standen. Nach den deutlich heidnisch-schamanisch inspirierten Songs der Niederländer wie „I Don´t Speak Human“ , stand mit RUSSKAJA ein Ausflug in östliche Gefilde an, denn auch wenn die Band eigentlich aus Wien stammt, liegen ihre musikalischen Wurzeln eindeutig in Russland, gemischt mit Ska und Polka. Die während des Auftritts verbreitete vodka-geschwängerte Party-Stimmung dürfte den Absatz alkoholischer Getränke deutlich erhöht haben, und da es geradezu Verschwendung gewesen wäre, sie nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder abkühlen zu lassen, sprangen passenderweise KORPIKLAANI in die durch den Abgang ihrer Kollegen entstandene Bresche und feierten mit Songs wie „Sahti“, „Metsämies“ und dem programmatisch betitelten „Vodka“ nahtlos weiter. Nach dem Set der fröhlichen Finnen standen SCHANDMAUL bereit – Erfahrung mit Jubiläumsfeiern haben die Münchener ja, feierten sie doch vor zwei Jahren selbst ihr fünfzehnjähriges Bestehen gemeinsam mit Kollegen und reichlich Publikum am Kölner Tanzbrunnen. Dass Bandklassiker wie „Teufelsweib“ und „Walpurgisnacht“ auch auf der Loreley nicht fehlen durften, versteht sich von selbst, aber auch Songs wie „ Die Letzte Tröte“ und „Traumtänzer“  oder jüngeres Material wie  „Der Teufel Hat Den Schnaps Gemacht“  fanden sich im Set, das mit der wunderbaren Liebeserklärung „Dein Anblick“ schloss.  Somit war die Bühne frei für IN EXTREMO, die als Gastgeber an beiden Abenden als Headliner auf dem Programm standen und direkt einen Klassiker nach dem anderen heraushauten: „Erdbeermund“, „Frei Zu Sein“, „Herr Mannelig“, „Küss Mich“, „Liam“- alle dabei. Auch ein eigens dem Jubiläum auf der Loreley gewidmetes Lied zauberten die Herren mit – Überraschung! —„Loreley“ aus dem Hut. Die üppig bestückte Setlist ließ keine Wünsche offen und so torkelte man danach benommen von dannen und fragte sich, was wohl der nächste Tag noch so bringen würde.

 

Zunächst einmal brachte er einigermaßen unberechenbares Wetter. Vom Wetterbericht auf das Schlimmste vorbereitet, stellte so manch einer verwundert fest, dass Petrus sich eines besseren besonnen zu haben schien, und die Loreley zeitweise gar in eitel Sonnenschein hüllte, so dass unter anderem die Irish Speedfolker von FIDDLER´S GREEN ihr Publikum im Trockenen bespaßen durften. Dass diese Trockenheit sich primär auf den äußeren Zustand bezog, besang die Band in „A Bottle A Day“ und entsprechend war die Stimmung auch beim restlichen Set, das unter anderem „The More The Merrier“, „Rocky Road To Dublin“, „A Night In Dublin“, Yindy“ und – natürlich –  „Folk´s Not Dead“ beinhaltete, gut. Ihre Nachfolger DIE KRUPPS hingegen hatten Schwierigkeiten mit dem Sound und führten den größeren Teil des Auftritts über einen zähen Kampf gegen die Technik, der zwischen Songs wie „The Dawning Of Doom“ und „Kaltes Herz“ immer wieder Bitten zur Abänderung verschiedener Einstellungen erforderlich machte.  Zwar waren auch ELUVEITIE soundtechnisch gezwungen, unter ihren Möglichkeiten zu bleiben, doch im Gegensatz zu ihren Kollegen ließen die Schweizer sich die Stimmung dadurch nicht verhageln und rockten beherzt drauf los. Egal ob hartes Material wie „King“ und „Thousandfold“ oder ruhigere Songs wie „Omnos“ und „Brictum“ – die Show ging dem Publikum runter wie Butter und die gesamte Loreley grölte fröhlich mit, als Sängerin Anna Murphy um Unterstützung beim switzerdütschen Text von „De Ruef Vo De Bärge“  bat und schließlich zum Abschluss noch einmal zum Mitsingen des Bandklassikers „Inis Mona“ aufforderte.

