Review:

Decision Day

(Sodom)

TIPP

Wenn SODOM eine neue Platte raushauen gilt folgendes Ritual: Möglichst maximal entspannt in der Ecke hängen (Verrenkungen optional), sich je nach verfügbarer Rest-Beweglichkeit ein wenig ruhrpottlerisches Gerstengetränk zuführen und lauschen.  Erfüllt die Truppe um Tom Angelripper die hohe Erwartungshaltung auf ein neues Thrash-Feuerwerk, aufrecht hinsetzen, mehr Bier nachfüllen und sich aufkommende Konzerte freuen. Was man tut wenn die Erwartungen nicht gehalten werden weiß ich nicht ganz genau - aber da ich das Prozedere bei „Decision Day“, SODOMs Platte Nr. 15, getestet habe kann ich bestätigen, dass das mal wieder gar nicht nötig ist.

„Decision Day“ beginnt mit „In Retribution“ mit einer prügelnden, klassischen Thrash-Kapelle welche galoppierend den Gehörgang professionell freischaufelt und spätestens ab der Hälfte noch mit Solo und quasi-Breakdown auch noch die Nackenmuskulatur lockert. „Rolling Thunder“ schließt sich hier noch ein wenig mehr Gitarren-getriebener an und kübelt mit der filigranen Eleganz eines Nebelwerfers durch die Lautsprecher und gönnt uns nur eine kurze, akustische Nachladepause.  Titeltrack „Decision Day“ handelt wundersamerweise um den D-Day und präsentiert sich mit militärisch-düsteren Drum- und Saiten-Arrangements und Tom in besonders harschen, thematisch wohl passender Vocals.

Keine Pause bietet „Caligula“, ein Song über einen wahnsinnigen römischen Kaiser, überrascht mit einem Chorus den Chris Boltendahl von GRAVE DIGGER nicht besser hätte pullen können. „Who Is God?“ klingt vom Titel nach Ozzy auf Kokainentzug und musikalisch wie ein ARCH ENEMY Intro, fängt sich aber fix und verwandelt sich in soliden Standard-Thrash. „Strange Lost World“ eröffnet mit Bass-Intro und Mid-Tempo wirkt ein wenig wie eine Metal-Predigt, „Vaginal Born Evil“ und „Belligerence“ folgen – ersterer ist erstaunlich nichtssagend, zweiterer dagegen reißt mit harschen Vocals zwischen Growl und 1000-Yard-Stare-Schrei und zwischenzeitlichen Doubletime Drumeskalationen die Bude ab und kümmert sich dabei textlich um die Tatsache, dass wir allesamt ziemlich dämlich sind („Mit ‚Belligerence’ kritisieren wir die offenbar momentan herrschende allgemeine Kriegslust. Jeder scheint nur auf einen Grund zu warten, wieder loslegen zu können. Man schürt bewusst gegenseitige Angst und verhärtet dadurch die Fronten noch zusätzlich.“).

„Blood Lions“ geht um die perversen Safari-Fantasien einiger Leute („Canned Hunts“) und scheppert ähnlich militärisch wie „Decision Day“, angereichert durch schnelle Sechszehntel-Abreißer ohne Vocals. „Sacred Warpath“ ist aus der EP von 2014 bekannt und „Refused To Day“ schließt das Ding ab indem es mit lateinischem Geblubber, Geschrei im Hintergrund und leichter Akustikgitarre die Tore für einen abschließenden, düsteren-Thrash brecher zu öffnen.

Für Leute die die Musik nicht nur durch iPhone-Kopfhörer und Spotify... genießen... bietet auch das „Decision Day“ auch noch ein besonderes Schmankel im Art Design, denn das Cover wurde von Joe Petagno, welcher bereits für PINK FLOYD, LED ZEPPELIN und vor allem auch en masse für MOTÖRHEAD gezeichnet hat, designed.

Fazit: „Decision Day“ erfindet die Welt nicht neu, konnte mich aber mal wieder vom ersten Hören an für sich gewinnen und befindet sich daher auch in meiner Vorbesteller-Liste. Ergo eine Empfehlung von mir, man sieht sich auf dem nächsten Konzert – ich bin der mit der Kutte mit dem Sodom-Patch. Und dem Bier.

Release: 26.08.2016

Decision Day


Cover - Decision Day Band:

Sodom


Genre: Thrash Metal
Tracks: 11
Länge: 51:8 (CD)
Label: Steamhammer
Vertrieb: SPV
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