REVIEW: Jacht der Mysteriën (Fluisteraars)
BY Erik Bosbach
Manchmal muss man sich verirren, um wieder nach Hause zu finden. FLUISTERAARS haben in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass sie keine Band sind, die sich mit dem einmal gefundenen eigenen Sound zufriedengibt. Nach dem atmosphärischen Black Metal von „Dromers“, „Luwte“ und „Bloem“ folgte mit „Gegrepen door de geest der zielsontluiking“ ein deutlich rauerer und spontanerer Ansatz. 2024 gingen die Niederländer mit „Manifestaties Van De Ontworteling“ sogar den Schritt, statt Black Metal plötzlich Dark Ambient und Drone zu produzieren.
„Jacht der Mysteriën“, frei übersetzt „Jagd nach den Mysterien“, ist das sechste Full-Length-Album von FLUISTERAARS und erscheint heute bei Eisenwald. Drei Stücke reichen aus, um mehr als 43 Minuten zu füllen. Thematisch beschäftigt sich die Band mit lokalen Legenden, geheimnisvollen Lichtern im Wald und der Faszination für das Unbekannte.
Die Reise (und die Erleichterung) beginnt bereits mit dem ersten Ton: Die Gitarren sind rau, melodisch und hypnotisch. Das Schlagzeug treibt die Stücke unerbittlich voran, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Über allem liegt der heisere, krächzende Gesang von Bob Mollema. Gleichzeitig wirkt das Ganze erstaunlich weit und räumlich. FLUISTERAARS setzen nicht auf möglichst viele Riffs, Breaks und Tempowechsel, sondern auf Entwicklung durch Wiederholung. Ein Riff verändert seine Wirkung, weil sich die Atmosphäre darum herum verändert.
FLUISTERAARS haben das Album laut Band nicht Stück für Stück im Studio zusammengebaut, sondern als komplette Band in einem einzigen Take aufgenommen. Produzent und Bassist T. Cochrane war dabei erneut beteiligt. Anschließend wurden die Aufnahmen durch den hohlen Zylinder eines verlassenen Wasserturms reamped. Reamping ist ein Audiotechnik-Verfahren, bei dem ein bereits aufgenommenes „trockenes“ Signal nachträglich erneut durch einen Gitarrenverstärker oder Effektgeräte geschickt und neu aufgenommen wird. Das klingt zunächst nach einem nerdigen Detail aus dem Pressetext, aber man hört diese Arbeitsweise und sie „Jacht der Mysteriën“ organisch und etwas unkonventionell.
Der erste Brocken „Grondeloos Donkere Bossen“ („Bodenlose dunkle Wälder“) entwickelt sich langsam mit einer enormen inneren Spannung. Die Gitarren arbeiten mit wiederkehrenden Motiven, während das Schlagzeug die Musik kontinuierlich nach vorne schiebt. FLUISTERAARS verstehen es dabei hervorragend, aus vergleichsweise einfachen musikalischen Mitteln, einen Sog zu erzeugen. „Condities der Afstraffing“: Der zweite Track bringt etwas mehr Bewegung ins Geschehen. Wieder arbeitet die Band mit berauschender Wiederholung, allerdings entstehen daraus immer wieder kleine Verschiebungen. Ihre Musik besitzt trotz aller Repetition viel Melodie. Mit 18 Minuten ist „Zwarte Zomermaan“ das längste Stück des Albums. Die intensive Black Metal-Phase geht schließlich in eine Ambient-Passage über. Die letzten 8 Minuten plätschert das Album dem Ende entgegen, wie die letzten Sandkörner einer Sanduhr. Der Ausflug der letzten Veröffentlichung hat seine Spuren hinterlassen!
Das Album ist keine Rückkehr zum Stil von „Bloem“, es ist eher die Rückkehr einer Band, die nach all diesen Experimenten wieder ihre Gitarren auspackt und dabei weiß, dass sie inzwischen ganz andere Möglichkeiten hat.
Drei Stücke, viel Wiederholung, wenig klassische Songstruktur. Und trotzdem entsteht daraus ein erstaunlich intensiver gar mächtiger Sog. Das dürfte nicht jedem gefallen, mich haben FLUISTERAARS damit allerdings gekriegt.
JACHT DER MYSTERIëN
| Band: | Fluisteraars |
| Genre: | Black Metal |
| Tracks: | 3 |
| Länge: | 43:43 |
| Medium: | CD |
| Label: | Eisenwald |
| Vertrieb: | Edel |






