REVIEW: The Synthetic Path (Fracturus)

BY Erik Bosbach


Digitaler Wahnsinn trifft auf technische Abrissbirne!

Mit „The Synthetic Path“ legen die Kanadier von FRACTURUS ihr zweites Album vor und liefern ein ebenso kompromissloses wie vielseitiges Brett zwischen Technical Death Metal, Djent, Math Metal und elektronischen Klangexperimenten. Inhaltlich dreht sich alles um die digitale Transformation der Menschheit, um technologische Parasiten, die sich in unseren Köpfen einnisten, und um eine Zukunft, in der Maschinen zunehmend die Kontrolle übernehmen. Also wenn z.B. ChatGPT Bundeskanzler wird? Das passt gut zu einer Musik, die sich ebenfalls irgendwo zwischen menschlicher Raserei und maschineller Präzision bewegt.

Der Einstieg mit dem Titeltrack „The Synthetic Path“ zeigt elektronische Klangflächen und wuchtige Synthesizer, bevor sich langsam ein massives Riff in den Vordergrund schiebt und sich zu einem djentlastigen Monster mit ordentlich Death Metal im Tank entwickelt. Die Riffs stampfen, die Rhythmen verschieben sich, und technische Finesse trifft auf eine beinahe industrielle Kälte. Es regiert ein dichtes, aggressives Klanggewitter, das den Hörer direkt in die digitale Dystopie katapultiert. „Obsolescence“ hat blastbeatgetriebene Passagen, und scharfe Gitarren treffen auf kurze, jazzig anmutende Ausflüge. Gerade die abrupten Wechsel zwischen brachialer Gewalt und überraschenden rhythmischen Wendungen machen den Reiz dieser Platte aus. Mit „The Created Divine“ öffnen FRACTURUS die Tür zu einer dunkleren, melodischeren Seite ihres Sounds. Die Riffs erinnern stellenweise an die rhythmische Präzision von MESHUGGAH, während sich plötzlich finstere Melodien und atmosphärische Synthesizer in das Klangbild schieben. Auch der Gesang erweitert das Spektrum: Zwischen tiefen Death-Growls und rau-aggressiven Shouts entsteht eine Dynamik. Zu „Panoptic Lividity“ wuchern Djent-Riffs und Verschachtelungen, sowie ausladende Gitarrenläufe und melancholische Stimmungen. Mit „Parasitic Mind Collapse“ beweisen die Kanadier, dass technische Raffinesse mit etwas Gefrickel und ein gewisses Maß an Eingängigkeit keineswegs Gegensätze sein müssen. „Roko’s Basilisk“ schlägt anschließend die Brücke zum klassischen Death Metal und hat mehr Direktheit intus. Zum energiereichen „Alpha Machine Directive“ blitzen neben dem charakteristischen Djent-Fundament Thrash Metal-Einflüsse auf und die aggressiven Vocals verleihen dem Song eine zusätzliche Portion Cyanid. „Grace to Man“ heißt der Abschlusstrack und beeindruckt durch fette Drums und technische Finesse

Mit „The Synthetic Path“ gelingt FRACTURUS ein ausgesprochen starkes zweites Album, und die Zutaten greifen gut ineinander.

Die Band bleibt dabei konsequent angenehm aggressiv und verzichtet weitgehend auf offensichtliche Zugeständnisse an den Massengeschmack. Wer Freude an komplexen Arrangements, ungewöhnlichen Klangfarben und kompromissloser Härte hat, bekommt reichlich Futter.

 





THE SYNTHETIC PATH

Band: Fracturus
Genre: Death Metal
Tracks: 8
Länge: 30:21
Medium: CD
Label: self
Vertrieb: self (eigener onlineshop)