Review:

Gods Of Violence

(Kreator)

TIPP

Wer der Meinung ist, dass Thrash Metal nur dann gut und authentisch ist, wenn er aus räudigem & undergroundigem Geprügel besteht, der kann KREATOR gerne poppiges Auswimpen attestieren und an dieser Stelle aufhören zu lesen. Wer allerdings der Meinung ist, dass auch zum Thrash Metal Musikalität, Intellekt, große Refrains, eine tolle Produktion und sinnvolle Weiterentwicklung passen, der ist herzlich willkommen im Reich der „Götter Der Gewalt“ und darf sich in die Reihen derer einreihen, die KREATOR auf dem weltweiten Thrash Thron sehen.

Um es vorweg zu nehmen: Auch der Autor sitzt nach mehrmaliger Einfuhr von „Gods Of Violence“ geplättet vor der Anlage und überlegt verzweifelt, ob es in den letzten Jahren einen stärkeren Thrash Release gegeben hat. SLAYER? Nö! TESTAMENT? Stark, aber auch nicht! SODOM? Auch gut, aber nicht auf dem Niveau, auf dem sich Petrozza und Co. bewegen. Und so könnte man das noch ein paar Stunden weitermachen.

 

 

Nach dem symphonischen Einmarsch „Apocalypticon“ überfährt einen die High-Speed Abrissbirne „World War Now“ sofort und gnadenlos. Und so geht es weiter: die Midtempo-Abrissbirne „Satan Is Real“, mein Liebling „Totalitarian Terror“ (was ein Refrain!!), das etwas langsamere „Gods Of Violence“ und „Army Of Storms“, welches sich einmal mehr als hammerharter Thrasher präsentiert. Mit „Hail To Hordes“ haben KREATOR dann einen lupenreinen Epic Metal Hit am Start, der auch einen MANILLA ROAD Jünger nicht kalt lassen kann. Nach einem kurzen akustischen Intro geht „Lion With Eagle Wings“ in die Vollen, um im Refrain wieder wunderbar aufzugehen. „Fallen Brother“ nimmt mit seinem „Stampf-Rhythmus“ das Soldatenthema sehr gut auf. Nur auf die eingestreuten deutschen Textzeilen reagiere ich allergisch. Aber das Problem habe ich immer, allen anderen scheint das ja zu gefallen. Ändert aber wenig an der Qualität des Songs. Bei „Side By Side“ kreist wieder der Thrash Hammer und sollte live abgehen wie das sprichwörtliche Zäpfchen. Mit dem fast 8-minütigen „Death Becomes My Light“ wird dann das Finale eingeläutet. Nach anfänglichen balladesken Klängen (erinnert vage an OVER KILLs „Soulitude“) wandelt sich der Song in eine schöne „Galoppel-Nummer“. Das Einzige, was man an dieser Stelle machen kann, ist das Drücken des Repeatknopfs, um sich ein weiteres Mal plätten zu lassen.

Auch wenn das Energielevel unheimlich hoch ist und „Gods Of Violence“ die wohl schnellste KREATOR Scheibe seit den 80ern ist, ist sie zeitgleich die melodiöseste. Was der Finne Sami Yli-Sirniö an Harmonien und sensationellen -bis ins Detail ausgearbeiteten- Gitarrenleads auf die Gemeinde loslässt, ist richtig großes Kino.

Und auch die transparente aber immens fette Produktion von Jens Bogren passt hier wie die Faust aufs Auge.

Sicherlich kein charmant-naives Undergroundwerk aber Hochglanz-Thrash aus der Champions-League. An „Gods Of Violence“ wird sich jedes Thrash Metal Werk 2017 messen lassen müssen.

 

 

Gods Of Violence


Cover - Gods Of Violence Band:

Kreator


Genre: Thrash Metal
Tracks: 11
Länge: 51:48 (CD)
Label: Nuclear Blast Records
Vertrieb: Warner