Konzert:

With Full Force 2016 - Samstag

by Gast (nicht überprüft)
Konzert vom 02.07.2016

Der erste Programmtag des WFF 2016 ging mit einem wunderschönen Sonnenaufgang zu Ende und die Neugier war groß, ob die geile Stimmung auch am Samstag gehalten werden kann. Für den Tag standen einige große Namen auf dem Plan, die, ob man sie nun mag oder nicht, zumindest gute Stimmung versprachen.

 

Immer noch geflashed vom Freitag ging es für uns zeitig um 14 Uhr auf der Mainstage los.

FALLUJAH waren mir bis zum WFF stets nur vom Lesen ein Begriff, sei es von Konzertankündigungen für die THE BLACK DAHLIA MURDER USA Tour oder als Empfehlung von Kumpels. Als Vorbereitung aufs Festival beschäftigte ich mich mit ihrem aktuellen Album „Dreamless“ und war recht angetan von der dargebotenen Musik. Die fünfköpfige Deathcore Formation schafft es mit ihren oft ausladenden, raumgreifenden Melodiebögen und proggigen Arrangements aus dem eher stumpfen Deathcore Einheitsbrei auszubrechen und begeistert vielmehr mit Abwechlsungs- und Ideenreichtum als mit immer wiederkehrender Breakdown-Vorhersehbarkeit. Ich stellte mir jedoch im Vorhinein die Frage, ob die vertrackten Songs live funktionieren.

Und tatsächlich, sie tun es. Der Fünfer glänzte mit einem transparenten und druckvollen Sound, der es ermöglichte den verspielten Songs problemlos zu folgen, auch wenn man diese nicht kennt. Besonders der dynamische Wechsel zwischen verträumten Leadgitarren und brachialen Grooveparts weiß live zu gefallen. Imponierend war vor allem Drummer Andrew Baird, der seinen Job wahnsinnig tight und wuchtig erledigte, Respekt!

Trotz des anspruchsvollen Songmaterials kam auf der Bühne keine Langeweile auf, synchrones Mattenschleudern zu Blast- oder Downtempopassagen macht einfach immer was her und man nahm den Musiker sofort ab, dass sie ihr Programm mit Leidenschaft und Überzeugung darboten.
Guter Auftritt und gelungener Start in den zweiten Tag des Festivals, FALLUJAH werde ich auf jeden Fall weiterverfolgen und auch die nächste Livegelegenheit wahrnehmen.

 

 

Eine halbe Stunde später gab es im Hardbowl MONUMENTS zu bestaunen. Auf dem Weg dorthin sackten wir noch schnell ein paar Freunde ein und tauschten uns aus, ob der erste Tag wirklich so geil war wie gedacht oder ob wir uns gegenseitig in Rage redeten…aber allem Anschein nach war es wohl einfach geil!

Im Zelt angekommen bot sich schon visuell eine willkommene Ablenkung vom durchgestylten Szenetum des WFF. Da standen sie, die fünf Monumente von MONUMENTS und versprühten mit Afros und Dreads irgendwie karibisches Flair. Und auch musikalisch wussten sie absolut zu überzeugen. Das Wochenende versprach so langsam die perfekte Zeit für spannende Neuentdeckungen zu werden. Energiegeladen und voller Lebensfreude agierte die Band mit dem Publikum, sowohl auf als auch vor der Bühne ging amtlich der Punk ab. Die gelungene Mischung aus Melodie, brachialer Härte und komplexen Songstrukturen machte auch beim ersten Erleben wirklich Spaß, was sicherlich auch an der mitreißenden Performance der Musiker lag. Das Publikum tanzte, pittete, surfte und sang was das Zeug hielt. Sänger Chris Barretto hatte nicht nur die Menge im Griff, sondern überzeugte durch seine kräftige und in allen Bereichen präsente Stimme, ganz starke Leistung. Die Briten konnten uns mit ihrem modernen Progressive Metal vollends überzeugen und so bleibt nur zu sagen, dass wir eine weitere Show ohne Erwartungen, aber dafür mit viel Begeisterung im Nachgang erlebten.

