REVIEW: VOID. (Mastic Scum)

GEHEIMTIPP

BY Karsten Goebel


Das österreichische Metalurgestein MASTIC SCUM zeigt sich auf seinem mittlerweile siebten Album „Void“ in absoluter Bestform. Zwar sind die Wurzeln der Band nach wie vor tief im Death Metal verankert, doch diese Genrebezeichnung allein würde dem Sound der Österreicher nicht gerecht werden. Denn MASTIC SCUM garnieren ihren brachialen Death Metal mit einer ordentlichen Portion Industrial und da muss zwangsläufig der Name FEAR FACTORY fallen. Wer sich zerstörerische Nummern wie „Arise // Erase“ oder „Aftermath“ anhört, wird schnell verstehen, was ich meine.

Die Riffs sind tonnenschwer, sägen sich gnadenlos durch die Gehörgänge und laden geradezu zum hemmungslosen Bangen ein. Dabei verbreiten die Songs eine kalte, bedrohliche und irgendwie beängstigende Atmosphäre, die perfekt zum Gesamtkonzept von „Void“ passt. Unterstützt wird dieses düstere Klangbild durch einen glasklaren, druckvollen Sound, der in den Wiener Grindlab Studios gezaubert wurde. Hier sitzt jeder Schlag, jeder Gitarrenhieb und jede noch so kleine elektronische Spielerei genau dort, wo sie hingehört. Die elf Songs werden immer wieder von Sprachsamples durchzogen, die sich hervorragend in die morbide Atmosphäre einfügen und dem Material eine zusätzliche, beinahe apokalyptische Note verleihen. Für die Aufnahmen haben sich MASTIC SCUM zudem Unterstützung von Sebastian Grihm (CYTOTOXIN), Andy Dude (THROWBACK) und Mike Kronstorfer (BEFORE THE FALL) ins Studio geholt. Wirklich ins Gewicht fallen diese Gastbeiträge allerdings nicht, denn Frontmann Maggo hat die Vocals ohnehin fest im Griff und verleiht den Songs mit seinem aggressiven Organ die nötige Durchschlagskraft.

Was mich an „Void“ allerdings besonders begeistert, ist dieser geradezu wahnsinnige Groove, mit dem MASTIC SCUM ihre musikalischen Attacken versehen. Hier wird nicht einfach nur stumpf drauflosgeprügelt. Vielmehr verstehen es die Österreicher hervorragend, ihre brutale Härte mit einer mitreißenden Rhythmik zu verbinden, die stellenweise wie ein gezielter Tritt in die Magengrube wirkt. Da bleibt der Nacken garantiert nicht lange still. Trotz aller technischen Raffinessen und Industrialspielereien wirken MASTIC SCUM dabei zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt oder künstlich. Alles greift perfekt ineinander und ergibt einen ebenso brutalen wie faszinierenden Klangkosmos. Die Verbindung aus kompromisslosem Death Metal, maschineller Kälte und morbiden Industrialelementen funktioniert auf „Void“ jedenfalls ausgezeichnet. Und ich muss sagen, dass mir dieser ziemlich giftige Cocktail verdammt gut schmeckt. MASTIC SCUM haben ihren ganz eigenen Weg gefunden, moderne Elemente in ihren Sound einzubauen, ohne dabei ihre musikalischen Wurzeln zu verleugnen.

Mit „Void“ ist den Österreichern ein echter Knaller gelungen, der nicht nur auf Konserve mächtig Eindruck hinterlässt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses Material auch live eine enorme Wucht entfalten dürfte. Sollte die Band diese Energie auf die Bühne transportieren können, haben wir hier einen heißen Kandidaten, der spätestens 2027 auf den Festivalbühnen richtig durchstarten könnte. Denn dieser Sound schreit förmlich nach größeren Bühnen. Ich stelle mir MASTIC SCUM schon jetzt bei einsetzender Dämmerung vor, wenn sich die ersten Schatten über das Festivalgelände legen und diese kalte, maschinelle Klanggewalt aus den Boxen donnert.





VOID.

Band: Mastic Scum
Genre: Death Metal
Tracks: 11
Länge: 38:58
Medium: CD
Label: MDD Records
Vertrieb: Alive