Konzert:

Heathen, Toxik - Mannheim, 7er Club

Konzert vom 08.06.2022

Eigentlich liebe ich den Innenhof des 7er Clubs ja sehr, allerdings trübte diese Freude das nass/kühle Wetter in Mannheim doch sehr. Umso erleichterter war ich, als ich feststellte, dass man das Konzert kurzentschlossen nach Innen verlegt hatte und so stand einem Konzertabend mit TOXIK und HEATHEN nichts mehr im Wege.

Und zum ersten Ton von TOXIK befanden wir uns der Halle, welche mit "Spontaneous" auch gleich amtlich loslegten. Sofort kristallisierte sich heraus, dass Fronter Ron Iglesias ein absoluter Gewinn für TOXIK ist. Nicht nur, dass er stimmlich variabler als seine beiden Vorgänger tönt, er ist auch unheimlich agil und mimt perfekt den Thrash Metal Maniac. Seine Energie ist unfassbar und beinahe ein wenig beängstigend. Nicht nur, dass er das Tempo die ganze Show durchhielt, er rannte auch schon wenige Minuten nach seinem Auftritt mit einem Fußball (!) durch den Innenhof des Clubs und war bei HEATHEN der erste, der einen Moshpit entfachte. Aber auch seine Mitmusiker waren ständig in Bewegung und nach kurzer Zeit tropfnass. Dass man bei dem spielerisch sehr anspruchsvollen Material so sehr in Bewegung ist, kennt man allerhöchstens noch von WATCHTOWER. In deren Liga spielen TOXIK und dort oben ist die Luft bekanntlich äußerst dünn. Besonders erwähnen möchte ich auch Drummer Jim De Maria, welcher heute eine Doppelschicht schob und sowohl bei TOXIK als auch bei HEATHEN die Drums mehr als kompetent bedient. Aber über allem thront Bandchef Josh Christian, der mit halsbrecherischen Leads und einem beseelten Spiel glänzt. Dass er sich kurz vorher auf ein anderes Gitarrenmodell umgewöhnt hat, behinderte ihn keineswegs. Neben Klassikern wie "False Prophets", der wunderschönen Ballade "There Stood The Fence", "Think This" oder "Greed" gewährten uns TOXIK mit "Dis Morta" einen Ausblick auf das im August erscheinende, gleichnamige Album. Ein schon verschachtelter Song, welcher durch tolle Gesangsmelodien und VOIVOD like Disharmonien vom Fleck weg überzeugt. Das Finale inklusive Stageactingeinlage von Ron, bildeten die Debütkracher ""World Circus" und "Heart Attack". Sensationeller Auftritt einer immer noch extrem wichtigen und relevanten Band.

Die Frage war nun, ob HEATHEN das würden toppen können. Um die Antwort vorwegzunehmen: Konnten sie nicht. Natürlich war das immer noch ein guter Gig, nur kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass da mehr drin gewesen wäre. Erst einmal finde ich es einfach komisch HEATHEN Shows ohne Lee Altus zu sehen. Das ist für mich so, als würden IRON MAIDEN ohne Steve Harris auf die Bühne gehen. Trotzdem war spieltechnisch natürlich alles im grünen Bereich. Unter dem Banner HEATHEN würden auch niemals Amateure auf die Bühne gehen. Und sowohl Kragen Lum, als auch David White sah man den Spaß an. Aber nach dem Tornado, den TOXIK entfacht hatte, wirkte man etwas blass. Dazu kam, dass die Gitarren im Mix gegenüber DeMarias Schlagzeug den Kürzeren zogen, was den Hörgenuss zusätzlich trübte. Auch verließen sich HEATHEN sehr auf ihren aktuellen Longplayer "Empire Of The Blind" welcher bei den Fans recht polarisierend aufgenommen wurde. Von "Album des Jahres" bis "Kann weg" ist da alles dabei. Mir persönlich sagt es auch nicht wirklich zu und war nach den erst 3 Hämmern eine Enttäuschung. Vom Debüt bekamen wir immerhin "Death By Hanging" und das wie immer gnadenlos geile "Goblin's Blade", Von "Victims of Deception" schafften es wenigstens "Opiate The Masses" und "Hypnotized" in den Set. Mit "Dying Season", "Controled By Chaos" und meinem Liebling "Arrows Of Agony" waren immerhin drei Track des 2010er Album "The Evolution Of Chaos vertreten". Der Rest des Sets wurde mit Songs des aktuellen Longplayers "Empire Of The Blind" bestritten. "The Blight", In Black", "Sun In My Hand", Blood To be Let", "Dead And Gone" und "Empire Of The Blind" standen heute Abend auf der Setlist. HEATHEN lieferten einen soliden Gig, an dem die meisten anwesenden ihren Spaß hatten. Erhofft indes hatte ich mir mehr.

Alles in Allem war das ein gelungener Abend mit einer guten und einer überragenden Band und neben der Musik auch vielen bekannten Gesichtern, die man teils seit über 2 Jahren nicht gesehen hatte. Und nächste Woche steht mit FLOTSAM & JETSAM an gleicher Stelle schon wieder das nächste Highlight vor der Tür.



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