Unbedingte Live-Empfehlung! (RN)

 

Selbiges trifft auf STRIFE zu, die gleich im Anschluss an MONUMENTS im Hardbowl folgten. Diese fünf Typen aus Kalifornien erfinden das Rad zwar absolut nicht neu, können mit dem was sie tun aber vollends überzeugen, vor allem live. Good old Hardcore ohne viel Schnickschnack, aber dafür mit ordentlich Wut im Bauch. Und das schon seit 1991. Dabei wirken sie alles andere als alt, auch wenn die Haare von Sänger Rick Rodney vom Kopf ins Gesicht gerutscht zu sein scheinen. Viel mehr muss man zu STRIFE eigentlich nicht sagen. Wer schnellen Ami-Hardcore mag, sollte sich die nächste Live-Gelegenheit nicht entgehen lassen.

 

 

RISE OF THE NORTHSTAR habe ich nie verstanden. Die merkwürdigen Outfits, die schlechte Aussprache der englischen Texte und das prollige Getue wirkten auf mich bisher immer irgendwie lächerlich. Gerade deshalb wollte ich mir die Show der Franzosen aber trotzdem angucken und ihnen so die Chance geben mich vom Gegenteil zu überzeugen. Das ist auf gewisse Weise gelungen. Zwar kann ich mit der Musik und dem Image der Band noch immer nicht viel anfangen, aber wer das kann, kommt live mit Sicherheit auf seine Kosten. Die Jungs machen Spaß und vor allem haben sie ihn dabei auch selbst. Und das sollte bei Musik stets im Vordergrund stehen. Kurzweiliger Zeitvertreib war das Konzert allemal. (NK)

 

BEHEMOTH sorgen seit einiger Zeit für weitverbreitete Begeisterung, sowohl auf Platte als auch live. Irgendwie konnten mich die Polen jedoch musikalisch nie begeistern, sowohl das ältere und schnelle Material als auch die aktuelle, irgendwie rockig angehauchte Scheibe hat mich nie vom Hocker reißen können. Musik bleibt halt Geschmackssache. Nichts desto trotz wartete ich gespannt auf die Show der Band, denn Live soll das Quartett so einiges zu bieten haben.

Und tatsächlich war es dann auch ein geiles Konzert. Neben dem üblichen Okkult-Brimborium mit umgedrehten Kreuzen, Feuer, Weihrauch, Corpsepaint und Kapuzengedöns, gab es nämlich vor allem eins: 45 Minuten druckvollen Death/Black Metal. Durch den mächtigen Sound funktionierten sowohl schnelle als auch langsame Passagen hervorragend, Musik und visuelle Effekte ergänzten sich sehr gut und sorgten für ein starkes Gesamterlebnis. Die Band agierte tight und professionell, die Interaktion mit dem Publikum stimmte und insgesamt hatte die Darbietung eher was von einer Messe. Rock ´n´ Roll Show wie sie sein soll.
Ich muss konstatieren, dass BEHEMOTH zu Recht den Ruf als starke Live Band genießen und ich sie mir bei nächster Gelegenheit wohl wieder anschauen werde. Unterhaltung auf höchstem Niveau.

 

Weiter ging es mit HATEBREED, einer Band, über die man eigentlich kaum noch Worte verlieren muss. Als jahrelange Spitzenkraft einer ganzen Szene, passen sie zum Force wie der Stecker in die Dose. Ähnlich wie am Vortag wurde zum frühen Abend metallischer Hardcore geboten. Irgendwie schön zu sehen, dass die Vorreiter der vielen Wasauchimmer-Core Bands des WFF auch zum Zug kommen und noch immer ihr Standing beim Publikum haben. Die Band zockte ihren Backkatalog routiniert, aber nie gelangweilt runter. Man merkte ihnen die lange Erfahrung mit großen Shows einfach an. Der Sound war klar und druckvoll und so dauerte es auch nicht lange, bis das Publikum der Band mit ordentlich Action dankte. Die diversen Mitsing-Angebote wurden dankend angenommen und dem Groove gehuldigt. Schön zu sehen, das eine Band wie Hatebreed vom Szene-Kid, über Kuttenträger bis zum Chiqui-Mäuschen alle zum Tanzen bekommt. Die Band schöpfte Hit nach Hit aus ihrem Repertoire und animierte einfach zum Feiern. Gepaart mit dem geilen Wetter machte der Gig der Amis wirklich Laune.

