NEWS: Nachruf auf Dennis Otto
BY Meisenkaiser
Dennis, oder „Mercyful Tyrant“, wie er sich bei Facebook nannte, weilt nicht mehr unter uns. Unser Chef war eines der Urgesteine von metalinside.de. Als uns die Nachricht von seinem Tod erreichte, war der Schock riesig – zumal er mit seinen 46 Jahren noch etliche Keep It True-, Party.San- und was-weiß-ich-was-für-Festivals auf dem Zettel hatte. Ganz zu schweigen von den vielen Events, die er in Ulm und um Ulm herum mitorganisiert hat.
Wie das heute nun mal so ist, kannten viele von uns Dennis hauptsächlich per Mail und von der „Arbeit“ hier bei diesem Magazin von Fans für Fans. Aber genau das war es eben auch: Er war nie genervt, hatte immer ein nettes Wort übrig – erst recht, wenn es um die Seite ging. Wenn jemand fragte: „Wer übernimmt die Verantwortung?“, war Dennis der Erste, der keine Sekunde zögerte und „Hier!“ schrie.
Ich persönlich kenne Dennis schon seit Anfang der 2000er. Damals war er noch Student. Eine Anekdote ist mir besonders hängengeblieben: Auf einem Festival – war es vielleicht das Dynamo? – tranken wir in großer Runde Bier. Es ging der Reihe nach: Jeder holte eine Runde. Plötzlich wurde Dennis immer ruhiger. Und auf einmal war er verschwunden – genau in dem Moment, als er mit Bezahlen an der Reihe gewesen wäre. Damals fand ich das scheiße. Erst später kam mir die Erkenntnis, dass es ihm einfach verdammt unangenehm war zuzugeben, wie klamm er als Student war. Denn geizig war er ganz sicher nicht – ihm war es schlicht peinlich, wegen Kohle im Mittelpunkt zu stehen.
Einige Kaltgetränke und Jahre später arbeitete er dann in der Entwicklung von Kühlungen und Motoren. Fragt mich nicht… Wenn er darüber philosophierte, gingen beim ahnungslosen Gegenüber rasch die Lichter aus. Das Berufsleben verschlug ihn schließlich nach Baden-Württemberg (nicht nach Bayern, wie er nie müde wurde, zu betonen), wo er blitzschnell in der lokalen Metalszene Fuß fasste und Konzerte auf die Beine stellte. Und er hörte nie auf, mich als Hamburger stur einzuladen – zu den obskursten Black-Metal-Schmankerln. Ich versprach ihm immer wieder, wirklich mal rumzukommen. Jetzt ist es zu spät.
Und auch Scheuklappen waren ihm (fast) fremd. Dennis hat nicht nur die Ulmer Metalszene mitgeprägt hat, sondern war auch bei supervielen Punk- und Rockabilly-Shows immer wieder gerne gesehener Gast. Und natürlich schlief er auch dort gern mal mit dem Bier in der Hand an der Theke oder in der Ecke ein – auch im lautesten Club.
Ich sehe Dennis noch am letzten Tag des Party.San im Backstagebereich. Gezeichnet von vier Tagen Festival – ich fühlte mich genau so, wie er aussah –, als er da alleine auf der Bank saß: müde zwar, aber rundum glücklich. Es sollte das letzte Mal sein, dass ich ihn sah. Unvorstellbar.
Was ein bisschen trösten kann: Am Abend vor seinem Tod war er noch mit Kumpels unterwegs und verabschiedete sich später aus der Wohnung mit einer lustigen Nachricht. Es war seine letzte. Für immer. Bleibt zu hoffen, dass er mit einem Lächeln auf den Lippen und verdammt guter Musik im Ohr gegangen ist.
In tiefster Trauer:
Die Crew von metalinside.de
meisenkaiser
PS: Das Einzige, was mich wirklich an ihm nervte, war seine chronische Abneigung gegen frankophone Musik. Darüber wollten wir uns eigentlich noch mal austauschen. Das wird wohl jetzt erst was, wenn ich nachkomme. See you in … wo auch immer.
Quelle: metalinside.de/ Foto: Nadine Kessler








