Review:

Bitter

(Kora Winter)

"5 Gramm tun ihren Zweck, und der Abend ist perfekt, meine Nachbarn haben Sex, ich penn vor der Glotze weg." - mit dieser einen Textzeile aus dem coolen Titelsong könnte man dieses Album schon sehr gut umschreiben, aber so einfach wollen wir es uns ja auch nicht machen. Die brandenburgische Provinz macht dieser Tage eher durch ihre blaue Einwohnerschaft von sich reden, leider nicht aufgrund von Alkoholismus, so dass ein von dort stammendes Quintett wie KORA WINTER gleich doppelt frisch anmutet. Hier wird kein Metal gespielt, sondern sehr melodischer und über weite Strecken positiv ausstrahlender (Post-) Hardcore, der in dieser Form gerne als "Hipsterkram" oder "Emokacke" (gerne auch umgekehrt) abgetan wird. Was "Bitter" allerdings eine große Anziehungskraft verleiht, ist das abwechslungsreiche und gut durchdachte Songwriting, das sehr geschickt durchdrehende Aggro-Parts mit verträumten Passagen verknüpft und darüber hinaus noch intelligente Texte offenbart, idealerweise nachzuhören im Herzen des Albums, dem zweiteiligen, saustarken "Coriolis". Aber auch "Deine Freunde (Kommen Alle In Die Hölle)", die erste Single-Auskopplung "Eifer" oder "Das Was Dich Nicht Frisst" wissen zu überzeugen, vorausgesetzt man legt als beinharter Metaller die Scheuklappen auch mal zur Seite. KORA WINTER verbindet am Ende musikalisch deutlich mehr mit Bands wie SYSTEM OF A DOWN oder BILLY TALENT als mit den unzähligen veganen Wollmützen-Studenten-"Hardcore"-Bands, die man leider vielerorts ertragen muss, so dass man "Bitter" allen aufgeschlossenen härteren Naturen problemlos empfehlen kann. Und da ich mir sicher bin, dass die Jungs hier im nächsten Anlauf locker noch einen draufsetzen können, vergebe ich heute ganz knapp noch nicht unseren "Tipp". Auf ewig Winter!

 

 

Bitter


Cover - Bitter Band:

Kora Winter


Genre: Hardcore
Tracks: 8
Länge: 38:6 (CD)
Label: Eigenproduktion
Vertrieb: Eigenvertrieb