REVIEW: Come This Madness
TIPPWer EUROPE noch immer im Land des seichten Pop/Rocks der Marke "The Final Countdown" wähnt, hat wahrscheinlich die letzten 25 Jahre in einer äußerst abgeschiedenen, sehr stillen Höhle in der Hohen Tatra verbracht. Seit ihrer Reunion im Jahr 2003 haben die Schweden ausschließlich exzellente, erdige und völlig unprätentiöse Hard Rock-Scheiben veröffentlicht. Dabei waren die ersten noch von eher zeitgemäßer Musik geprägt, mit "Bag Of Bones" aus dem Jahr 2012 hat man sich allerdings mehr dem Classic Rock zugewandt und lässt der Liebe zu den großen Vorbildern der Siebziger- und Achtzigerjahre freien Lauf. Da hört man DEEP PURPLE heraus, genau so wie RAINBOW oder auch GARY MOORE. Das neue Album "Come This Madness" setzt diese Linie heuer nahtlos fort. Gleich mit dem Opener "One on One" stellen EUROPE klar, dass sich an der Ausrichtung nichts geändert hat. Deftige Riffs und ein ohrwurmiger Chorus werden spielerisch miteinander verbunden und von einem Weltklasse-Solo durch John Norum gekrönt. Das folgende "The Cult of Ignorance" lässt es etwas entspannter angehen und hat mit seinen halb verzerrten Gitarren einen leichten Singer-/Songwriter-Vibe. Der Titelsong schlägt danach aber wieder deutlich härter zu und ist einer der Höhepunkte der Scheibe. Dazu zählt auch "Scandinavian Eyes", das fast schon schamloses PURPLE-Worshipping darstellt, aber die jüngsten Veröffentlichungen der Altmeister in den Schatten stellt. Dieses Niveau halten EUROPE bis zum Ende von "Come This Madness" spielerisch. Gerade der Rausschmeißer "Nothing Can Follow This" ist einer der besten Tracks des Longplayers. Mit diesem zementiert das Quintett, dass es auch in dieser Zeit noch relevant ist und zu den beständigsten Hard Rock-Acts des Jahrtausends zählt. Für Genre-Fans ist die Scheibe ein uneingeschränktes Muss und alle anderen, die noch die gar schrecklichen Keyboard-Fanfaren des letzten Countdowns im Ohr haben, sei ein wohlwollendes Reinhören wärmstens empfohlen.








