Konzert:

H.E.A.T, REACH & TEMPLE BALLS - Aschaffenburg, Colos-Saal

Konzert vom 27.05.2022

Ein Konzert am Freitagabend ist eigentlich was Gutes. Wenn man jedoch zuvor einen Vatertag gefeiert hat und Samstags auch wieder raus muss, relativiert sich das ein wenig. Da ich jedoch H.e.a.t erleben durfte, als sie das letzte Mal im Colos-Saal (13.11.2017) zu Gast waren, wäre ich wahrscheinlich auch mit dem Kopf unterm Arm dort aufgekreuzt. Solch eine Power und Spielfreude hatte ich zuvor im Heimatclub nicht erlebt. Als es vorbei war, fühlte es sich an, als sei gerade ein Zug durch den Laden gerauscht. Allerdings gab es nun eine nicht unwesentliche Änderung: Erik Grönwall, Sänger und Energiebündel der Kapelle hat sich im Oktober 2020 verabschiedet. Sein Nachfolger ist kein Geringerer als sein Vorgänger und Gründungsmitglied Kenny Leckremo. 4 ½ Jahre später könnten die Vorzeichen dennoch nicht besser sein. Wir alle haben diese unsägliche Pandemie hinter uns gelassen und jeder hat wieder Bock auf Livemusik sowohl auf als auch vor der Bühne, die Messlatte liegt indes hoch.

TEMPLE BALLS eröffnen gegen 19:00 Uhr fulminant die skandinavische Nacht. Die Jungs legen sofort los wie die Feuerwehr und haben bereits nach dem ersten Song das Publikum auf ihrer Seite. Als der ein oder andere Track dieser klassischen Hairmetalfraktion textsicher mitgesungen wird, weiß ich, dass hier meinerseits wohl eine Bildungslücke geschlossen werden muss. Am Ende der ca. 45 minütigen Performance ist wirklich jeder im Saal auf Betriebstemperatur...dann kommt REACH.

Wie zuvor, beginnt der Auftritt in blauem Licht, was mich als Fotograf ein wenig nervt. Dunkler Club und blaues Licht führt mein Equipment an seine Grenzen. Aber gerade diese Atmosphäre steht den Schweden gut zu Gesicht. Mit ihrer Musik und Darbietung grenzen sie sich von ihren finnischen Kollegen deutlich ab. Dies nimmt zwar zunächst den Drive aus der Halle, hält aber das Publikum dennoch bei Laune. Mich erinnert das Dreigestirn unweigerlich an MUSE mit einer leichten Prise PLACEBO, was es aber dann schon zu was Eigenem macht und gefällt.

Pünktlich um 21 Uhr kündigt der Klassiker von GLENN FREY “The Heat Is On“ (vom Band) den Headliner des Abends an. Mit “One By One“ startet das Set und der neue/alte Mann am Mikro geht direkt ab, wie die berühmte Katze des Herrn Schmitt. Das Licht ist schon wieder blau und der Kerl bleibt keine Sekunde stehen, wie soll man da vernünftig Bilder machen, schießt es mir durch den Kopf, bemerke aber, dass es mir selbst schwer fällt ruhig zu stehen, so ansteckend ist die Dynamik dieser Truppe. Ohne Luft zu holen legen sie direkt “Rock Your Body“ und “Dangerous Ground“, allesamt vom aktuellen Output, hinterher. Ich kenne H.e.a.t seit den Anfangstagen und kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der gute Kenny ein wenig an seiner Stimme gearbeitet hat. Erstaunlich gut findet er sich ausgerechnet in den oberen Tonlagen zurecht und bringt die Nummern, die während seiner Abwesenheit entstanden, so als seien sie für ihn geschrieben. Wenig überraschend, gibt es an diesem Abend natürlich aus der ersten Scheiben reichlich Material, das dann jeweils im Doppelpack dargereicht wird. Zu “Straight For Your Heart“ gibt’s “Late Night Lady“ und “Cry“ wird mit “1000 Miles“ kombiniert. Die Interaktion mit dem Auditorium wirkt von beiden Seiten höchst euphorisch, was die oben erwähnte Lust auf solche Events untermauert. Allen Beteiligten ist das Grinsen nicht mehr aus dem Kopf zu nehmen.
Zwei neue Songs werden obendrein noch zum Besten gegeben: “Back To The Rhythm“ und “Nationwide“. Letzterer hebt sich merklich in Härte und Art vom bisherigen Stil ab und funktioniert als Dampfhammer zur späten Stunde prima live.
Das obligatorische Schlagzeugsolo darf natürlich in solch einer Oldschool-schwangeren Veranstaltung genauso wenig fehlen, wie das Gitarrensolo, das heute jedoch im Duett mit den Keys zelebriert wird – nett!
Als nach der Zugabe “Rise“, erneut ein Klassiker vom Band, diesmal von NIGHTRANGER “Sister Christian“ den Rausschmeißer spielt, steht der Guido neben mir. Auf die Frage: „Na was meinst Du?“ kam in trockenem Hamburger Slang nur „Die haben abgeliefert!“. Hier ist nichts mehr hinzuzufügen.



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