Review:

Born To Thrash (Live In Germany)

(Destruction)

TIPP

Ein Live-Album von DESTRUCTION, laut Bandkopf Schmier die „spontanste Idee, die wir je realisiert haben“, macht das Sinn? Jawohl, das macht tatsächlich in der heutigen Zeit mehr als Sinn. Viele Punkte sprechen dafür. Die Corona-Krise (gähn!) wird Liveshows von DESTRUCTION in Zukunft mächtig erschweren, die Aufnahmen vom Party.San-Open Air waren einfach zu gut, um nicht verwendet zu werden, und außerdem liegt das letzte Live-Lebenszeichen von Schmier und seinen Mitstreitern mit „Curse Of The Antichrist“ elf Jahre zurück. Im Übrigen hat sich der Sound von DESTRUCTION mit der Verpflichtung eines zweiten Gitarristen vor zwei Jahren maßgeblich auf den Druck der Band ausgewirkt. Gitarrensoli schwirren jetzt nicht mehr einsam in der Luft umher, sondern werden druckvoll untermauert. Für Soundlücken ist bei DESTRUCTION in der jetzigen Konstellation einfach kein Platz mehr.

Obwohl „Born To Thrash“ eine spontane Bestandsaufnahme ist, zeigt sich der Sound immens druckvoll und satt. Wenn man aber einige von Schmiers Aussagen für bare Münze nimmt, ist er kein großer Freund von Studionachbearbeitung, und somit gehen wir davon aus, dass die Band einfach einen verdammt guten Tag hatte, und die Finger und die Stimmbänder immer an der richtigen Stelle ihren Job erledigten. Zusammengefasst sind also am Sound und Zusammenspiel nichts zu meckern, und da auch das Publikum und Schmier sich gegenseitig die Bälle zuspielen, kommt ein ehrliches und überzeugendes Live-Feeling auf, welches nach Bier, Kutten und Schweiß riecht. So muss das sein!

Kommen wir zu der Besonderheit von „Born To Thrash“. Die digitale Variante des Albums wird über zwei Monate vor der Digipak- und Vinyl-Version veröffentlicht. Kommt selten vor, aber macht hier auch Sinn, da DESTRUCTION sich für die physischen Veröffentlichungen (Stichtag: 17. Juli 2020) etwas Besonderes ausgedacht haben. Zu Vinyl und CD wird eine herausnehmbare Weltkarte mitgeliefert, auf der Fans ihr erstes DESTRUCTION-Konzert markieren konnten. Eine feine und interessante Aktion, und ich bin tatsächlich auf das Endresultat gespannt. Dies macht die Wartezeit erträglich und spannend zugleich und gibt den Presswerken noch ein wenig Zeit zum Druck der Scheiben.

Über die Songauswahl müssen wir nicht viel reden. Hier reiht sich Klassiker an Klassiker. Ob „Mad Butcher“, „Thrash Till Death“, „Total Desaster“… Hier bleibt kein Auge trocken und kein Nacken geschont. Leider befinden sich unter den zehn Songs nur zwei Stücke aus dem Album „Born To Perish“, welches auf dem Party.San eigentlich vorgestellt werden sollte. Ok, wenn man zu viele Klassiker in der Hinterhand hat und diese vom Publikum auch gefordert werden, dann muss eine Band eben Kompromisse eingehen. Dafür kommt der Titeltrack der vorzustellenden Scheibe „Born To Perish“ gleich doppelt brutal rüber, und man merkt, dass jeder der Musiker stolz den neuen Song der Masse vor den Latz haut.

Insgesamt wird dem Fan in den fast 54 Minuten alles geboten, was man von einem DESTRUCTION-Konzert erwarten kann. Geniales Zusammenspiel, feinster Sound und ein gut aufgelegtes Publikum. Wegen mir hätte die Live-Dröhnung noch wesentlich länger dauern können, aber an der Spielzeit der Party.San-Macher können wir jetzt auch nichts mehr drehen.

Wer es nicht mehr abwarten kann, besorgt sich den Download oder wartet eben auf die kommenden Veröffentlichungen. Für jeden Thrash-Fan ein ziemliches „Must-Have“ und für DESTRUCTION-Neulinge eine Scheibe, die den Einstieg in die Welt des Butchers einfach und kompromisslos gestalten wird. Eine feine und runde Sache.

 

Born To Thrash (Live In Germany)


Cover - Born To Thrash (Live In Germany) Band:

Destruction


Genre: Thrash Metal
Tracks: 10
Länge: 53:14 (Digital)
Label: Nuclear Blast
Vertrieb: Rough Trade