REVIEW: Netherworlds (Insomnium)
TIPPINSOMNIUM stehen seit vielen Jahren für Qualität und auch mit ihrem mittlerweile zehnten Studioalbum „Netherworlds“ enttäuschen die Finnen ihre Fans nicht. Ganz im Gegenteil! Einmal mehr beweist die Band, dass sie zu den absoluten Größen des melodischen Death Metal gehört und es wie kaum eine andere Formation versteht, melancholische Melodien, große Gefühle und die nötige Portion Härte miteinander zu verbinden.
Mit „The Cold Song“ beginnt eine musikalische Achterbahnfahrt, die zwischen melancholischen Klängen, kraftvollen Passagen und beinahe schon mitsingbaren Momenten wechselt. Dabei darf durchaus auch der Name AMORPHIS fallen, denn gerade bei einigen Refrains scheinen sich INSOMNIUM ein wenig bei ihren finnischen Brüdern im Geiste bedient zu haben. Das ist keineswegs negativ gemeint, denn diese Einflüsse werten das ohnehin starke Songmaterial sogar noch weiter auf. Nach dem eher als Einstieg gedachten „The Cold Song“ wird es mit „Shadowlife“ gleich richtig großartig. Hier hauen die Finnen einen echten Hit raus, der mit seinen wunderbaren Melodien und seinem eingängigen Refrain geradezu danach schreit, auch live abgefeiert zu werden. Apropos live: Passenderweise gehen INSOMNIUM im kommenden Jahr gemeinsam mit AMORPHIS auf große Tour und werden dabei natürlich auch deutsche Hallen besuchen. Ich werde jedenfalls versuchen, bei einem dieser Konzerte dabei zu sein, und anschließend hoffentlich über einen gelungenen Abend berichten können.
Doch zurück zu „Netherworlds“. Das Album lebt von seinen Gegensätzen. Wunderschöne Melodien treffen auf aggressive Death Metal Passagen, tiefe Melancholie auf beinahe schon hoffnungsvolle Momente und ruhige Abschnitte auf mächtige Gitarrenwände. Ein Wechselbad der Gefühle, das einfach Spaß macht und den Hörer immer wieder aufs Neue mitnimmt. Dabei schaffen es INSOMNIUM, jedem der zehn Songs einen eigenen Charakter zu verleihen, ohne dabei den roten Faden zu verlieren. Natürlich erfinden sich die Finnen auf „Netherworlds“ nicht neu. Aber mal ehrlich, wer will das schon? INSOMNIUM haben ihren Stil längst gefunden und wissen ganz genau, wo ihre Stärken liegen. Warum also irgendwelchen Trends hinterherlaufen oder auf Teufel komm raus etwas verändern? Zumal die hervorragende Produktion von „Netherworlds“ dafür sorgt, dass sowohl die brachialen als auch die gefühlvollen Momente bestens zur Geltung kommen. Mein persönlicher Favorit ist allerdings „The Banished“. Was für eine Nummer! Ein wunderschönes akustisches Intro eröffnet den Song, bevor sich daraus ein bärenstarkes Death Metal Inferno entwickelt, bei dem auch mal ordentlich das Gaspedal durchgetreten wird. Hier zeigen INSOMNIUM eindrucksvoll, dass sie bei aller Liebe zu großen Melodien und melancholischen Klanglandschaften noch immer eine ehrliche und verdammt starke Death Metal Band sind. Natürlich wird auch dieser Song mit cleanem Gesang und herrlichen Melodiebögen verfeinert, doch gerade der Wechsel zwischen Härte und Gefühl macht ihn für mich zu einem der absoluten Höhepunkte des Albums. An solchen Songs erkennt man auch, dass sich INSOMNIUM niemandem anbiedern müssen. Die Band weiß längst, was sie kann und womit sie ihre Fans begeistert. Und vermutlich liegt genau darin auch das Geheimnis ihres Erfolgs. Die Finnen verbiegen sich nicht, sondern bleiben ihrem eingeschlagenen Weg treu, ohne dabei auf der Stelle zu treten.
Einen besonders gelungenen Schlusspunkt setzt schließlich „Journey's End“. Eine waschechte Ballade, die noch einmal sämtliche emotionalen Register zieht und den Hörer mit einer ordentlichen Portion Melancholie zurücklässt. Nach all den harten Riffs, den großen Refrains und den musikalischen Gefühlsausbrüchen ist dieser ruhige Abschluss genau die richtige Entscheidung. Damit schließt sich auch der Kreis zum atmosphärischen Beginn des Albums. Besser hätte man „Netherworlds“ kaum ausklingen lassen können.
NETHERWORLDS
| Band: | Insomnium |
| Genre: | Death Metal |
| Tracks: | 10 |
| Länge: | 54:00 |
| Medium: | CD |
| Label: | Century Media Records |
| Vertrieb: | Sony Music |








