Konzert:

WITH FULL FORCE 2015 - Samstag

Konzert vom 04.07.2015

Der Morgen begann wie der erste, nur noch heißer - wenigstens erfrischte ab und an ein leichter Wind, der den Schatten fast schon angenehm machte. (ah)

Hart war es für alle, die keinen Schattenspender eingepackt hatten und sich in den vom Auto geworfenem Schatten drängen mussten.(ah)

8:00 Uhr. 35 Grad im Schatten. Die Frisur sitzt. Läuft. (lh)

Schön erfrischend war dann auch der Metalcore von MORE THAN A THOUSAND, der viele Anhänger fand - und dass sie im Hardbowl spielten, machte es besonders erträglich. (ah)

 

Nicht von diesem Glück waren DR. LIVING DEAD! gesegnet, die in der puren Hitze auf der Mainstage spielten. Zu dem spielten die armen Schweine mit Skelettmasken, was sicher noch extra heiß war. Als Kult waren sie ausgepriesen, doch mehr als Durchschnitt war ihr Thrash Metal leider nicht. (ah)

 

Na ja, etwas mehr als die durchschnittliche Thrash Metal-Band haben die Amis schon zu bieten, oft erinnert das Ganze an alte SUICIDAL TENDENCIES oder ANTRHAX. Die Hitze machte nicht nur der Band zu schaffen, auch die wenigen Leute vor der Bühne hielten es kaum aus. DR. LIVING DEAD! hätten von einem späterem Slot völlig zu Recht profitiert.

 

TEXAS IN JULY spielten beim WFF die letzte Show ihrer Europatour. An sich nichts Außergewöhnliches, wäre da nicht die Tatsache, dass die Band nach der Tour ad acta gelegt werden wird. Von Wehmut auf und vor der Bühne aber keine Spur, falls jemand an das Bandende dachte, nutzte er das für eine fröhliche Trauerfeier. Die Band, die seit 2014 im derzeitigen Line-Up zusammen unterwegs ist, zeigte sich gut aufeinander eingespielt und hatte die Menge vom ersten Song an in der Hand. "Bloodwork" ist eine feine Scheibe, TEXAS IN JULY hatten sich auf ihrer Abschiedstour gut aufeinander eingespielt und das Piblikum hatte Bock auf Abriss im schattigen Zelt. Kurzum: gelungene Art, "Tschüss!" zu sagen.

 

DEEZ NUTS sind zu einer Band geworden, die zwei Seiten der Tour-Medaille zeigt: auf der einen Seite machen die Songs der Australier und die Präsenz von JJ Peters Laune, auf der anderen Seite sind die Herren viel zu oft viel zu routiniert bei der Sache und lassen Leidenschaft vermissen. An diesem heißen WFF-Nachmittag überwog die zweite Seite. DEEZ NUTS zockten ihre Songs runter, brachten alle erwarteten Hits und bewegten sich ordentlich über die Bühne. Basser Sean Kennedy als langhaarige coole Sauist immer noch der heimliche Star der Band, während Labertasche JJ Peters die Meute unterhält. Klar ging vor der Bühne trotz Hitze der Punk ab, aber der letzte Funke wollte nicht überspringen. Völlig solider Gig mit vielen Songs, die Spaß gemacht haben, aber bei DEEZ NUTS wirkte es wie so oft, als wären sie mit angezogener Handbremse unterwegs.

 

Erst im April habe ich im Interview die Jungs von ESKIMO CALLBOY gefragt was ihr nächstes großes Ziel in Ihrer Karriere ist. Ihre Antwort war: auf einem größeren Festival auf der Mainstage vor einem gut gefüllten Infield zu spielen. Ganz klar, Ziel erreicht! Offenbar frisch aus dem Urlaub kommend, präsentierten sie gut gebräunt einen ihrer Dauerbrenner nach dem anderen - nur schade, dass sie aufgrund ihrer doch recht kurzen Stagetime nicht so viele Songs spielen konnten. Mit fehlte zum Beispiel ganz klar "5$Bitchcore" und "Never Let You Know", aber auch so war es eine gute Show, die Laune gemacht hat. (ah)

 

Ich hätte ja gerne SIDO als Gastsänger gesehen. (lh)

 

NASTY gewannen den Preis für die länge Im-Graben-Präsenz des Sängers. Ging gut ab und gab der Security mal etwas Arbeit, denn viele Crowdsurfer mussten sie in diesem Jahr nicht abgreifen. Musikalisch sind NASTY noch nie eine Herausforderung gewesen, aber in Kombination mit den klaren, oft politischen Ansagen und der Bühnenpräsenz der Jungs erklärt sich ihre Beliebtheit in der Beatdown- und Bollo-Szene. Guter Auftritt, der in Sachen Abgehfaktor des Publikums etwas hinter den Erwartungen zurückblieb.

