REVIEW: After Chaos: Nocturnal Vigil (Runemagick)

BY Karsten Goebel


RUNEMAGICK gehören zu diesen Bands, bei denen man schon nach wenigen Minuten merkt, dass hier niemand auf schnelle Wirkung oder leicht verdauliche Kost aus ist. Auf „After Chaos: Nocturnal Vigil“ zelebrieren die Schweden ihren Death Doom Metal in ausufernder, finsterer und dennoch erstaunlich abwechslungsreicher Form. 

Die Fäden zieht dabei vor allem Nicklas Rudolfsson, der unter anderem auch bei SACRAMENTUM aktiv ist. Und man merkt dem Album sehr deutlich an, dass hier jemand mit großer Leidenschaft und einem klaren Gespür für düstere Atmosphäre arbeitet. Mit einer Spielzeit von rund 80 Minuten ist „After Chaos: Nocturnal Vigil“ alles andere als ein kurzer Happen. Umso wichtiger ist es, dass bei dieser Länge keine Langeweile aufkommt. Genau das gelingt RUNEMAGICK erstaunlich gut. Die Songs sind lang, teilweise sogar sehr lang, bleiben aber trotzdem spannend. Gerade bei Doom Death ist das alles andere als selbstverständlich.

Ein gutes Beispiel dafür ist „After Chaos“. Der Beginn erinnert stellenweise deutlich und ausgesprochen positiv an BATHORY. Im weiteren Verlauf verändert sich der Song mehrfach und gerade hier treten auch Einflüsse von AUTOPSY hervor. Vor allem einige dieser schweren und wunderbar dreckigen Riffs lassen daran denken, ohne dass RUNEMAGICK deshalb zur bloßen Kopie werden. Besonders stark ist, dass die langen Songs nie einfach nur auf der Stelle treten. Es passiert ständig etwas. Neue Riffs tauchen auf, das Tempo verändert sich, Stimmungen verschieben sich und trotzdem bleibt die düstere Grundatmosphäre jederzeit erhalten. Jeder Song besitzt unterschiedliche Facetten und offenbart mit jedem weiteren Durchlauf neue Details. Natürlich könnte man etwas boshaft behaupten, dass hier einfach möglichst viele Riffs hintereinandergehängt wurden, um besonders lange Songs zu erschaffen. Das sehe ich allerdings nicht so. Dafür ist der rote Faden innerhalb der Stücke viel zu deutlich vorhanden. Trotz aller Wendungen wirken die Songs geschlossen und durchdacht. Einen wirklichen Bruch in der Atmosphäre gibt es praktisch nie. Man merkt „After Chaos: Nocturnal Vigil“ zudem an, dass Nicklas Rudolfsson hier mit ganzem Herzen bei der Sache ist. Nichts wirkt beliebig oder künstlich in die Länge gezogen. Stattdessen entsteht diese angenehm schwere, dunkle und leicht modrige Atmosphäre, die guten Doom Death auszeichnet.

Für mich ist „After Chaos: Nocturnal Vigil“ deshalb ein echtes Highlight im Doom Death Bereich. Das Album packt mich, wächst mit jedem Durchlauf und offenbart immer wieder neue Nuancen. Gerade angesichts der rund 80 Minuten Spielzeit ist das bemerkenswert. Genau so dürfen überlange Songs funktionieren. Schwer, düster, abwechslungsreich und voller Atmosphäre.






AFTER CHAOS: NOCTURNAL VIGIL

Band: Runemagick
Genre: Doom Death
Tracks: 8
Länge: 86:08
Medium: CD
Label: Hammerheart Records
Vertrieb: SPV