REVIEW: Forbidden (FORBIDDEN )

BY Michael Berghammer


Im August letzten Jahres durfte ich die Reunion der Bay-Area-Thrash-Kapelle FORBIDDEN im heimischen Club live erleben (siehe hier). Damals zelebrierte die neu formierte Truppe das komplette Werk „Twisted Into Form“ und servierte uns als Appetizer bereits den Song „Divided By Zero“, eine der Speedgranaten auf der neuen Platte.

Nun war es endlich so weit: Das neue, selbst betitelte Album ist raus, und es war ein langer Weg bis dahin. Das letzte offizielle Lebenszeichen, „Omega Wave“, liegt nun schon wieder 16 Jahre zurück und wurde damals noch mit ihrem ikonischen Sänger Russ Anderson aufgenommen. Da sich der gute Russ, wie er selbst sagte, für immer aus dem Musikgeschäft zurückgezogen hat, galt es nun, diesen Platz wieder zu füllen. Die beiden Urgesteine, Gitarrist Craig Locicero und Bassist Matt Camacho, mussten sich allerdings nicht allein auf die Suche machen, denn Russ Anderson selbst schlug ihnen Norman Skinner als seinen Nachfolger vor. Live machte der Neue damals eine phantastische Figur und performte sehr nah am Original, ohne dabei seine eigene Identität zu vernachlässigen.
Auf „Forbidden“ gelingt Norman das ebenso, und schon der thrashige Auftakt „Single Point Failure“ lässt die guten alten Zeiten hochleben. Die Combo hat 2026 aber deutlich mehr zu bieten. Der schon in der Vergangenheit eingeschlagene Weg, progressive Elemente einzubauen, wurde nun verfeinert. Gleichwohl finden sich neben den teils sperrigen, zuweilen disharmonischen Elementen, die man schon aus der „Twisted“-Phase kennt, überraschende Melodiebögen, die die Kanten etwas abrunden. Mr. Skinner sorgt mit der Variabilität seines Organs obendrein dafür, dass die Songs ein deutlich höheres Maß an Eingängigkeit besitzen, ohne dabei an Kraft einzubüßen. Bei „Psyclops“ findet man sogar doomige Elemente, eingebettet in ein mitreißendes Riffbrett. „Jisei“ ist ein extrem ruhiger musikalischer Zwischenakt, wie man ihn unter anderem schon auf den letzten Veröffentlichungen von SOILWORK gehört hat. Er ist mehr oder weniger die perfekte Einleitung für den zweiten Teil der Platte, der zwar deutlich schleppender, dafür aber anspruchsvoller zu Werke geht.Am Ende der Scheibe erwartet uns dann eine Nummer, die man so von FORBIDDEN wahrscheinlich nicht erwartet hätte: „Flower Of Life (Chaos By Design)“ ist ein epischer Longtrack von über neun Minuten, in dem vor allem Norman Skinner alle Register seines Könnens zieht, bevor uns am Ende eine Geige sanft hinausgeleitet.

„Forbidden“ ist unter dem Strich ein abwechslungsreiches, spannendes Album, das den Powerlevel nicht durchweg hochhält. Dafür hat sich Daniel Mongrain (Gitarre) mit seiner VOIVOD-Vergangenheit hörbar stärker eingebracht. Müsste ich die Kalifornier jetzt in eine Schublade stecken, würde ich mir schwertun. Stilistisch würde ich sie allerdings dort verorten, wo auch NEVERMORE zu finden ist.






FORBIDDEN

Band: FORBIDDEN
Genre: Thrash Metal
Tracks: 11
Länge: 62:03
Medium: Digital
Label: ‎ Blkiiblk
Vertrieb: SPV