 

Nach über zwei Jahren gab es endlich mal wieder ein Wiedersehen für mich mit AGNOSTIC FRONT. Gewohnt hart spielten die New Yorker ihren Hardcore und brachten die Crowd schon nach kurzer Zeit zum Tosen und forderten wieder und wieder Moshpits, das sie diese auch bekamen brauche ich ja wohl nicht zu erwähnen. Also alles wie gewohnt. (ah)

 

Als DEFEATER sich an den Soundcheck machten, war die Hardbowl überraschend leer - sollte der komplexe, nicht-so-direkt-auf-die-Fresse-Hardcore der US-Ostküstler beim Publikum etwa nicht angesagt sein? Mitnichten. Zum ersten Song füllte sich das Zelt - und die Leute gingen steil. DEFEATER haben sich irgendwann während der letzten 18 Monaten zu einer aggressiv auftretenden Liveband entwickelt, so ab wie auf der aktuellen Europa-Tour ging die Band lange nicht. Shouter Derek hat sich Stück für Stück vom schüchternen Singer/ Songwriter-Typ zum im positiven Sinne aggressiven Sänger entwickelt und überzeugte das Publikum mit diesem Stil. Jay Maas, der Bandintellektuelle an der Gitarre, zog ebenfalls alle Register und tobte genauso wie der Rest der Band über die Bühne. Bei der Setlist machten DEFEATER ebenfalls alles richtig und boten einen Querschnitt durch ihre umfangreiche Discography, so dass am Ende eine sehr gelungene Show zu Buche stand.

 

RAISED FIST legten dann noch mal eine Schippe drauf. Mühelos. Ernsthaft, die Schweden spielten das aggressivste Set aller Bands des diesjährigen With Full Force. Es ist nicht nur Shouter Alle, der wie ein Derwisch über die Bühne springt, sondern auch die komplette Saitenfraktion der Band, die vor Energie und positiver Aggressivität sprüht. Dass sich das auf das Publikum überträgt, ist klar - das war bei ihrer "From The North"-Tour der Fall, das war auch an diesem Abend der Fall. RAISED FIST lieferten eine Lehrstunde in Sachen Hardcore-Show ab - und kommen hoffentlich wieder öfter Tour und zum WFF!

 

Thrash Metal-Legende aus Essen mit sieben Buchstaben, ganz klar KREATOR. Ohne lange nach zu denken weiß man, ein Besuch ist einfach Pflicht. Seit 30 Jahren sind sie nun schon dabei und haben viele große Hits hervorgebracht unter ihnen "Violent Revolution", "Phobia" und "Pleasure To Kill" (alle drei waren auch Teil der Setlist des Abends). Wer sie verpasst hat ist ganz klar selbst schuld. (ah)

 

Schön wäre ja, wenn Mille nach 30 Jahren mal neue Ansagen hätte. Selbst Rob Flynn (MACHINE HEAD) hat sich ein paar neue Sprüche draufpacken können... (lh)

 

HEAVEN SHALL BURN sind bereits seit einigen Jahren schon ganz oben und füllen immer wieder mit Leichtigkeit den Bereich vor der Bühne mit unzähligen Metalheads. So auch diesen Abend. Schon bei Zeiten machten sie eine wichtige Ankündigung, nämlich das es ihr einziges Deutschlandkonzert sei. Doch für alle die jetzt schlucken und Panik schieben: ganz ruhig! Es ist nicht für immer. HEAVEN SHALL BURN ziehen sich nun von der Bildfläche zurück um sich voll und ganz ihrem neuen Album zu widmen, damit es auch wieder ordentlich rein haut. Während des gesamten Show spielten sie fast nur alte Songs, die sie, so Marcus Bischoff, zukünftig nicht mehr spielen werden. Aber natürlich auch beliebte Songs die mittlerweile zum Must-Have in der Setlist gehören, wie z.B. "Endzeit".

Es war cool mal wieder ein paar ihrer alten Songs zu hören und die gewaltigen Circlepits zu beobachten und zu guter Letzt prasselte es Konfetti wie blöd daher und sowohl Flammen als auch Raketen stiegen in den Himmel auf, darauf verließen HEAVEN SHALL BURN unter tosendem Applaus die Bühne. (ah)

 

Setlist HEAVEN SHALL BURN:

Intro

Counterweight

Profane Believers

Land of the Upright Ones

The Omen

Combat

Hunters Will Be Hunted

Forlorn Skies

The Weapon They Fear

Godiva

Voice of the Voiceless

Black Tears

The Lie You Bleed For

Endzeit

Of No Avail

Behind a Wall of Silence

 

Nach den Mainacts bot der Samstag noch ein paar Schmankerl zum Abschluss in der Tentstage unter dem Namen "Saturday Night Fever". Eröffnung und für mich die einzige interessante Band waren die allzeit Spaßvögel, liebenswerten Vollpfosten und Zwerchfellberserker der meisten Band Deutschlands: KNORKATOR.

Während des Feuerwerk von HEAVEN SHALL BURN ausklang, stand Sänger Stumpen bereits amüsiert auf Bühne und riss ein paar Scherze. Als dann die letzte Rakete verklang, ging es endlich los und KNORKATOR "stampften" drauflos.

Lachend tobte die Crowd und dann machte Stumpen einen Abflug von einer der Boxen. Er fiel 1,5 Meter von der Box und stand au,f als wäre nix gewesen und machte auch so weiter, ganz klar ein Teufelskerl. Einfach immer wieder Klasse, herrlich anzusehen und in meinen Augen ein würdiger Abschluss des Tages! (ah)



Mehr Infos:Dr. Living Dead!
Texas In July
Deez Nuts
Eskimo Callboy
Nasty
Agnostic Front
Defeater
Raised Fist
Kreator
Heaven Shall Burn
Knorkator