KONZERT: Festival Métal Vouziers – Wildschwein-Alarm! (Enforcer)
BY Meisenkaiser

Konzert vom 31.10.2026
Es ging mal wieder in die Heimat der Wildschweine, in die französischen Ardennen nach Vouziers, wo seit Äonen ein paar Verrückte das älteste Metal-Event des Hexagons veranstalten: das Festival Métal Vouziers, Nummer 36. Spötter sagen, das Prädikat „alt“ treffe auf alles zu, was das Fest ausmacht: Musik, Musiker, Zuschauer, Fans, Veranstalter. Das mag sein. Aber Herzblut schlägt alles!
Den Anfang machten die lokalen ZARA, die genauso wenig mit Frau Leander wie mit dem gleichnamigen Schuhversand zu tun haben. Die Kapelle aus Reims sollte schon in den Achtzigern auf dem Festival spielen, löste sich aber nach zwei Demos auf. Jetzt also die Reunion – was natürlich Risiken birgt. Aber alle Zweifel waren überflüssig: Die angespeedete Variante des Old-School-Metals kam bestens an, getragen von wirklich guter Gitarrenarbeit. Sie starteten mit „Space Army“ und huldigten der „Metal Love“ (was deren Sänger und Witzbold als Ballade ankündigte, sich aber als echter Speedie herausstellte). Überhaupt erinnerten die Herren ein bisschen an einen Bastard aus Agent Steel und Iron Maiden. Besonders deutlich machten sie das mit „Coward“ vom Demo The Thing, dessen Titelstück sie natürlich ebenfalls spielten. Überraschend gut und tight!
Danach ging es gedanklich nur ein paar Kilometer weiter nach Lüttich. Die Band STEELOVER löste sich ebenfalls 1986 auf, ist aber seit 2016 wieder auf Sendung und kam mit dem 26er-Werk Devil’s Highway über die kleinen Landstraßen nach Vouziers gefahren. Prompt legten die Belgier mit „Devil’s Call“ los, dem Opener der damaligen Scheibe – eine ganze Ecke melodiöser als der Opener ZARA. Mit „Don’t Know Why“ hatten sie auch ihren neuesten Hit an Bord – und Vouziers dankte es mit Präsenz und Begeisterung. Und ob der Rausschmeißer „Rock Bottle“ nun ein UFO-Cover war? Einbilden konnte es sich der geneigte Fan allemal.
TIME TRIPPER lotsten die 36. Ausgabe des Festes dann in eine noch seichtere Richtung – die nicht nur dank des bisherigen Nesthäkchens am Mikro, Erik Sitbon-Björngard, ebenfalls vollends überzeugte. Klar, echte Härtner schüttelten den Kopf nicht gerade vor Begeisterung, aber Stimme, Sound und Echtheit überzeugten bei den potenziellen Stadionrockern auf ganzer Linie. Von „On Stage“ über „Love In Chains“ bis hin zu „Right Move“ entführte die Band mit dem für deutsche Ohren etwas merkwürdigen Namen das Publikum in Richtung Miami Vice, sorgte mit keyboardgetränktem AOR für beste Laune und ließ Europe aussehen wie dauergewellte Mainstream-Kommerzler. „Heart of Fire“ ist ein Hit – nicht nur für Hairmetal-Freunde. Coole Schweden!
DEMON EYES hatten danach einige Schwierigkeiten technischer Natur, die für eine minutenlange Unterbrechung sorgten. Eine echte Ausnahme in Vouziers, die dem Austausch eines Marshall-Teils geschuldet war. Die Franzosen ließen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Wobei, Ruhe? Gitarrist Thierry „Atomic Tim“ Masson wirkte ein bisschen so zappelig, als sei er mit der Nase auf einer Zuckerspur beim Frühstück ausgerutscht. Dafür strahlte Brüderchen als französische Dirkschneider-Variante die nötige Gelassenheit aus. Insgesamt überzeugten die teuflischen Augen mit vortrefflicher Songauswahl – vom All-Time-Klassiker „Pestiférés“ über das frische „Résurrection“ bis hin natürlich zu „Demon Eyes“. Viel mehr als nur ein Ersatz für ATTENTAT ROCK, die leider absagen mussten.
Die entspannte Umbaupause endete abrupt. Denn was plötzlich die Runde machte: PRÉFABRIKÉ mussten früher ran, weil sich die Ankunft des Sängers der eigentlich jetzt eingeplanten Sainted Sinners verspätete. So war zumindest zu hören. Was sich dann abspielte, war ein Triumphzug allererster Klasse. Nono, Vivi und Co. entführten in die Glanzzeiten der französischen Heroen Trust – und Vouziers antwortete mit lauten Chören und purer Ekstase. Die Band spielte sich mit den Titeln der ersten beiden Trust-Scheiben Trust und Répression in einen Rausch, in den die Fans vollends eintauchten, alles aus voller Seele mitsangen und den Abend zu einem unvergesslichen machten. Von „Darquier“ über „Instinct de Mort“, das alles überragende „Le Mitard“ sowie „Saumur“ bis hin zum unvermeidlichen „Antisocial“ brannten PRÉFABRIQUÉ ein Feuerwerk ab, das den guten Nachbarn Bernie vollkommen vergessen ließ. Danke, Jungs, das war „L’Élite“!
Danach hatten SAINTED SINNERS kaum eine Chance. Trotz der All-Star-Besetzung um Frank Pané (früher u. a. Bonfire), Sänger Jacopo „Jack“ Meille (Tygers of Pan Tang) und Keyboarder Ernesto Ghezzi (Gotthard) zündete die international besetzte Kapelle nicht so, wie sie es verdient gehabt hätte. Auch wenn Panés Soli rockten und der Band rein objektiv nichts vorzuwerfen war: Gute Band, falscher Zeitpunkt.
Den Abschluss bildeten die schwedischen Jünglinge von ENFORCER. Frontmann Olof Wikstrand stachelte das Publikum immer wieder an, trank Bier und animierte wie ein Koberer auf der Reeperbahn. Die Band überzeugte nicht nur mit ihrem Superhit „From Beyond“ – und trank ebenfalls Bier. So gingen alle mit bester Laune nach Hause und trafen hoffentlich nicht mehr allzu viele Wildschweine.
Eine weitere gute Nachricht: Die rührigen Macher haben schon Festival Nummer 37 durchgeplant. Diesmal steht alles im Zeichen der Frauenpower: Am Start sind die kanadische Metal-Queen Lee Aaron, die „weiblichen Motörhead“ Girlschool, die belgische Speed-Königin Kate und ACID, die walisische Rockröhre Chez Kane, die bulgarische Heart-Rockerin SEVI, die DurchstarterInnen aus dem Grand Est Palantyr sowie Steelrazor aus der Normandie.
Wer eine Karte haben will, sollte sich beeilen und schnell bestellen für das 37. Festival!
Vouziers, es war wieder ein Fest! Das Programm war abwechslungsreich und spannend, wenn es auch mit dem Vorjahr nicht ganz mithalten konnte. Aber die Bands überzeugten auf ihre Art allesamt. An der Orga gab es wieder nix zu meckern. Ach doch: Diese winzigen Bierbecher. À bientôt!
PS: Die mäßigen Fotos sind vom Handy des Meisenkaisers.

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