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REVIEW: Timor Luctis (POST LUCTUM)

BY Meisenkaiser


„Timor Lucis“, die „Angst vor dem Licht“ ist kein Album, das „Songs“ im klassischen Sinn liefern will. Das hier ist Death-Doom als Prozess – langsam, repetitiv, zermürbend. Wer Blastbeats oder schnelle Katharsis sucht, ist hier falsch. POST LUCTUM arbeiten – ihrem Namen entsprechend – „nach der Trauer“ mit Massenträgheit: tiefe Tunings, langgezogene Riffs, viel Raum zwischen den Schlägen. Jeder Akkord darf ausbluten wie eine offene Wunde. Gitarrentechnisch bewegt sich das Album klar im Death-Doom-Stammbaum: dicke, leicht verwaschene Rhythmusgitarren, wenig technische Spielereien, dafür maximale emotionale Reibung. Die Leads wirken wie melodische Fragmente, die sich wie Grabinschriften ins Gedächtnis brennen. Tiefe Growls dominieren und wirken weniger aggressiv als vielmehr erschöpft – fast schon wie ein Erzähler aus dem Jenseits. Die Screams kommen gezielt, eher als emotionale Peaks denn als Dauerbeschallung, die klargeklagten Vocals dienen meist als Preludium des Elends. Viele Songs starten minimalistisch, fast ambientartig, und schichten nach und nach Gewicht drauf, starr im klassischen Doom verankert. Wer Vergleiche braucht: Swallow The Sun (hört „Shrouded By The Sea“), nur viel basischer. Produktionstechnisch ist das Album bewusst erdig und unpoliert. Kein modernes, klinisches Mixing, sondern ein Sound, der atmet, schwankt, manchmal sogar leicht verschwimmt. Genau das unterstützt die Themen: Trauer ist nicht sauber, nicht tight, nicht quantisiert. Alles wie einen Tick zu spät – wie jemand, der emotional nicht mehr ganz hinterherkommt. Inhaltlich funktioniert „Timor Lucis“ eines Konzeptalbums über Isolation ähnlich. Die Leuchtturm-Metapher ist nicht bloß lyrisches Beiwerk, sondern spiegelt sich auch im Arrangement wider: lange Passagen ohne klare Hooks, monotone Wiederholungen, bewusst gesetzte Leerräume. Musik, die dich nicht unterhält, sondern einschließt. Dass hier alles von einer Person geschrieben, eingespielt, aufgenommen und gemischt wurde, hört man – im besten Sinne. Keine Banddynamik, kein Kompromiss, kein „lass das mal kürzen“. Das ist ein Solo-Projekt, das sich erlaubt, zu lange zu dauern, zu schwer zu sein und emotional unbequem zu bleiben. „Timor Lucis“ ist ein langsames, monolithisches Death-Doom-Album, das sich bewusst zu großer Zugänglichkeit verweigert. Kein Hit-Potenzial, keine Playlist-Momente – dafür maximale Immersion. Musik für Kopfhörer, Nachtfahrten, leere Räume und lange Nachwirkungen. Das ist kein Album über den Tod. Das ist das Album danach.



TIMOR LUCTIS

Band: POST LUCTUM
Genre: Doom Metal
Tracks: 7
Länge: 49:43
Medium: CD
Label: Meuse Music Records
Vertrieb: