.

REVIEW: Qroba (Ennui)

TIPP

BY Meisenkaiser


„Qroba“ ist keine Musik, es ist geologischer Druck. Ein Druck, den auch ENNUIs Heimat Georgien, das kleine Land zwischen den großen Mahlwerken der Weltpolitik, aushalten muss. Ein Album, als hätte jemand den Himmel zugeschraubt und das Licht in einen Sarg gelegt. ENNUI aus Tiflis spielen keinen Funeral Doom. Sie sind Funeral Doom. „Qroba“ bedeutet Verschwinden. Nicht dramatisch. Nicht plötzlich. Sondern dieses schleichende, würdige Verlöschen, wenn Farben sich erst in Grau verwandeln und dann in nichts. Schon der Opener „Antinatalism“ rollt heran wie fernes Donnergrollen über den kaukasischen Bergen. Gewaltige Akkorde, die sich nicht bewegen, sondern drücken. Schlagzeugschläge wie tektonische Verschiebungen. Und darüber diese Stimme, die nicht singt, sondern aus der Tiefe des Brustkorbs aufsteigt, als hätte sie dort Jahre gewartet. „Becoming Void“ nimmt dir buchstäblich die Luft. Die Riffs sind so schwer, dass sie nicht klingen, sondern lasten. Und dann, ganz plötzlich, diese Gitarrenmelodien. Zart. Wunderschön. Voller Schmerz, der nicht schreit, sondern akzeptiert. ENNUI beherrschen Subtilität im Monumentalen. In „Decima“ taucht das traditionelle georgische Saiteninstrument Panduri auf. Drei Saiten sorgen für einen Klang wie kalte Bergluft. Und auf einmal öffnet sich die Musik. Man steht nicht mehr in der Dunkelheit. Man findet sich irgendwo in den kargen, windgepeitschten Landschaften Georgiens, zwischen Stein, Nebel und Stille wieder. Dieses Element wirkt nicht folkloristisch, sondern wie ein kulturelles Echo der Melancholie selbst. Und am Ende löscht „Mokvda Mze“ alles langsam und unerbittlich aus. Die ersten Töne scheinen warm, fast tröstlich. Doch dann frisst sich die volle Wucht der Band hinein, bis nur noch Leere übrigbleibt. Kein Finale. Kein Ausbruch. Nur ein langsames Versinken. Gemischt und gemastert von Greg Chandler (Esoteric), klingt „Qroba“ unsagbar tief und echt ehrlich. Das Artwork von Ben J. „Winterkeep“ und Vladimir „Smerdulak“ Chebakov passen perfekt zu dieser Klangwelt. Karg. Düster. Würdevoll. Wie die Landschaften, aus denen die Band stammt. Funeral Doom wird hier nicht neu definiert. ENNUI reduzieren ihn mit ihrem fünften Album auf seinen existenziellen, kalten Kern.

PS: Wer die Band mal live spüren will, sollte zum „Haunting The Castle VI“ kommen – ein Doom-Festival der Superlative in einer mittelalterlichen Burg in Belgien. 



QROBA

Band: Ennui
Genre: Doom Metal
Tracks: 5
Länge: 62:40
Medium: CD
Label: Meuse Music Records
Vertrieb: