Review:

Alchemy Of Souls Part II

(LORDS OF BLACK)

TIPP

Die Bäume wachsen auch für die LORDS OF BLACK nicht in den Himmel. Dachte ich doch, nach dem Debüt und dem großartigen Nachfolger wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die Band um Gesangsstar Ronnie Romero an der Spitze des Genres ankommt, so muss ich heute konstatieren, dass dem nicht so ist. Eine doch relativ durchschnittliche dritte Platte und der kurzzeitige Weggang des chilenischen Vokalisten bremsten diesen Schwung ab. Jetzt veröffentlichen die spanischen Power Metaler den zweiten Teil des gelungenen "Comebacks" "Alchemy of Souls Part II", und wir dürfen uns erneut die Frage stellen, wohin geht die Reise? Ist dieses Werk das ersehnte Referenz-Album, welches LORDS OF BLACK nun endlich zum Festival-Headliner macht?

Vorweg - das Artwork ist nicht überragend oder besonders verkaufsfördernd. Aber das ist verkraftbar, auch weil "Alchemy of Souls Part II" dagegen inhaltlich wirklich gelungen ist. Der Spagat zwischen klassischem (Power-)Metal der Marke DIO oder ARMORED SAINTs und modernen Einflüssen gelingt spielerisch. Im hymnischen "What's Become of Us" thront eine emotionale Melodie über der Nummer; diese wird aber mit einem recht hektischen, kühlen Schlagzeug und düsteren, modernen Sounds flankiert. So wirkt dieser Track auf der einen Seite vertraut, warm und anschmiegsam und strahlt andererseits unterschwellig eine gewisse modische Kühle aus. Dieses Zusammenspiel ist anregend und liefert ein Quantum Innovation in das Genre - stark! Tony Hernandos Gitarrenarbeit schwankt zwischen gefühlvoll und beißend und wird von mir bewusst vor der wie immer überzeugenden, leidenschaftlichen Leistung von Ronnie Romero erwähnt. "Bound To You" nimmt den modern contra klassisch-Faden erneut auf; hier werden nahezu RAMMSTEIN-artige Industrial Keybordsounds mit eingewoben. Aber niemals bekommen diese Elemente die Oberhand. "Alchemy of Souls Part II" ist Power Metal par excellence. "Before That Time Can Come" ist eine pathetische, sich aufrichtende Nummer, die mit purer Kraft und Ausdruck punktet. "In A Different Light" ist bedrohlich, düster und doch enorm dynamisch und in seinen 5,5 Minuten ein kurzweiliger Wechselbalg an Song. Vielleicht ist das Album etwas zu lang geraten; 13 Songs und über eine Stunde Spielzeit sind eine Menge Material, aber - und auch das spricht für den Longplayer - Totalausfälle sind nicht zu finden.

Nun, ist das fünfte LORDS OF BLACK-Album das Überwerk, das den Anschluss an die Spitze rechtfertigt? Es ist auf Augenhöhe mit dem furiosen Bandbeginn, und es ist das reifste und ambitionierteste Werk der Spanier. Es liefert wirklich ein stückweit Innovation in das recht angestaubte Power Metal Genre. Aber es zählen eben oft auch andere, nicht künstlerische Faktoren, die zum Durchbruch und Welterfolg führen. Ob das ohne Wolfsmaskerade, Kunststoffpanzer, oder Mitra in 2021 funktionieren kann, diese Frage wäre zu beantworten. Ich kann es nicht, meine aber, das Album rechtfertigt gleichwertigen Erfolg.

 

 

 

 

 

Alchemy Of Souls Part II


Cover - Alchemy Of Souls Part II Band:

LORDS OF BLACK


Genre: Heavy Metal
Tracks: 13
Länge: 66:13 (CD)
Label: Frontiers Records
Vertrieb: Soulfood