Review:

Hammer Of The Witches

(Cradle Of Filth)

TIPP

Auch wenn es vielleicht nicht wirklich fair ist: Als Paul Allender verkündete, CRADLE OF FILTH zu verlassen, war die Freude groß. Dieser Schritt kann sich auf die Band nur positiv auswirken, dachte ich mir. In der Vergangenheit zeichnete er sich für den meisten Teil der Musik aus. Zwar waren die letzten Alben nicht wirklich schlecht, aber auch weit davon entfernt, Meilensteine zu sein. Das gewisse Etwas fehlte seit geraumer Zeit einfach. Das größte Manko war das Fehlen von Songs, die sich nachhaltig in den Kopf bohren. Die Scheiben (hier meine ich vor allem „Darkly Darkly Venus Aversa“ und „Manticore“) sind zwar allesamt recht brutal aber es fehlt der Wiedererkennungswert. Bis auf ein paar Titel rauschen sämtliche Songs an einem vorbei und bleiben nicht hängen.
So ist man nun gespannt, wie sich die Band mit neuem Line-Up präsentiert. Für Paul sind nun zwei gut aufeinander abgestimmte Gitarristen an Bord. Richard Shaw und Ashok duellieren sich auf einigen Songs mit richtig geilen Gitarrensoli. So etwas war schon lange nicht mehr bei den Extremmetallern zu hören. So zum Beispiel bei „Enshrined In Cremetoria“, das mit coolen Iron Maiden Melodien herkommt. Da wird das Wort „SHREDDING“ extra groß geschrieben.
Das Album beginnt für Cradle typisch: Das heißt wie immer mit einem Intro („Walpurgis Eve“) und dann mit einem Song („Immortally Yours“), der erst mal wild nach vorne peitscht inklusive einem hohen Eröffnungsschrei von Dani Filth und Blastbeats von Schlagzeuger Martin Skaroupa. Der Refrain ist mit dem weiblichen Gesang recht catchy und erinnert etwas an „Thornography“. In den sechs Minuten, die der Song zu bieten hat, passieren viele Wechsel, die auf dieser Platte endlich mal wieder zünden und nicht zerfahren sind.
Bei „Deflowering The Maidenhead, Displeasuring The Goddess“ (was für ein geiler Titel!) regiert zu Beginn die Doublebass. Und auch da schießen Shaw und Ashok geile Soli aus der Hüfte. Das Riffing ist sehr thrashig und bösartig. Das Ganze wird aber mit einem sehr schönen und atmosphärischen Part aufgelockert, bei dem das Keyboard/Klavier in den Vordergrund rückt. Teilweise ähnelt das Gitarrenspiel alten COF-Scheiben. Man ertappt sich dabei wie man leise in sich reinbrüllt: „Endlich, endlich ist wieder Magie zu hören“. Auch die orchestralen Keyboards am Schluss erinnern etwas an „Dusk... And Her Embrace“ Zeiten. In die „Dusk“-Kerbe schlägt auch das nachfolgende „Blackest Magick In Practice“. Es beginnt mit einem getragenem Gitarrenlead, das später wieder in die schnellen maidenartigen Läufe mündet. Hier fällt auch zum ersten Mal der Einfluss von Neu-Bassist Daniel Firth auf, der das Break in der Mitte des Songs dominiert. Ähnlich auch beim Schlusspart des Titelsongs, bei dem der Bass kurzzeitig die Führung übernimmt.
Nicht vollkommen überzeugen kann die erste Auskopplung aus dem Album „Right Wing Of The Garden Triptych“. Der Anfang mit den Keyboards und dem Frauengesang klingen nach echt grausigen Eurodance aus den 90’ern. Der Part kommt auch nur zweimal vor und dauert 20 Sekunden aber schön geht anders. Und auch das Gitarrengeschredder klingt zu sehr nach den letzten beiden Platten. Dann wiederum ertönen wirklich tolle Twin-Harmonien, die das Ganze wieder ins Erträgliche rücken. Aber auch einige Keyboardpassagen wirken nicht wirklich schlüssig. Insgesamt der schlechteste Titel auf der ansonsten starken Scheibe.
Fazit: CRADLE OF FILTH zeigen auf „Hammer Of The Witches“, wo der Hexenhammer hängt und dass sie es immer noch drauf haben. Viele alte Fans sollten dem Album eine Chance geben. Für die Zukunft wäre es vielleicht wünschenswert, wenn die Band den Thrashanteil ein wenig zurückfahren würde und dafür dem Black Metal wieder mehr Raum gibt. Kann natürlich sein, dass die Platte die Übergangsphase zu späteren Großtaten einläutet – ähnlich wie bei Machine Head und deren „Through The Ashes Of Empires“. Darauf würde auch Cradles Schlusstrack „Onward Christian Soliders“ hinweisen. Auf jeden Fall rotiert die Scheibe seit Erhalten permanent im CD-Schacht.

 

Hammer Of The Witches


Cover - Hammer Of The Witches Band:

Cradle Of Filth


Genre: Black Metal
Tracks: 11
Länge: 56:0 (CD)
Label: Nuclear Blast
Vertrieb: Warner