Review:

Endstilles Reich

(Endstille)

TIPP
Zum ersten Mal bin ich mit dieser Kieler Krawalltruppe 2004 auf dem "Party.San" in Berührung gekommen. Damals fand ich alles an dieser Band einfach nur kacke, z.B. das hach so "böse" Auftreten mit dummen Sprüchen in Richtung "kommerzieller" Black Metal-Bands oder das (nicht nur auf den Covern vertretene) Kokettieren mit allerlei Kriegs- und NS-Klischees. Damals hieß das aktuelle Album noch "Dominanz" und ging als zwar nettes, aber beileibe noch nicht essentielles Schwarzstahl-Scheibchen durch, doch ein Jahr später war es dann soweit: "Navigator" war ein Tritt in den Arsch der heimischen Szene! Hymnische Brachialität, räudige Finsternis und pure Aggression paarten sich mit der weitgehenden Abkehr von den einstigen, platten "Geschichtsklischees". Damit eines klar ist: ENDSTILLE waren niemals eine rechts eingestellte oder gar Nazi-Band, sie spielten, ähnlich wie TOTENMOND, mit einem Image, das bei oberflächlicher Betrachtung Zweifel aufkommen ließ, was wohl auch so gewollt war. Zwar gibt es auch auf "Endstilles Reich" wieder diverse Ausflüge in Richtung zweiter Weltkrieg, jedoch fernab platter Provokationen, dafür in ein musikalisch abermals kompromissloses Gewand gekleidet. Rasender Black Metal trifft auf teilweise an BOLT THROWER erinnernde Stampforgien und die unglaublichen Schreie von "Sänger" Iblis; Bombast, Keyboard-Dauerfeuer oder gotische Streichelparts für die Samtkleidchenfraktion (gruseligerweise auch bei den Herren…) sucht man hier einmal mehr vergebens. "Endstilles Reich" ist das, was von den Engbestirnten der Szene gerne als "True Black Metal" bezeichnet wird, nur mit dem Unterschied, dass Abrissbirnen wie "Among Our Glorious Existence", "No Heaven Over Germany", "Endstille (Realität)" oder die Megahymne "Vorwärts (Sturmangriff II)" kein zweifelhaftes Image innehaben und ihre Durchschlagskraft rein musikalisch entfalten. Und auch, wenn man hier soundtechnisch nicht ganz an die Klasse des Vorgängers anknüpfen kann (besonders den Drums hätte etwas mehr Wumms ganz gut getan), ist "Endstilles Reich" der hörbare Beweis dafür, dass auch die konservativsten Szene-"Kenner" zweitklassigen und lediglich vom Image lebenden Handlampen wie Euronymous oder Adolf Vikernes nicht mehr hinterhertrauern müssen!

Endstilles Reich


Cover - Endstilles Reich Band:

Endstille


Genre: Black Metal
Tracks: 10
Länge: 52:47 (CD)
Label: Regain Records
Vertrieb: Soulfood