REVIEW: The Interpretation Of Nightmares (Silvertomb)
BY Erik Bosbach
Sieben Jahre sind seit dem Debüt „Edge Of Existence“ vergangen. Nun melden sich SILVERTOMB mit ihrem zweiten Album „The Interpretation Of Nightmares“ zurück. Mit Kenny Hickey (Gesang, Gitarre) und Johnny Kelly (Schlagzeug) stehen bekanntlich zwei ehemalige Mitglieder von TYPE O NEGATIVE im Mittelpunkt und entsprechend hoch dürfte bei manchen die Erwartung sein, musikalisch an die legendäre Band anzuknüpfen.
Natürlich erkennt man die Handschrift der beiden Musiker wieder, aber eine direkte Fortsetzung von TYPE O NEGATIVE ist das hier keineswegs. SILVERTOMB bewegen sich vielmehr auf einem breiten Fundament aus Doom Metal, klassischem Heavy Rock und psychedelischen Einflüssen. Die rohe Schwere früher BLACK SABBATH trifft auf progressive und atmosphärische Elemente. PINK FLOYDS „The Wall“ und die psychedelische Färbung von T. REX werden von der Truppe als Inspirationsquellen herangezogen. Und das passt durchaus! Besonders gelungen ist die Gitarrenarbeit: Neben wuchtigen Riffs finden sich immer wieder ausladende, beinahe verspielte Passagen, die sich gerade gegen Ende einiger Songs wunderbar entfalten. Hier entstehen Klanglandschaften, die stellenweise tatsächlich an die sphärischen und progressiven Ausflüge von PINK FLOYD erinnern. Auch die Keyboards setzen passende Akzente und sorgen für zusätzliche Tiefe. SILVERTOMB verstehen es, ihren Songs Raum zu geben, statt sich ausschließlich auf schwere Riffs und düstere Atmosphäre zu verlassen.
Bereits der Opener „Brain Matter / No God“ macht deutlich, wohin die Reise geht. Ein mächtiges Doom-Pamphlet, das mit seiner Schwere und Intensität einen passenden Einstieg bildet. „Ascension“ führt mit Pulsschlag-Klang zum Track „Graves In The Sky“, der sich zu einem besonders eindringlichen Stück entwickelt. Dahinter steckt eine sehr persönliche Geschichte: Hickey verarbeitet hier seine Auseinandersetzung mit der Alkoholsucht und die Entscheidung, dem eigenen Absturz etwas entgegenzusetzen. Auch „You Know“ und „Prayer For The Paranoid“ führen die düstere musikalische Ausrichtung konsequent fort. „Distorted“ sorgt anschließend noch einmal für eine andere Dynamik; „No Way To Live“ ist etwas schneller angelegt und bildet einen willkommenen Gegenpol zu den überwiegend schleppenden Kompositionen. „When Will You Learn?“ setzt einen guten Schlusspunkt.
Die Texte auf „The Interpretation Of Nightmares“ sind alles andere als leichte Kost. Hickey verarbeitet darin schwierige Erfahrungen aus seinem Leben, darunter familiäre Ablehnung und die dunklen Momente seiner Suchterkrankung. „Brain Matter / No God“ basiert auf einem Albtraum während seines Entzugs.
Als Vorlage für das Coverdesign dient Johann Heinrich Füsslis Gemälde „Der Nachtmahr“ (1781), das eine albtraumhafte Szenerie zeigt. Damit fügt sich auch die visuelle Gestaltung stimmig in die persönliche und düstere Grundstimmung des Albums ein.
Mit „The Interpretation Of Nightmares“ gelingt SILVERTOMB ein überzeugendes zweites Album. Die Band muss sich nicht hinter der Vergangenheit ihrer Mitglieder verstecken und versucht auch gar nicht erst, den Geist von TYPE O NEGATIVE künstlich wiederzubeleben. Stattdessen gibt es eigenständigen, atmosphärisch dichten Doom Metal mit starken Gitarren, interessanten progressiven Ausflügen und einer ordentlichen Portion psychedelischer Klangfarben. Ein Album, das sich Zeit nimmt, seine Wirkung zu entfalten und dabei durchaus Lust auf weitere musikalische Lebenszeichen dieser Formation macht.
THE INTERPRETATION OF NIGHTMARES
| Band: | Silvertomb |
| Genre: | Doom Metal |
| Tracks: | 8 |
| Länge: | 32:53 |
| Medium: | CD |
| Label: | Napalm Records |
| Vertrieb: | season of mist |







