Review:

Here Be Monsters

(Motorpsycho)

TIPP

Für MOTORSPYCHO-Fans beginnt das Jahr 2016 fantastisch. Vor einigen Wochen ist das dritte Album des MOTORPSYCHO-Ablegers SPIDERGAWD erschienen, die Tour folgt im Februar, und jetzt gibt es auch schon wieder neuen Stoff von MOTORPSYCHO selbst.

Die Stücke für „Here Be Monsters“ sind eigentlich schon 2014 entstanden, als Auftragsarbeit für das 100-jährige Jubiläum des Norwegischen Museums für Wissenschaft und Technik, und sollten nur auf einem Konzert aufgeführt werden. Mit an Bord war der Keyboarder Ståle Storløkken, mit dem das Trio auch schon für sein Konzept-Werk „The Death Defying Unicorn“ zusammengearbeitet hat. Nach dem Konzert entschloss sich die Band dann, die Stücke für eine Albumveröffentlichung zu überarbeiten. Im Februar 2015 wurde der Großteil aufgenommen, doch das ganze Jahr über kamen neue musikalische Elemente hinzu, bis im November schließlich abgemischt wurde.

Die Presse-Info zu „Here Be Monsters“ gibt sich fast schon etwas vorsichtig. Das Album sei weniger rockig als sonst bei MOTORPSYCHO üblich, aber wer ihre psychedelische Seite mag, würde sehr wahrscheinlich auch dieses Album mögen, heißt es da. Dabei muten MOTORPSYCHO ihren Fans ja immer mal wieder Experimente zu, etwa beim oben erwähnten „Death Defying Unicorn“ mit seiner Mischung aus Psychedelic, Rock, Jazz und moderner Klassik, der Kooperation mit der Bläsersektion der experimentellen Jazz-Band JAGA JAZZIST oder jüngst mit „En Konsert For Folk Flest“, bei dem Orchester und Chor beteiligt waren.

Demgegenüber ist „Here Be Monsters“ sogar relativ eingängig. Nach einem kurzen Klavierintro startet das Album mit dem knapp 10-minütigen „Lacuna Sunrise“, das mit seinem ruhigen Flow und vor allem harmonisch stark an alte PINK FLOYD angelehnt ist. Im instrumentalen „Running With Scissors“ wird es sogar noch ruhiger, wobei das Thema, die wabernden Keyboards und die angejazzten Drums an alten Prog im Stile KING CRIMSONS erinnern. Beim treibenden I. M. S. wird es dann zum ersten Mal richtig rockig. Mit seiner Mischung aus Druck und Komplexität könnte man es sich auch auf dem letzten Album „Behind The Sun“ vorstellen. Schönster Moment: Wenn nach dem ruhigen Zwischenpart in der Mitte plötzlich alle Instrumente wieder zusammen aus den Boxen dröhnen. Das folgende „Spin, Spin, Spin“ ist quasi das Cover eines Covers: MOTORPSYCHO haben sich hier die Version von H. P. LOVECRAFT des im Original von Terry Callier stammenden Stücks vorgenommen. Das fügt sich perfekt in den MOTORPSYCHO-Sound ein, bringt mit seinem Folk-Einschlag aber doch eine zusätzliche Note in den Band-Kosmos ein.

Nach einem weiteren kurzen Klavier-Zwischenstück folgt mit dem fast 18-minütigen „Big Black Dog“ der eigentliche Höhepunkt des Albums. Lange bleibt es anfangs ruhig und sphärisch, bevor nach etwa vier Minuten ein drückendes, düsteres Riff einsetzt. Das wird dann immer wieder gesteigert, teils mit abgefahrensten, lärmigen Sounds, bis etwa bei Minute 11 wieder Ruhe einkehrt. Für den Schlusspart werden noch mal alle Register gezogen, es wird immer lauter und drückender. Die letzten zwei Minuten sind dann noch einmal ein ruhiger, melodischer und versöhnlich anmutender Ausklang. Was für ein Ritt!

Die Zurückhaltung im Presse-Text ist also völlig fehl am Platze. Denn schon nach dem ersten Durchlauf von „Here Be Monsters“ ist klar: Wer MOTORPSYCHO liebt, wird auch dieses Album lieben! Bei jedem weiteren Hören entdeckt man mehr Details und erkennt die erstaunliche Vielschichtigkeit der Stücke. Im Mai sind MOTORPSYCHO wieder auf Tour, und man darf schon sehr gespannt sein, wie sie das neue Material live umsetzen werden.

Here Be Monsters


Cover - Here Be Monsters Band:

Motorpsycho


Genre: Rock
Tracks: 7
Länge: 46:15 (CD)
Label: Stickman
Vertrieb: Soulfood