REVIEW: PRONG (Prong)

BY Karsten Goebel


Wenn eine Band wie PRONG ein neues Album auf einem renommierten Label wie Napalm Records veröffentlicht und dieses dann auch noch schlicht nach sich selbst benennt, darf man durchaus Großes erwarten. Schließlich haben Tommy Victor und seine Mitstreiter mit Klassikern wie „Beg To Differ“ oder „Cleansing“ längst bewiesen, zu welchen Großtaten sie fähig sind. Entsprechend hoch liegt die Messlatte. Leider können PRONG mit „Prong“ die großen Erwartungen nicht vollständig erfüllen. Herausgekommen ist ein gutes Album, das durchaus seine starken Momente besitzt, sich aber letztlich nicht entscheidend von der Masse abheben kann und schon gar nicht an die genannten Meilensteine heranreicht.

Dabei beginnt die Scheibe ausgesprochen vielversprechend. Mit „The Banner“ legen PRONG einen amtlichen Start hin und feuern dem Hörer einen aggressiven, thrashigen Brocken um die Ohren, der zunächst auf ein echtes Brett hoffen lässt. Gerade zu Beginn des Songs drängen sich Vergleiche mit SLAYER oder BIOHAZARD auf. Selten hat man PRONG derart bissig und angriffslustig erlebt. Die Riffs sägen ordentlich, die Energie stimmt und live dürfte dieser Song zu einer echten Offenbarung werden. Allerdings nimmt sich die Band durch den clean gesungenen Refrain selbst ein wenig den Wind aus den Segeln. Hier wäre mit einer konsequent durchgezogenen Aggressivität sicherlich noch mehr möglich gewesen. Trotzdem gehört „The Banner“ ganz klar zu den Gewinnern des Albums.

Leider können PRONG dieses Niveau nicht durchgehend halten. Immer wieder blitzen richtig gute Riffideen auf, die jedoch nicht konsequent genug ausgearbeitet wirken. Manche Songs wollen einfach nicht richtig zünden, obwohl die Zutaten eigentlich stimmen. „Fear The Sun“ ist dafür ein interessantes Beispiel. Während das musikalische Grundgerüst eher unspektakulär daherkommt und nicht unbedingt für Begeisterungsstürme sorgt, setzt sich ausgerechnet der Refrain hartnäckig im Gehörgang fest. Hier zeigt sich, dass PRONG durchaus noch ein Händchen für eingängige Momente besitzen, auch wenn der Song insgesamt nicht vollends überzeugen kann.

Das eigentliche Problem von „Prong“ liegt für mich allerdings woanders. Dem Album fehlt schlicht der berühmte rote Faden. Man hat den Eindruck, dass Tommy Victor und seine Mannschaft möglichst viele Facetten ihres musikalischen Schaffens unterbringen wollten, dabei aber ein wenig die klare Linie verloren haben. Groove spielt natürlich eine gewichtige Rolle, doch wenn Punk, Thrash, Hardcore und dezente Industrial Einflüsse munter miteinander vermischt werden, entsteht nicht zwangsläufig ein spannendes Gesamtwerk. Stattdessen wirkt „Prong“ stellenweise etwas zerfahren und uneinheitlich. Einzelne Songs funktionieren durchaus, aber über die gesamte Spielzeit will sich kein wirklicher Spannungsbogen aufbauen.

Am Sound liegt es jedenfalls nicht. Andy Sneap hat für ein glasklares, druckvolles Klangbild gesorgt, das den Songs die nötige Wucht verleiht. Die Gitarren kommen messerscharf aus den Boxen, der Groove drückt ordentlich und auch in Sachen Produktion gibt es wenig zu beanstanden. Handwerklich bewegen sich PRONG ohnehin auf einem Niveau, über das man nicht diskutieren muss. Umso bedauerlicher, dass die vorhandenen Qualitäten nicht konsequenter in starke Songs umgesetzt wurden. Unterm Strich bleibt „Prong“ eine ordentliche Scheibe mit einigen echten Glanzlichtern, die jedoch hinter den Möglichkeiten dieser Band zurückbleibt.



PRONG

Band: Prong
Genre: Crossover Thrash
Tracks: 13
Länge: 45:04
Medium: CD
Label: Napalm Records
Vertrieb: Napalm Records