REVIEW: Simulacron (Shakhtyor)

TIPP

BY Meisenkaiser


Seit 2009 groove-lärmen SHAKHTYOR in Hamburg – mit instrumentalem Doom, Sludge, Post Rock und Seitensprüngen zu Black und Death Metal. Die psychotischen Mützenträger machen auch vor Samples wie vom geisteskranken Frank Stiller nicht halt und geben dem eröffnenden Titelsong so eine besonders irre Note. Eine Note, die sie im Folgenden durch Psycho-Keys und horrorfilmeske Einspieler („Das Sechste Siegel“) nur noch weiter verstärken.

Motto: Pink Floyd meets Esoteric meets Bolt Thrower meets Totenmond meets was-weiß-ich.

Dennoch wirken SHAKHTYOR immer kontrolliert. So als wüssten sie ganz genau, dass sie in der Zwangsjacke stecken, die ihnen diese Welt angezogen hat – und dass sie nur überleben, indem sie genau diese Art von Musik machen. Rationale Verrückte! Bei aller Abgedrehtheit hat „Simulacron“ eine ganz besondere Stärke: Das ist die stets wiederkehrende Monotonie wie in „Wolfmannsgehau“, die in einem unsagbar mächtigen Groove endet. Ihr wisst schon: dieser Groove, der dich derart mitnimmt, dass du regelrecht sauer bist, wenn ein Lied zu Ende ist. Und dann besitzen SHAKHTYOR die Fähigkeit, dich mit ihren dicken Rhythmuswänden auf den Boden zu legen, um danach mit überraschenden Ausbrüchen aus extremen Metal-Bereichen auf dir herumzutreten. Aber du bittest sie nicht aufzuhören – du winselst um eine Zugabe. Es ist nicht schlimm, dass SHAKHTYOR keinen Gesang und somit keine Texte haben - sieht man mal vom "Geschrei" beim Rausschmeißer "Electric H" ab. Nur wäre es spannend zu hören, was sie zu sagen hätten – dann passte der Vergleich mit Totenmond vielleicht noch besser. Aber auch so sind die Nordlichter den leider inaktiven Baden-Württembergern bereits gewaltig auf der Spur.

Krass. Unorthodox. Autonom. Überwältigend. SHAKHTYOR!



SIMULACRON

Band: Shakhtyor
Genre: Doom Metal
Tracks: 5
Länge: 44:36
Medium: CD
Label: Moment of Collapse Records
Vertrieb: Broken Silence