REVIEW: Tranquilo II (IN EXTREMO)
TIPP
Sechzehn Jahre nach „Tranquilo“, dem ersten Akustikalbum, legen IN EXTREMO an der Akustikfront noch einmal nach: „Tranquilo II“ heißt das neue Werk folgerichtig und beinhaltet 17 Tracks in neuem Gewand, einer davon brandneu. In der Deluxe-Version gibt es obendrein noch eine Bonus-EP mit drei weiteren Songs. Auch zahlreiche Gastmusiker sind mit am Start, so beispielsweise Oliver „SaTyr“ Pade, Laura Fella und Niel Mitra von FAUN, DORO PESCH und Jan „Monchi“ Gorkow von FEINE SAHNE FISCHFILET.
Das Ziel bei „Tranquilo II“ war es explizit nicht, bekannte Songs einfach „nur“ in ruhigerem, akustischem Gewand zu präsentieren, sondern auch, diese in teilweise unerwarteten Arrangements zu hüllen und mit neuen musikalischen Einflüssen zu versehen. Das ist in manchen Fällen deutlich augenfälliger geworden als in anderen: „Spielmannsfluch“ beispielsweise klingt auf einmal nach Ska, während „Nur Ihr Allein“ plötzlich ziemlich jazzig daherkommt und „Quid Pro Quo“ auf einmal eine Reggae-Nummer ist. Da muss man sich erst mal dran gewöhnen, aber dem Mut zum Experiment Respekt zollen muss man auf jeden Fall. Es sind aber auch nicht alle Tracks derart „verfremdet“ worden: „Störtebeker“ kommt im Kern relativ unverändert daher, auch „Sternhagelvoll“ und „Weckt Die Toten“ haben ihren etablierten Charakter behalten. Bei einigen wurde die bereits vorherrschende Stimmung durch das neue Arrangement noch weiter verstärkt, so beispielsweise bei dem vermutlich grundsätzlich in jeder Version wunderbaren „Liam“, das sich nun als wehmütiges Duett mit Laura Fella (FAUN) präsentiert, dem in akustischem Gewand noch schwermütiger daher kommendem „Gaukler“ oder dem wirklich beeindruckend geratenen, thematisch passend als choral-artiges A-capella-Stück arrangierten „Ave Maria“. Auch bei „Feine Seele“ als Duett mit DORO PESCH wird der melancholische Charakter hervorgehoben. Der neue Track „Heute Wird Der Himmel Brennen“ klingt schon im akustischen Gewand nach einem typischen IN EXTREMO-SONG, der schnell ins Ohr geht und sicherlich auch in der Rockversion und live gut ankommt. Warum es allerdings auf der Bonus-EP nochmal einer extralangen Version von „Sternhagelvoll“ bedurfte, wo das immens beliebte Sauflied doch ohnehin schon (und nur unwesentlich kürzer) auf der regulären Album-Ausgabe zu finden ist, erschließt sich nicht.
Fazit: IN EXTREMO beweisen mit „Tranquilo II“ sowohl Mut als auch Experimentierfreude. Vermutlich wird nicht jedes Experiment bei jedem Hörer auf Begeisterung stoßen, aber das Album ist zweifelsfrei ein mit Herzblut und viel Liebe zum Detail gemachtes Projekt, das vielen Songs interessante neue Seiten abgewinnt und einen spannenden Streifzug durch das Schaffen der Band bietet.
TRANQUILO II
| Band: | IN EXTREMO |
| Genre: | Folk Metal |
| Tracks: | 17+3 |
| Länge: | 69:43 |
| Medium: | 2-CD |
| Label: | Vertigo Berlin |
| Vertrieb: | Universal |








