Review:

Heritage

(Opeth)

OPETH sind im Progressive Rock angekommen. An sich keine Überraschung, wenn die jahrelange Zusammenarbeit von Bandkopf Mikael Akerfeldt und Steve Wilson (POCUPINE TREE) ins Gedächtnis gerufen wird. Aber dass die Schweden auf „Heritage“ komplett auf Growls verzichten, überrascht dann doch, war doch die Verknüpfung von Death Metal und Progressive Rock eines der OPETH-Trademarks. Aber das ist Vergangenheit, anno 2011 sind OPETH eine reine Rockband, die in zehn Songs zeigen will, dass sie auch in neuem Gewand weiterhin emotional bewegende, komplexe Musik schreiben können, denn genau das machte ihre Werke bis dato so einzigartig. „Heritage“ scheitert leider an der emotionalen Seite. Komplex ist die Musik immer noch, wenn auch mit einem ganz starken 70er-Einschlag, der von BLACK SABBATH („Slither“) bis zu jazzigem Rock („The Devil’s Orchard“) reicht. Manche Songs wirken dabei zu hochgestochen und leicht verkrampft, wie das sehr nach Jam-Session klingende „Nepenthe“ oder das relativ ruhige „Häxprocess“. Leider geht dabei die früheren OPETH-Songs innewohnende Eingängigkeit verloren, viel zu oft ist „Heritage“ nur anstrengend und komplex, aber spricht den Hörer nicht an und kann sich nicht im Ohr festsetzen. Bisher hatten es Alben wie „Watershed“ oder „Blackwater Park“ geschafft, schon nach dem ersten Durchlauf beim Hörer gelandet (und niemand wird die Komplexität der Alben abstreiten wollen) und gleichzeitig herausfordernd zu sein. „Heritage“ gelingt das nicht, es bleibt nur fordernd, ohne eine Belohnung für die Mühe in Aussicht zu stellen. Ja, Mühen. Stellenweise ist das Album richtig anstrengend. Vieles wirkt zudem unfertig, fast so, als wären der Band (oder besser Akerfeldt als Hauptverantwortlichen) die Ideen beim Songwriting auf halber Strecke ausgegangen oder aufgrund von Zeitdruck nicht weiter ausgearbeitet werden. Ganz eklatant wird das beim wenig ins Songgefüge eingepassten Keyboard deutlich, das fast immer wie ein Fremdkörper wirkt. „Heritage“ war eines am meisten erwarteten Alben des Jahres, aber nach zig Durchläufen ist klar, dass OPETH diese Erwartungen nicht erfüllen konnten. Dazu ist das Album zu unfertig, zu unfokussiert und nicht bewegend genug.

Heritage


Cover - Heritage Band:

Opeth


Genre: Progressive
Tracks: 10
Länge: 56:47 (CD)
Label: Roadrunner Records
Vertrieb: Warner Music