REVIEW: Accident Of Birth (2026 Remix) (Bruce Dickinson)

TIPP

BY Karsten Goebel


Auch wenn IRON MAIDEN weiterhin die größten Hallen und Stadien dieser Welt füllen, scheint Frontmann BRUCE DICKINSON noch immer nicht ausgelastet zu sein. Der umtriebige Sänger hält konsequent an seiner Solokarriere fest und hat erst 2024 mit „The Mandrake Project“ ein weiteres beeindruckendes Meisterwerk veröffentlicht. Für 2027 steht bereits der nächste Longplayer in Aussicht, der laut DICKINSON „verdammt heavy und extrem hart“ ausfallen soll. Man darf gespannt sein!

Bis dahin widmet sich BRUCE DICKINSON weiterhin seiner musikalischen Vergangenheit und lässt seine Frühwerke in neuem klanglichen Glanz erstrahlen. Mit „Accident Of Birth“ hat der Brite 1997 schließlich ein echtes Jahrhundertalbum geschaffen, das auch knapp drei Jahrzehnte später nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Der Remix aus dem Jahr 2026 liefert nun einen weiteren guten Grund, dieses außergewöhnliche Stück Heavy Metal Geschichte erneut zu entdecken. Schon damals fiel auf, dass BRUCE DICKINSON auf „Accident Of Birth“ deutlich härtere Geschütze auffuhr, als man es von seinen vorherigen Soloalben gewohnt war. Dass dabei auch sein IRON MAIDEN Buddy Adrian Smith die Finger im Spiel hatte, ist sicherlich kein Zufall. Zusammen mit DICKINSONs mächtigem Organ entstand eine musikalische Allzweckwaffe, die bis heute ihresgleichen sucht. Zwölf Songs bietet das Album, und nahezu jeder davon ist ein kleines Meisterwerk für sich.

Natürlich wird so mancher eingefleischte IRON MAIDEN Fan behaupten, dass BRUCE DICKINSON nur im Verbund mit den Eisernen Jungfrauen zur absoluten Höchstform auflaufen kann. „Accident Of Birth“ straft diese These allerdings eindrucksvoll Lügen. Mit Granaten wie „Starchildren“, „Road To Hell“ oder „Omega“ fährt der Sänger ganz schwere Geschütze auf und beweist, dass erstklassiger Heavy Metal auch abseits seiner Stammband funktionieren kann. Hier treffen mächtige Riffs auf großartige Melodien, packende Arrangements und einen Sänger, der sich in absoluter Bestform präsentiert. Dabei müssen es keineswegs immer die ganz harten Klänge sein. Gerade ein vielschichtiger Song wie „Omega“ oder das schlichtweg geniale „Man Of Sorrows“ zeigen, welche kompositorische Klasse in diesem Album steckt. Hier wird nicht einfach nur sinnfrei "gerifft" sondern mit Stimmungen, Dynamik und Emotionen gearbeitet. Die ruhigeren Passagen entfalten eine enorme Intensität, ohne dabei in irgendwelche kitschigen Klischees abzudriften. Genau diese Mischung aus Härte, Atmosphäre und musikalischem Anspruch macht „Accident Of Birth“ zu einem derart zeitlosen Werk.

Doch was bringt nun der Remix von 2026? Eine ganze Menge, denn Brendan Duffey hat die zwölf Songs klanglich in ein modernes Gewand gekleidet, ohne dabei den ursprünglichen Charakter des Albums zu beschädigen. Der Sound wirkt druckvoller, transparenter und insgesamt deutlich zeitgemäßer, bleibt aber jederzeit angenehm organisch. Nichts klingt künstlich aufgeblasen oder auf Hochglanz poliert. Vielmehr bekommen die ohnehin schon fantastischen Kompositionen genau den Raum, den sie verdienen. Besonders erfreulich ist, dass die ursprüngliche Atmosphäre vollständig erhalten bleibt. Veröffentlicht wird die Neuauflage sowohl in Stereo als auch in Dolby Atmos. Auch BRUCE DICKINSON selbst zeigt sich von der Arbeit des Produzenten begeistert und bezeichnet die neuen Mixe als fantastisch. Gleichzeitig betont er, welch enorme Bedeutung „Accident Of Birth“ für seine Karriere besitzt und dass sich darauf einige seiner besten Songs befinden. Dem kann man eigentlich nur zustimmen.

Unterm Strich bleibt „Accident Of Birth“ ein Meisterwerk, das auch nach fast 30 Jahren nichts von seiner Wucht und Klasse verloren hat. Der Remix von 2026 ist dabei weit mehr als nur eine kosmetische Frischzellenkur. Er bringt die zeitlosen Songs klanglich auf den neuesten Stand, ohne ihnen die Seele zu rauben. Wer dieses Album bislang nicht kennt, hat definitiv etwas nachzuholen. Und wer das Original bereits seit Jahrzehnten im Regal stehen hat, bekommt nun einen verdammt guten Grund, sich erneut von diesem musikalischen Schwergewicht überrollen zu lassen. Ganz großes Heavy Metal Kino!

Tracklist:

01. Freak
02. Toltec 7 Arrival
03. Starchildren
04. Taking The Queen
05. Darkside Of Aquarius
06. Road To Hell
07. Man Of Sorrows
08. Accident Of Birth
09. The Magician
10. Welcome To The Pit
11. Omega
12. Arc Of Space




ACCIDENT OF BIRTH (2026 REMIX)

Band: Bruce Dickinson
Genre: Heavy Metal
Tracks: 12
Länge: 48:52
Medium: CD
Label: BMG
Vertrieb: BMG