REVIEW: Kissin' Dynamite (Kissin' Dynamite)

BY Yvönne Dänger


Am 18. September 2026 erscheint das neue Studio-Album von KISSIN‘ DYNAMITE, die ich seit 2010 mit Unterbrechungen „begleite“. Der erste Song, den ich in der Ulmer Rock Disco „ROCKSIDE“ (RIP) hörte, war „ADDICTED TO METAL“. Gleich am nächsten Tag machte ich mich schlauer und holte mir neben dem gleichnamigen Album auch das Debüt. Hier waren also nun ein paar Typen aus der erweiterten Umgebung, die „STEEL OF SWABIA“ sangen und sich hinter alteingesessenen Bands nicht zu verstecken brauchten. Das fand ich damals mega-cool. Dass die Bandmitglieder alle ziemlich jung waren, war mir bekannt, aber in Vorbereitung zu diesem Review habe ich mich nochmal informiert, wie alt HANNES BRAUN damals tatsächlich war und war dann doch etwas von den Socken: Beim Release von „STEEL OF SWABIA“ in 2008 war er gerade mal 16 (!) Jahre alt. Jetzt sind wir also hier, 18 Jahre später, und der Herr kann nicht nur mit seiner Band, sondern auch „solo“ als Songwriter und Gast-Sänger bei anderen Formationen, schon auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. Charterfolge hatte er nicht nur mit KISSIN‘ DYNAMITE, sondern z. B. auch mit für SANTIANO komponierten Liedern. Der neunte Longplayer ist jetzt allerdings der letzte mit KD – Hannes tritt aktiv ab und wird das Mikrofon an eine/n noch unbekannte/n Nachfolger/in übergeben. Er nennt gesundheitliche Gründe und möchte nicht mehr touren, sondern nur noch für das Songwriting und als Produzent tätig sein.

Als vor einem Jahr diese große Änderung angekündigt wurde, die natürlich wie eine Bombe einschlug, haben sich viele Fans ein letztes Album mit Hannes gewünscht. Man hat sich dazu entschieden, zum Ende dieser Ära auch alte Stücke in neuem Gewand auf „KISSIN‘ DYNAMITE“ zu veröffentlichen. Somit gibt es neben sechs neuen Tracks auch Neu-Interpretationen von Songs aus den ersten zwei Alben zu hören. Im ersten Moment denkt man sich vielleicht „Muss das denn sein?“, aber diese Bedenken kann man zur Seite stellen, wenn man die Aufnahmen dann hört. Es hat sich nicht nur ganz offensichtlich Hannes‘ Stimme verändert (O-Ton: „Ich war bei unseren ersten beiden Alben 2008 und 2010 ja noch nicht mal im Stimmbruch.“), sondern die Band hat sich auch musikalisch und qualitativ weiterentwickelt. Während sich z. B. im Original von „HEARTATTACK“ noch ein Gefühl breit macht, man hört eine ganz solide, lokale funky Rockband aus den 90ern, ist die neue Version ein anständiges Brett. Auch bei den anderen neu aufgelegten Klassikern hört man, dass der Sound insgesamt fetter geworden ist. „LOVE ME HATE ME“ hört man das am Besten an – mehr Gitarren, mehr Chorgesang. Schon immer eine geile Nummer, aber jetzt noch besser. Aus „OUT IN THE RAIN“ hat man ein tolles balladen-artiges Midtempo-Duett gemacht und als weiblichen Counterpart hört man hier ELIZE RYD von AMARANTHE. Es gibt noch weitere Gäste zu hören, z. B. RALF SCHEEPERS von PRIMAL FEAR und SAM TOTMAN von DRAGON FORCE bei „STEEL OF SWABIA“.

Nach mehrmaligem Durchhören kann ich aber gar nicht mehr genau sagen, welcher Song mir am Besten gefällt, denn es gibt so viele unterschiedliche, tolle Facetten des Heavy Rocks zu hören. Das Songwriting ist 1A, die Gast-Musiker machen das Ganze noch abwechslungsreicher und das Album macht richtig Spaß. Auch wenn ich beim letzten Track „THE GOOD IN GOODBYE“ etwas an die Backstreet Boys erinnert werde haha. So ein gutes Album zum Abschied vorzulegen macht es einer neuen Stimme natürlich nicht leicht. Es ist überhaupt schwierig, die Leadstimme einer Band zu ersetzen mit den vielen Erinnerungen und die lange Zeit mit dem „Original“. Ich bin mal gespannt, was weiter passiert. Mit KISSIN‘ DYNAMITE verabschiedet sich Sänger Hannes jetzt im September mit drei Konzerten, dann ist für ihn zumindest auf der Bühne Schicht im Schacht.






KISSIN' DYNAMITE

Band: Kissin' Dynamite
Genre: Heavy Metal
Tracks: 13
Länge: 49:35
Medium: CD
Label: Kissin' Dynamite Records
Vertrieb: Edel