Konzert:

Rockharz 2015 - Freitag & Samstag

Konzert vom 10.07.2015

Wir waren (wie eigentlich jedes Jahr) auf dem Rockharz 2015 in Ballenstedt, im schönen Harz. Das Festival in Kurzform? Stau. Metal. Wind. Dennoch sehr viel Spaß. (Teil 2)

Freitag – 10.07.2015

Freitag war für mich offen gestanden der musikalisch am wenigsten spannendste Tag, daher nutzen wir die freie Fläche mal für ein paar allgemeine Kommentare zum Festival.

Grundsätzlich hatte ich das Gefühl das (ab von der Anreise) das Rockharz 2015 besser organisiert war als 2014 – das mag nun subjektiv sein, allerdings schien der Security Dienst besser organisiert (da scheinbar ausgewechselt), es fanden mehr Infozettel und Nachfragen konnten immer recht zuverlässig und freundlich beantwortet werden (ja, sowas probiert man schon mal aus!). Den gleichen Eindruck hatte ich im bzw. am Graben, eben dort wie die Crowdsurfer ankommen: Die Security hat sich ordentlich um die anfliegenden Metalheads gekümmert, Stress konnte ich keinen beobachten und auch sonst lief alles sehr strukturiert ab. Sehr schön!

Gleiches positives Feedback (wieder) auch für die Spülklos, Dixies und Duschen: Alles war wirklich bemerkenswert sauber (insofern möglich), die Reinigungsintervalle waren sehr regelmäßig (was allerdings für Staus an den Duschen sorgte) und wild pinkelnde Leute gab es ebenfalls erstaunlich wenige. Nur als Disclaimer: Nicht, dass ich da prinzipiell etwas gegen hätte – es ist doch nur für Geruch und Auto-Lack angenehmer wenn man das möglichst eindämmt.

Leider negativ: Scheinbar wurde die Merch-Meile zu Gunsten der Fress-Meile eingekürzt, eine Tatsache die ich durchaus Schade finde, denn Burger und Pommes kann ich mir auch auf jeder Kirmes reinschaufeln, mal in Ruhe in Merch und Musik stöbern eher weniger. Außerdem gab es wiederholt keinen EC-Automaten, eine Tatsache die allerdings weniger der Orga als mehr der zu Verfügung stehenden Banken anzukreiden ist.

Musikalisch ging es um 18:45 mit einer Reise in die 70ger los – BLUES PILLS spielen! Die junge Formation hat es bekanntlich in kürzester Zeit in die Herzen vieler Fans von Retro Rock mit Blues Rock und Soul-Allüren geschafft. Frontfrau Elin Larsson hat es auch dieses mal wieder geschafft die Atmosphäre ihrer Platten (und hier darf man den Begriff ja auch mal guten Gewissens verwenden...) Live rüber zu bringen – und das gefiel der Menge auch. Es ist allerdings natürlich keine Moshpit-Musik die BLUES PILLS da zocken.

Etwas später (20:40) kam dann die Mittelalter-Truppe SCHANDMAUL auf die Bühne. Mit ihrem doch recht seichten, dafür aber sehr Party-tauglichem Folk heizte die musikalisch so bunt besetzte Truppe der Menge mit Songs wie „Des Teufels Weib“, „Die Letzte Tröte“ oder „Walpurgisnacht“ gehörig ein. So gehörig, dass die Menge bis weit auf den Platz hinaus steht und feiert – fast ein bisschen wie ein Mittelaltermarkt in groß. Und mit mehr Metalheads. Und mehr Stimmung.

Meinen Abschluss machten dann W.A.S.P. um (theoretisch) 22:50 bzw. praktisch 23:00 – auch eine Möglichkeit die Menge heiß zu machen. Wäre allerdings im Falle dieser doch so live-erprobten Band auch nicht nötig gewesen – mit „Wild Child“, „I Wanna Be Somebody“ oder der Zugabe „Blind In Texas“ und dazu passender Licht- und Feuershow haben W.A.S.P. meinen Freitag jedenfalls gut abgeschlossen.

 

Samstag – 11.07.2015

Der letzte Festival-Tag – und mal wieder ging alles so schnell!

