Konzert:

Architects, Stick To Your Guns, Bury Tomorrow - Berlin, Huxleys

Konzert vom 30.10.2016

Wie auch die 6 anderen Shows in Deutschland ist der Auftritt der ARCHITECTS in Berlin restlos ausverkauft. Mit an Bord sind BURY TOMMORROW sowie STICK TO YOUR GUNS, um den geneigten Fans die volle Ladung Metal/Hardcore vorzusetzen.

 

Das musikalische Debut des Abends geben BURY TOMMORROW. Sie liefern klassisch strukturierten Metalcore, bei dem dank des basslastigen Sounds speziell die härteren Passagen besonders gut funktionieren, da sie entsprechend viel Druck aufbauen und Energie transportieren. Leider wird dieser Effekt m. E. durch ruhigere Refrains etwas vermindert (obwohl das Publikum hier anderer Meinung zu sein scheint). Bestechend sind vor allem die hör- sowie sichtbare Spielfreude der Briten und die Pausen zwischen den einzelnen Songs, die mit langen Reden gefüllt werden. Reden darüber, dass Metal und Hardcore sich zuweilen zu ernst nehmen, dass es auf Konzerten es eigentlich darum geht, Spaß zu haben und über die Gründe, warum Meet and Greets Mist sind. Abgeschlossen wird die Show dann mit kollektiver Hüpf-Action und dem Song „Earthbound“.

 

Im Anschluss daran betritt die Hardcore-Formation STICK TO YOUR GUNS die Bühne. In Sachen Sound und Performance stehen sie dem Vorgänger in nichts nach, der Habitus erinnert dabei leicht an Hatebreed. Wird der Anfang des Auftritts noch relativ straight durchgespielt, mehren sich auch hier gegen Ende die Statements. Vor allem leidenschaftlich gehaltene politische Reden über die Misere der westlichen Welt, Wut, Liebe, Frustration und über die wirklich wertvollen Dinge (Spoilerwarnung: es ist nicht das Geld) bestimmen hier die Richtung. Da liegt es wohl in der Natur der Sache, dass bei allgemein verträglicheren Sachen mehr applaudiert als bei radikalen Aussagen. Nichtsdestotrotz sieht man, sobald die Musik wieder erklingt, die Köpfe auch noch in den hintersten Reihen wackeln. Die Mischung aus Breakdowns, tiefen Shouts und klaren Gesang scheint vielen zu gefallen. Und so bleibt auch ein ordentlicher Applaus am Ende der Show nicht aus. Über einige Aussagen der Band lässt sich sicherlich streiten, aber die Show an sich, die lebhafte Darbietung und die Inszenierung der Musik sind allesamt gelungen.

 

Nach einiger Zeit für den Umbau verdunkelt sich das Licht und endlich betreten die Headliner des Abends die Bühne: ARCHITECTS. Dies natürlich nicht einfach so, sondern mit dem brachialen Sound von „Nihilist“. Gleich sticht ins Auge, wie stimmig auch die optische Darbietung der Band ist: alle Bandmitglieder tragen komplett schwarz und verschwinden bei abgedunkelter Beleuchtung nahezu. Überhaupt leistet die Lichttechnik sehr gute Arbeit. Die visuelle Untermalung war sowohl abwechslungsreich als auch punktgenau und hat die Atmosphäre der Musik nochmal unterstrichen. Vom weiten wirken sie wie eine Erweiterung des Albumcovers von „All Our Gods Have Abandoned Us“, welches hinter der Band thront. Dadurch wirken auch spätere Titel (wie z. B. „Deathwish“, „The Devil Is Near“ oder „Gravedigger“) eindrucksvoller, die Atmosphäre intensiviert sich. Das Publikum zeigt sich dabei stets begeistert: ausufernder Applaus kommt immer wieder auf und die vorderen Reihen sind während der Lieder sehr in Bewegung. Währenddessen muss das Konzert kurz unterbrochen werden, da ein Stück der Decke herunter fiel. Glücklicherweise landete es aber direkt auf dem Gerüst, welches die Beleuchtung trägt, sodass eine von Sänger Sam Carter durchmoderierte Pause für das Publikum schon die einzige Konsequenz war. Sodann spielt die Band „Naysayer“, verlässt kurz die Bühne, um noch eine kleine Zugabe inklusive längerer Rede zu geben. Dass der Tod des langjährigen Mitglieds Tom Searle der Band noch zu schaffen macht, merkt man spätestens hier. Carter hebt hervor, dass der einzige Grund, aus dem es die Band gibt, nicht anwesend ist und dass diesem die Anerkennung gebührt. Die Band verabschiedet sich mit, Carter zufolge, einem der besten Lieder, die Tom Searle geschrieben hat: „Gone With The Wind“. Hier zeigen sich nochmal alle Stärken des Auftritts gebündelt in einem Song. Und so fällt auch mein Fazit aus: ARCHITECTS haben es geschafft, eine unglaublich atmosphärische, intensive und emotionale Darbietung zu präsentieren, die die Band erstmal übertreffen muss. Eine wirklich eindrucksvolle Show.

 



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