 

Vielleicht wussten die Leute auch einfach, dass sie nach HATEBREED genug Zeit haben würden um sich zu erholen, denn während des EM-Spiels der deutschen Mannschaft wurde das komplette Programm unterbrochen.

Nun lässt sich natürlich drüber streiten, ob diese Maßnahme sein muss und man sich als Musikfan wirklich lieber auf einer Leinwand ein bisschen Gekicke anguckt als leibhafte Bands. Den spielenden Bands gegenüber ist es aber nur fair, denn anscheinend schauen viele Force Besucher wirklich lieber Fußball als die Musik zu feiern, only god knows.

Ich nutzte die Gelegenheit und tankte am Auto etwas Kraft und Getränke um fit für die Nacht zu sein. Zugegebenermaßen klang es aus der Ferne so, als wäre die Stimmung vor der Leinwand enorm gewesen, so lauten Jubel gab es während den Bands leider selten zu hören.

 

Nach ca. drei stündiger Wartezeit durften dann die Samstags Headliner AMON AMARTH die Bühne entern. Ich hätte im Vorfeld nie gedacht, dass ich über diese Band jemals positive Worte verlieren würde. Jeder kennt es vermutlich, man hat so seine Bands, die einem tierisch auf den Keks gehen. AMON AMARTH gehören bei mir auf jeden Fall zu dieser Kategorie. Musik und Gesang langweilen mich, das Image der Band mit dem überbordenden Wikingergehabe wirkt wie ein aus dem Ruder gelaufener Marketinggag und das Bier, Met und Ehre-Gelaber der Band und vieler Fans sorgt manchmal dafür, dass ich verheimlichen möchte Metal zu hören.

Und so fühlte ich mich zunächst auch bestätigt, als auf der Bühne enorme Pappmaschee (?) Drachenköpfe zu sehen waren…Nun weiß ich nicht, ob es einfach an der heftigen Atmosphäre des gesamten Wochenendes lag, an den netten Leuten die ich kennenlernte oder am Bier (vermutlich die Mischung aus allem). Aber verdammt, AMON AMARTH haben Spaß gemacht!
Vergisst man einmal kurz, dass es evtl. auch lächerlich sein könnte, wenn ein Mann um die 40 mit einem übergroßen Papphammer auf die Bühne kloppt und dann Rauch und Funken sprühen, muss man der Band einfach attestieren eine fette Produktion auf die Bühne gestellt zu haben. Die Drachenköpfe fungierten als Treppen und Emporen für die Musiker, eine üppige Pyro-, Licht, und Nebelshow sorgte für passende Atmosphäre und das wichtigste, Performance der Band und Sound waren druckvoll und überzeugend. Im Vergleich zu vielen kleineren Bands, denen die Leidenschaft aus dem Arsch fällt, wirkten die Schweden zwar etwas aufgesetzt, aber dafür durchweg professionell und eingespielt. Jeder Ton saß, nichts wackelte. Die mich sonst nervende Eintönigkeit der Songs sorgte live für Schunkelfaktor. Generell erinnerte eh alles irgendwie an eine Schlagerveranstaltung. Die Fans sind jedenfalls ähnlich Textsicher, man kann fast nicht aus dem vorgegebenen Rhythmus ausbrechen, 4/4 gibt Sicherheit! Die einstudiert wirkenden Bewegungen der Musiker erzeugten dann tatsächlich das Gefühl einer Einheit auf der Bühne. Obwohl ich die Band nicht mag, kenne ich trotzdem fast irgendwie jeden Song, oder klingen sie alle gleich? Egal, die Show macht Spaß, die Stimmung ist gut, es wird freudig gefeiert…Der Startschuss in eine starke Partynacht! (RN)

 



Mehr Infos:Strife
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