 

Wer modernere Klänge den archaisch gefärbten vorzog, der kam im Anschluss bei EISBRECHER auf seine Kosten. Mit „Volle Kraft Voraus“  gab die Neue Deutsche Härte-Band direkt volle Breitseite und ließ – nun leider bei Regen und sinkenden Temperaturen – auch im weiteren Verlauf mit Songs wie „Himmel, Arsch und Zwirn“, „Fehler Machen Leute“, „Verrückt“,  „1000 Narben“ und „Miststück“ nicht nach, vollbrachte im Gegensatz zu zahlreichen Genrekollegen dabei jedoch das Kunststück, bei alledem auch grundsympathisch zu wirken. Man bedankte sich nett beim WDR für die Medienaufmerksamkeit, entschuldigte sich für den einen oder andere bayerischen Minister und Sänger Alexx legte Selbstironie an den Tag: „Als wir vor langer Zeit das erste Mal zusammen mit IN EXTREMO irgendwo auftraten, da kannte ich sie noch nicht. Sie spielten komische Instrumente und sangen in seltsamen alten Sprachen, und ich wusste schon damals:  `Mittelalter-Rock hat keine Chance!´ Tja, da hab ich mich wohl geirrt!“.

 Und wie sehr er sich doch geirrt hatte, durften schließlich nach ca. 40-minütiger Umbaupause noch einmal die Gastgeber demonstrieren.  Los ging´s mit „Sängerkrieg“, „In Diesem Licht“, „Zigeunerskat“ und „En Esta Noche“,  untermalt wie üblich von stimmungsvoller Pyrotechnik. Auffallend war, dass die Überschneidungen mit dem Set vom Vorabend verschwindend gering waren – schön für alle, die beide Konzerte besuchten, weniger Grund zur Freude dagegen für all jene, die aus Zeitgründen nur dem zweiten Abend beiwohnen konnten und dadurch vergeblich auf den einen oder anderen etablierten Gassenhauer warteten. Der IN EXTREMO-Geburtstagssong „Loreley“ durfte natürlich auch am zweiten Abend nicht fehlen und zur Feier des Tages gab es noch von der Bühne in die Luft geschossenes Konfetti und Luftschlangen obendrauf. Das Letzte Einhorn wollte das Jubliäumslied gar unbeabsichtigt vorziehen, bemerkte dann jedoch noch rechtzeitig die von ihm durcheinandergebrachte Reihenfolge und entschuldigte sich grinsend mit einem Verweis auf sein langsam fortgeschrittenes Alter. Man beschloss mehrheitlich, lieber in die Hölle zu kommen („Himmel Und Hölle“) und um die Reise dorthin zu beschleunigen, gab es von der Bühne auch direkt ein wenig Starthilfe: „Seid ihr gut am Feiern? Ja? Ich denke mal, der eine oder andere von euch wird sich am Montag wahrscheinlich bei der Arbeit krank melden, oder? Also ich würde das machen!“. Das Publikum feierte in der Tat, als gäbe es kein Morgen und schmetterte alles mit,  ob „Belladonna“, „Gaukler“ , „Auf´s Leben“ oder natürlich „Frei Zu Sein“, und die Band entfesselte bei nun durchweg perfektem Sound ein musikalisches Feuerwerk, das in „Sterneneisen“, „Rasend Herz“ und „Vollmond“ bei der Zugabe gipfelte und von einem tatsächlichen Feuerwerk als Rausschmeißer gekrönt wurde. Wir trinken auf´s Leben- und auf die nächsten zwanzig Jahre!



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