REVIEW: Upheaval (SOLILOQUIUM)
BY Meisenkaiser
Der Vorgänger „Famine“ hat die Geister geschieden: Zu viel Stilmix, zu viele Baustellen, hieß es hier und da. Aber mal ganz ehrlich – wo bliebe denn der Spaß, wenn sich ein Kopf wie Mastermind Stefan Nordström einfach in eine Schublade stecken und den Deckel zuknallen lassen würde? Eben. Auch auf „Upheaval“ gibt es keine kreativen Handschellen. Klar, wir sind im melodischen Death Doom unterwegs, aber Nordström dehnt und biegt die Genregrenzen mal eben nach Lust und Laune.
Musikalisch erwartet dich ein herrlicher Ritt durch die Kontraste: Da prallen tonnenschwere Doom-Death-Riffs und dunkles Growling auf garstige Black-Metal-Schlagseite, während im nächsten Moment zuckersüße Melodien aufflammen, die man fast schon bei Enslavement of Beauty verortet. Und als Krönung gibt es waschechte Shoegaze-Momente wie im abschließenden „Centralia“. Und it "Contrarians" einen richtigen "Hit" für die Soft-Doom-Deather. "Das klingt nach wildem Chaos? Ist es aber nicht! Die wechselnden Klanglandschaften – mal bleischwer, mal federweich – werden zielsicher von einer dichten Atmosphäre und einer unverkennbaren musikalischen Sprache zusammengehalten.
Inhaltlich geht es gewohnt ans Eingemachte: Die Texte wühlen in modernen Alltagskämpfen, existentiellen Fragen und tiefgründigen Themen, mal ganz persönlich, mal universell. Verlust und Konflikte sind zwar ständige Begleiter, aber das Album versprüht – wie schon der Vorgänger – am Ende eine wohltuende Dosis Hoffnung und Entschlossenheit. „Upheaval“ ist im Grunde eine offene Erzählung übers Außenseitertum: Wie fühlt es sich an, in einer Welt und einer Rolle festzustecken, nach der man absolut nie gefragt hat? Nordström stellt dabei die Frage aller Fragen: Gibt es 2026 eigentlich noch genug Lachen und Verbundenheit, damit das Ganze hier einen Sinn ergibt? Die Antwort verpackt er in tiefgreifende, melancholische Doom-Klänge und lässt so seinen ganz eigenen Fiebertraum der Hoffnung wahr werden.
Damit er diesen Trip nicht im schweißnassen Alleingang durchstehen muss, hat er sich schlagkräftige Unterstützung ins Studio geholt: Toni Hatakka veredelt direkt den mächtig ohrwurmigen Opener „Tightrope“ mit seinen Vocals, diverse Kollegen kümmern sich um stimmungsvollen Chor- und Begleitgesang, und Vittorio Sabelli sorgt bei „Family Ties“ für schicke Klarinettenklänge.
Also: Der Stilmix ist geblieben, aber er greift nahtloser als je zuvor. „Upheaval“ ist spannend, abwechslungsreich und unterm Strich ein ganzes Stück ganzheitlicher und runder als der Vorgänger.
UPHEAVAL
| Band: | SOLILOQUIUM |
| Genre: | Doom Death |
| Tracks: | 7 |
| Länge: | 43:48 |
| Medium: | BluRay |
| Label: | Meuse Music Records |
| Vertrieb: | www.m9music.eu |








