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REVIEW: We Are All to Perish (IN RUINS)

BY Meisenkaiser


Dass sich in Timișoara Vampire herumtreiben und Musiker, die irgendwie im Orbit von Negură Bunget kreisten, ist ja wohl klar wie Kloßbrühe. Ebenso selbstverständlich liefert Meuse Records zuverlässig Nachschub für die tiefsten Katakomben des Death- und Funeral-Doom. Eine weitere Grabplatte aus diesem Hause trägt den Titel „We Are All to Perish“ und stammt von IN RUINS.

Das Intro atmet zunächst diese akustisch-mystischen Negură-Vibes. Kein Wunder, schließlich ist Gründungsmitglied Urmuz bei Ordinul Negru aktiv und war einst bei Syn Ze Șase Tri. Doch statt transsilvanischer Folklore oder Stoker-Romantik richtet sich der Blick nach Osten, auf den russischen Dichter Serghei Jessenin. Dessen emotional aufgeladene, volksliedhafte Gedichte über Natur und Landleben machten ihn in den 1920er Jahren zum Popstar – sagt die Suchmaschine. Und weiter: Nach turbulenter Ehe und wachsender Enttäuschung über die Revolution nahm er sich das Leben. IN RUINS setzen genau danach an. Das Cover zeigt den Moment nach dem Suizid und verweist auf Jessenins letzten Akt, ein Gedicht, geschrieben mit seinem eigenen Blut.

Mit ihrer ersten Full-Length reihen sich die Rumänen würdig in das schier endlose Doom-Line-up des belgischen Labels ein, neben Namen wie Ennui, Post Luctum oder Grave for Gods. Und mit Atone und Solnegre stehen die nächsten Alben in der Maas-Pipeline. Vier Stücke, jedes jenseits der Zehn-Minuten-Marke, bilden das Fundament dieses Monolithen. Der Opener „I’m Tired of Living in My Land“ ist so schwer, wie Funeral Doom nur sein kann. Die Gitarren drücken so sehr – als lasteten die gesamten Karpaten auf Urmuz‘ Schultern. Und darüber dominiert die Doom-Grunzstimme. Im Hintergrund flackern dezente Keyboardflächen und Chöre auf. Vielleicht sind das kleine Lichtreflexe der Hoffnung am bleigrauen Himmel dieser Platte? Konzeptionell bewegen sich IN RUINS in der. Themenmatrix aus Vergänglichkeit und Unausweichlichkeit des Todes. Von Verherrlichung keine Spur. Und doch kann man dieses Album im übertragenen Sinne durchaus als herrlich bezeichnen.

Ganz ohne Makel bleibt es aber nicht. Der Sprechgesang im abschließenden „Farewell“ wirkt etwas hölzern, auch wenn man anmerken könnte, dass selbst Leonard Cohen nicht immer glatt wie ein Babypopo klang. Die Kirchenchöre hätten zudem sparsamer eingesetzt werden können. Im letzten Drittel des Songs zeigen IN RUINS, wie gut, eindringlich und voller Melodien Funeral Doom sein kann. Und so ist „We Are All to Perish“ ein weiterer dunkler Fixpunkt im Kosmos des kompromisslosen Underground-Dooms. Kein Soundtrack für Trendbewusste, sondern ein Werk für jene, die sich freiwillig in Zeitlupe unter die Erdoberfläche begeben. Danke an Meuse Records, danke an IN RUINS für dieses konsequent nischige und gerade deshalb so starke Album. Paradox vielleicht, aber selbst in dieser Musik glimmt ein Rest Hoffnung.

PS: Wenn ihr selbst oder jemand, den ihr kennt, sich in einer Krise befindet, finden Sie Hilfe bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Die TelefonSeelsorge Deutschland ist ein Netzwerk von mehr als 100 regionalen Stellen mit rund 300 hauptamtlichen Mitarbeitenden und etwa 7.700 ausgebildeten Ehrenamtlichen. 



WE ARE ALL TO PERISH

Band: IN RUINS
Genre: Doom Metal
Tracks: 4
Länge: 42:53
Medium: CD
Label: Meuse Music Records
Vertrieb: