Konzert:

Billy Talent, Itchy, Metz – Wiesbaden, Schlachthof

Konzert vom 16.08.2018

Nachdem BILLY TALENT ausgiebig auf „Afraid Of  Heights“ – Tour waren und auch hierzulande fast alles an Festivals mitgenommen haben, was das Land so zu bieten hat, waren sie bereits im Juni nochmal vorbeigekommen und haben so ziemlich alle restlichen Festivals noch mitgenommen, die 2016 und 2017 nicht mehr in den Kalender gepassten. Jetzt sind sie nochmal für ein paar wenige Festivals hier und haben zusätzlich im ausverkauften Schlachthof in Wiesbaden ihre Charity Veranstaltung zu Gunsten der deutschen Multiplen Sklerose Stiftung gespielt. F.U.M.S – Fuck You Multiple Sklerose, unter diesem Motto haben sie schon zahlreiche Charity Veranstaltungen in Kanada gespielt und nun folgte ein weiteres Ereignis auch bei uns in Deutschland. Tolle Sache bei dem Event war: Alle Einnahmen gingen zu 100% an die Deutsche MS Gesellschaft: www.dmsg.de. Gäste konnten neben den Kauf der Eintrittskarten noch Merch zu dem Event erwerben und außerdem hatte jeder die Möglichkeit noch etwas in einen Spendenpott zu werfen.

So ein Highlight lassen wir uns für euch natürlich nicht entgehen und waren natürlich und glücklicherweise für euch dabei!

 

Als Support für die Veranstaltung hatten BILLY TALENT die in Deutschland noch recht unbekannte Punk-Rock-Band METZ aus Kanada / Toronto mit dabei. Außerdem die hierzulande recht bekannte Punk-Rock-Band ITCHY, die man derzeit auch auf vielen Festivals bestaunen konnte und noch kann.

 

Den Anfang haben METZ gemacht. Allerdings muss man vorab sagen, dass es von der Spielzeit keinen Unterschied gab! Beide Bands durften gut 45 Minuten spielen, was für eine Vorband schon sehr lange ist.

METZ kamen pünktlich um 19 Uhr auf die Bühne und haben es so richtig krachen lassen! Diese Band ist laut, diese Band hat Energie und diese Band hat vor allem Bock auf Konzerte! Beim Publikum kamen sie eher mäßig an. War doch schon etwas spezieller von der Richtung her und auch härter als man es z.B. von BILLY TALENT oder auch ITCHY kennt. Vom der Musik her hat es aber schon gut in den Rahmen gepasst, weil METZ auch Punkrock ist, nur eben kein Kuschelpunkrock, wie man im Vergleich BILLY TALENT dazu bezeichnen könnte, sondern eine ganze Ecke härter.

So wirklich hat es METZ leider nicht geschafft das Publikum für sich zu gewinnen. Kurze Momente waren zwar vorhanden, aber so wie sie kamen, waren sie auch schon wieder vorbei. Schade, aber man muss auch sagen, dass es war schon zu Beginn extrem heiß in der Halle war und es waren noch nicht mals alle Gäste drinnen und bei drei Bands muss man sich die Energie immer etwas aufteilen. Dennoch haben METZ eine solide Show abgeliefert. Letzten Endes ist es aber immer Geschmackssache und hier wurde der Geschmack leider nur mäßig getroffen.

Was nicht unerwähnt bleiben sollte: Die hervorragende Arbeit der extrem freundlichen Security im Schlachthof. Immer wieder wurde Wasser verteilt und auch neben dieser netten Geste war es so ziemlich die freundlichste Security, die mir in all den Konzerten so begegnet ist. Großes Lob an die Arbeit des Schlachthof-Teams. Da fühlt man sich als Gast wohl!

 

 

Kurzer Umbau, kurz Luft holen und Kraft tanken für die nächste Band. Gegen 20 Uhr 10 durften dann ITCHY auf die Bühne und hier kann man wirklich sagen: Das hat perfekt zu BILLY TALENT gepasst. Sicherlich waren auch einige ITCHY-Fans von Anfang an dabei, aber diese Show wird der Lottogewinn für die Band gewesen sein, denn die Halle hat gebebt und ITCHY abgefeiert, fast als wäre es ihr Konzert und es würde keine weitere Band als Headliner folgen. Vom Stil her hat die Band hervorragend zu BILLY TALENT gepasst. Besser hätte ein Supportact nicht passen können! Auch hier merkte man sofort: ITCHY haben Spaß an dem was sie machen und das hat sich sofort auch aufs Publikum übertragen. Es war fast unmöglich stillzustehen, weil man einfach von der Musik mitgerissen wurde. Mit Witz und Späßchen führte die Band durch ihr Programm. Eine Sehr angenehme Show, die gefühlt nur wenige Minuten ging und viel zu Kurz war. Allerdings waren ITCHY ja „nur“ Supportact und dafür war die Spielzeit schon sehr lang und etwas Kraft für BILLY TALENT musste ja auch noch übrig bleiben.

Draußen herrschten Temperaturen um die 30 Grad. Entsprechend heiß war es auch schon zu Beginn in der Halle. Bei BILLY TALENT hatte man das Gefühl in einem Gewächshaus zu sein. Gut 1800 Leute passen in den Schlachthof hinein. Ausverkauft. Genügend um die Halle innerhalb kürzester Zeit in eine Sauna zu verwandeln. Sicherlich wäre von Publikumsseite noch mehr bei ITCHY gegangen, aber verständlicherweise hebt man sich dann die Energie für BILLY TALENT auf. Nichtsdestotrotz ein toller Support, der mit vielen neuen Fans nachhause fahren konnte.

 

 

Nach der Show folgte ein Umbau. Gegen 21 Uhr 30 ging es dann weiter. Vom ersten bis zum letzten Ton herrschte eine fantastische Stimmung, trotz Tropenklima in der Halle. Sänger Ben hatte es ganz witzig ausgedrückt in dem er sagte, dass Deutschland überall Spitzenreiter ist und alles so hervorragend kann und überall so perfekt ist, aber in der einen Sache haben sie kläglich versagt und das ist bei der Klimaanlange. Er sagte in etwa wörtlich: „Wie kann ein Land nur so großartig in allen Dingen sein, aber bei dieser einen Sache so versagen?“ Ob Deutschland überall so „großartig“ ist, sei man dahin gestellt, aber mit der Aussage, dass die Klimaanlagen in deutschen Hallen sehr zu wünschen übrig lassen, hat er definitiv recht.

Seltsamerweise waren an diesem Abend die „Billy Talent“-Chöre sehr verhalten und sehr selten vorhanden. Die Songauswahl muss wohl den Besuchern die Sprache verschlagen haben, denn die war einzigartig! Wer BILLY TALENT verfolgt, der weiß natürlich, dass bei jedem neuen Tourabschnitt die Setlist leicht verändert und auch die Reihenfolge der Songs vertauscht wird, so dass es sich anders anhört und auch anfühlt. Und auch wer in LUXEMBURG bei den Clubshows dabei war, der wird schon Songs zu hören bekommen haben, die sonst nicht so oft auf der Setlist von BILLY TALENT zu finden sind, aber die Setlist dieser Show war nochmal besonders einzigartig und kam extrem gut beim Publikum an. So wurde der Song „Beach Balls“ in der gesamten Bandgeschichte erst zweimal gespielt (sofern Setlist.fm stimmt): Einmal 2011 und eben an diesem Abend. Außerdem selten gespielt, aber an diesem Abend als Highlight dabei: „Don’t Count On The Wicked“& „February Winds“. Die Songauswahl konnte sich also sehen lassen und man würde sich wünschen, dass mehr Bands nicht so versteift in ihren Setlists wären und mehr abwechslungsreichere Konzerte spielen würden.

Von der Stimmung her war es auch egal, ob ein alter Song gespielt wurde oder ein Neuerer –alles kam gut an und wurde gefeiert. Besondres gut kamen aber die drei genannten beim Publikum an, weil damit wohl keiner so recht gerechnet hatte. Die Songauswahl war gut gemischt durch alle Alben. Selten so eine bunte Setlist gesehen, wo alle Alben vertreten waren und im Fokus stand nicht das noch aktuelle „Afraid Of Heights“-Album, sondern „Billy Talent“, was ihr ersten Album war. Insgesamt wurden 21 Songs gespielt. Radiohits wie „Afraid Of Heights“ oder „Fallen Leaves“ durften natürlich auch nicht fehlen. Auffällig war allerdings, dass „Surrender“ nicht gespielt wurde und das ist eigentlich bei nahezu jeder Show dabei und, so dachte man jedenfalls, fest auf der Setlist verankert. Zwischen den Songs wurden immer wieder kleine Ansage gemacht. Im Fokus dabei natürlich der Grund der Veranstaltung: Die Krankheit MS und auch ihr Drummer Aaron. Dieser war zwar schon bei den Konzerten in Luxemburg dabei und hat auch drei Songs pro Abend gespielt, aber bei dieser Charity Veranstaltung konnten die Fans „ihren“ Aaron endlich mal wieder länger am Schlagzeug sehen: Nämlich zwei mal drei ganze Songs! Mit viel Spaß und Energie war er bei der Sache. Man merkte, dass fehlt ihm und er würde gerne mehr. Aber was nicht geht, das geht leider nicht und die Gesundheit geht vor. Man hatte auch den Eindruck, dass es ihm besser ging, als noch in Luxemburg. Zu Beginn des Abends und auch an Ende hatte er Ansagen gemacht und so ein bisschen durch den Abend geführt. Wenn auch nicht immer dabei oder die komplette Show auf der Bühne, aber auf keinen Fall von den Fans oder Band vergessen. Aaron gehört zur Band und wird es auch immer bleiben und der Stolz der anderen Bandmitglieder, den sie im Gesicht geschrieben hatten, als Aaron am Schlagzeug saß, was unbeschreiblich und muss man gesehen haben. Mit Jordan Hastings sicherlich einen tollen Schlagzeuger gefunden, aber kein Ersatz sondern gleichwertiges Mitglied und hier sollte man nochmal Bens Worte nehmen: „Aus vier Bandmitgliedern, wurden fünf!“

Die sechs Songs, die Aaron am Schlagzeug saß, waren somit das Highlight des Abends. Eigentlich war der gesamt Abend und die gesamte Veranstaltung ein Highlight, aber wenn man bestimmte Momente nochmal hervorheben möchte: Dann dieser!

Es ging energiegeladen bis zum Schluss weiter und besonders bei der Zugabe rastete die Menge nochmal so richtig aus und feierten ihre Band.

Nach 21 Songs und etwas mehr als 90 Minuten war die Party dann vorbei und alle durften nassgeschwitzt die Halle verlassen.

 

Ja, das war ein heißer Konzertabend! Eine Halle mit Temperaturen wie in der Saune und eine Band, die die Menge nochmal mehr aufgeheizt hatte. Insgesamt ein wirklich ein toller und auch emotionaler Abend. BILLY TALENT haben wirklich ein großartiges Konzert abgeliefert. Mit gut 90 Minuten etwas kurz, aber bei 21 Songs kann man wohl trotzdem nicht groß meckern. Natürlich hätte man sich vielleicht erhofft, dass es bei dieser besonderen Show etwas länger gehen würde, aber kritisieren kann man die Spieldauer jetzt nicht, da sie für BILLY TALENT wirklich Standard ist. Die meisten Bands spielen um die 21 Songs, bei BILLY TALENT sind die meisten Songs knapp drei Minuten, was eben dann die Spieldauer von nur knapp 90 Minuten erklärt. Lobend erwähne sollte man hier auch mal den Sound der Halle. Oft haben kleine Hallen es schwer einen guten Sound hinzubekommen. Im Schlachthof stimmte er sowohl bei BILLY TALENT als auch bei den Vorbands und das, obwohl  die Feuchtigkeit in der Halle die Abmischung sicherlich nicht einfacher gemacht hat. Es geht also und daran können sich viele kleine Clubs ein Vorbild nehmen. Generell ist der Schlachthof in Wiesbaden eine sehr schöne Location. Außerdem befindet sich die Halle nur wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt und Parklätze sind ausreichend vor der Halle zu finden und der Abend kostet nur 4 Euro.

Rundum ein toller Abend, viele Fans haben das Konzert als „das Beste, was sie von BILY TALENT erlebt haben“ betitelt. Das ist sicherlich Geschmackssache, aber grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die Besucher zwar nass geschwitzt die Halle verlassen hatten, aber sehr glücklich.

 

Bleibt zu hoffen, dass neuer Stoff nicht allzu lange auf sich warten lässt!

 

Wichtigster Punkt vielleicht, der nicht vergessen werden darf: An dem Abend sind Spenden in Höhe von vielen Euros zusammen gekommen (Die genaue Summe wird noch ergänzt, sobald sie veröffentlicht wurde)! Großartige Sache, die man nicht oft genug wiederholen kann! Danke an BILLY TALENT und die beiden Vorbands METZ und ITCHY, dass sie es möglich gemacht haben. Sowas ist nicht selbstverständlich und man kann gar nicht oft genug erwähnen, wie großartig solche Aktionen sind und dass die Welt mehr davon braucht! Danke auch an das gesamte Schlachthof-Team, die die Kosten auf ein Minimum reduziert hatten, damit möglichst viel übrig bleibt und diese Aktion so tatkräftig unterstütz haben!

 

 

 

Big Red Gun

Prisoners of Today

River Below

Rusted from the Rain

February Winds

Try Honesty

Lies (mit Aaron Solowoniuk am Schlagzeug)

Pins and Needles (mit Aaron Solowoniuk am Schlagzeug)

White Sparrows (mit Aaron Solowoniuk am Schlagzeug)

Cure for the Enemy

This Suffering

Afraid of Heights

The Navy Song

Don’t Count on the Wicked

Standing in the Rain

Beach Balls (mit Aaron Solowoniuk am Schlagzeug)

Fallen Leaves (mit Aaron Solowoniuk am Schlagzeug)

This Is How It Goes (mit Aaron Solowoniuk am Schlagzeug)

Viking Death March

Red Flag

Devil on My Shoulder

 

Alle BILLY TALENT Bilder gibt’s hier:

Wiesbaden 2018: https://www.flickr.com/photos/119065387@N03/albums/72157699074086431

Luxemburg 2018: https://www.flickr.com/photos/119065387@N03/albums/72157698365096424

Dortmund 2017: https://www.flickr.com/photos/119065387@N03/albums/72157684952224604

Düsseldorf 2016: https://www.flickr.com/photos/119065387@N03/albums/72157673601082023

 

 



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