REVIEW: EVIL BLACK CHURCH (Estertor)

GEHEIMTIPP

BY Karsten Goebel


Das ist böse! Das ist sogar richtig böse! Was ESTERTOR auf „Evil Black Church“ veranstalten, ist finsterer Metal der allerfeinsten Sorte. Die Spanier spielen gekonnt mit der Magie alter Horrorklassiker und erschaffen eine derart bedrohliche Atmosphäre, dass selbst hartgesottene Genrefans eine Gänsehaut bekommen dürften. Dabei ist der schwarze Mix aus Black, Death und Thrash Metal schon für sich genommen eine ziemlich finstere Angelegenheit. Doch was Sänger Edu hier am Mikrofon veranstaltet, hebt das Ganze auf eine völlig andere Stufe. Hier wird nicht einfach nur gegrowlt oder gescreamt, wie es heutzutage an jeder zweiten Ecke zu hören ist. Nein, hier wird gelitten, gefaucht, gekeift und mit einer derart heiseren, dämonischen Stimme gearbeitet, dass einem unweigerlich die Nackenhaare zu Berge stehen. Das ist Old School in seiner ursprünglichsten und bösartigsten Form!

VENOM und ganz alte SODOM lassen grüßen und werden gemeinsam mit einer ordentlichen Portion musikalischen Wahnsinns in eine teuflische Ursuppe geworfen, die einem eiskalte Schauer über den Rücken jagt. Allein die Gesangsleistung im Titelsong „Evil Black Church“ ist schlichtweg oscarverdächtig. Ich habe wirklich selten etwas derart Böses gehört. Edu klingt, als hätte man ihn geradewegs aus einem alten Horrorfilm in ein Tonstudio gezerrt. Großartig! Doch nicht nur musikalisch haben ESTERTOR sämtliche Regler auf 666 gedreht. Auch die Produktion passt wie die Faust aufs blutverschmierte Auge. Hier klingt nichts klinisch sauber, glattgebügelt oder künstlich auf Hochglanz poliert. Stattdessen regieren Dreck, Finsternis und eine herrlich bedrohliche Atmosphäre. Trotzdem besitzt das Album genau die nötige Wucht und Transparenz, um seine zerstörerische Wirkung voll zu entfalten. Auch in Sachen Sound haben die Spanier somit ein maximal böses Ergebnis abgeliefert.

Umso ärgerlicher, dass ESTERTOR bislang komplett an mir vorbeigegangen sind. Drei Scheiben haben die Spanier bereits veröffentlicht, und ausgerechnet jetzt stolpere ich über diese finstere Truppe. Da gibt es offensichtlich einiges nachzuholen! Für mich ist „Evil Black Church“ ein absoluter Geheimtipp und eine musikalische Pflichtveranstaltung für alle, die ihren extremen Metal gerne roh, finster und kompromisslos mögen. Eigentlich sollte dieses Album jeder angehenden Death oder Black Metal Band als Hausaufgabe verordnet werden, bevor die Musiker auch nur einen Fuß in ihren ersten Proberaum setzen.





EVIL BLACK CHURCH

Band: Estertor
Genre: Black Thrash
Tracks: 8
Länge: 37:09
Medium: CD
Label: Black Lions Records
Vertrieb: Sound Pollution Distribiution