Aber alles halb so wild, denn zunächst gibt es erst mal VARG um 16:15. Nun habe ich mit VARG ja folgendes Problem: Die Band gab teilweise in der Vergangenheit musikalisch wie inhaltlich eine gequirlte Scheiße von sich, dass es absolut nicht mehr feierlich war. Die meisten (jedenfalls jene, die länger als ein paar Jährchen dabei sind) werden wissen worum es geht.

Allerdings, Plottwist: Die Band hat mindestens drei geniale Alben gemacht, das Neuste übrigens sehr bewusst nicht mitgezählt – und sind Live einfach ein ziemlicher Abreißer. Und genau das haben sie auf dem Rockharz dann auch getan – eine Wall Of Death bei „Blutaar“, Cirlce Pit bei „Schwertzeit“, ohne Ende Moshpits und headbangende Fans und ein Abschluss wo „alle Mädels auf die Bühne“ gerufen wurden (unter Unterstützung der Securities!) und die männliche Festival-Bevölkerung dazu aufgerufen wurde, die T-Shirts auszuziehen und zu schwenken – schwer zu behaupten, dass da keine Stimmung aufkommt. Tu ich auch nicht, war dann schließlich doch ziemlich geil.

Darauf folgten dann um 17:05 ORDEN OGAN, eine Band bei der meine Einleitung fast umgekehrt ausfallen könnte – die Jungs aus dem Sauerland finde ich fürchterlich sympathisch und enttäuscht haben sie mich Live auch noch nie. Und das Rockharz 2015 war keine Ausnahme! Mit üblichem Outfit und einer breiten Setlist aus „Ravenhead“ bis „Vale“ wussten die Jungs mit ihrem starken Power Metal ihre Fans zu begeistern und ihre Nackenmuskeln zu strapazieren.

Im Anschluss zockten dann DIE APOKALYPTISCHEN REITER (17:55), eröffnet von Frontmann Fuchs in langem, militärischem Ledermantel, passend zur 2014er-Auskopplung „Tief.Tiefer“. Zwar ist meine persönliche Hochzeit der Band vor gut 9 Jahren mit „Riders On The Storm“ zu Ende gegangen, trotzdem wusste die Band wie man die semi-aufgeregte Menge bei Laune halten konnte. Spätestens als der Ledermantel dem roten Hemd wich. Ist dann wohl doch entspannter.

Mit etwas Pause kam dann um 22:50 bei absolutes Highlight des diesjährigen Rock Harz – DREAM THEATER! Die Progressive-Giganten aus Übersee hatten zwar auch nur gute 70 Minuten Spielzeit, füllten diese aber höchst erfolgreich mit Songs wie „Metropolis Pt. 1“, „Dance Of Eternity“, „The Spirit Carries On“, „Constant Motion“ oder „Behind The Veil“. Allerdings – die Eignung von DREAM THEATER als Festival-Band ist ja nun doch umstritten. Zwar war das Konzert genau das fulminante Prog-Feuerwerk welches man von DREAM THEATER erwartet  - Lightshows, nicht ein falsch gespielter Ton, Songs mit fast 10 Minuten , unfassbare Gitarren-, Drum-, Bass- und Keyboard-Stunts – schien aber nicht allen zu gefallen. Diejenigen jedoch, die Gefallen darin fanden, die konnten sich Petrucci und co. in herausragender Atmosphäre als idealen Festival-Abschluss anschauen.

Fazit: Wiederholt das Rockharz 2015 den Anreisestress war das mein letztes Mal in Ballenstedt – tut es jedoch das, was uns versprochen wurde und sorgt 2016 für einen erträglichen Anreise-Verkehr kann ich über das Rockharz 2015 praktisch nur das gleiche sagen die die Jahre zuvor auch: Es ist einfach ein unglaublich sympathisches, spaßiges Festival mit abwechslungsreichem, starken Billing, welches den idealen Spagat zwischen „Zu voll“ und „zu klein“ schafft – 2016 mit SAXON gerne wieder!



Mehr Infos:Blues Pills
Schandmaul
W.A.S.P.
Orden Ogan
Varg
Die Apokalyptischen Reiter
Dream Theater