KONZERT: KISSIN DYNAMITE - Köln, Palladium (Kissin' Dynamite)

BY Erik Bosbach





Konzert vom 03.10.2026

The Big Goodbye in Köln

Bei KISSIN DYNAMITE im Kölner Palladium lag diese besondere Spannung förmlich in der Luft. „The Big Goodbye“ war angesagt: das letzte von drei großen Abschiedskonzerten mit Hannes Braun als Sänger der Band. Nach Neu-Ulm und Hamburg sollte Köln der endgültige Abschied vom Frontmann am Mikro werden. Das Palladium war ausverkauft. Im Publikum in Köln Mülheim haben sich auch viele Menschen mit süddeutschem Dialekt eingefunden: “Ja mei, san de Bierglasl bei eich gloa!“.

Und doch wollte Hannes Braun an diesem Abend vor allem eines: keine Trauer.

Schon früh machte der Sänger deutlich, dass dieser Abend gefeiert werden sollte. Denn so endgültig der Abschied vom Bühnenleben mit KISSIN DYNAMITE auch ist, wirklich weg ist Hannes nicht. Er bleibt der Band als Songwriter und Produzent erhalten. Nur am Mikrofon wird künftig ein anderer stehen. Vor allem das anstrengende Tourleben raubte dem Frontmann zunehmend die Kräfte. Das macht den Abschied nicht weniger emotional, nimmt ihm aber ein wenig die Schwere.

Ein Vorgeschmack auf den Abschied

Den Abend eröffnete LEAUGE OF DISTORTION, die Band um Anna Brunner und damit gleichzeitig Hannes Brauns Ehefrau. Der Auftritt war solide und musikalisch weites gehend überzeugend. Das Bühnen-Acting wirkte über weite Strecken recht statisch und auch musikalisch war vieles relativ vorhersehbar. Schlecht war das keineswegs, als Anheizer für das, was danach kommen sollte, funktionierte der Auftritt allemal.

Feuer, Pyros und „I’ve Got the Fire“

Mit „I’ve Got the Fire“ ging es los und der Titel war Programm. Flammen schossen in die Höhe, Pyros krachten und die Band legte vom ersten Moment an eine Spielfreude an den Tag, die sich unmittelbar auf das Publikum übertrug.

Mit „DNA“, „No One Dies a Virgin“ und „Only the Dead“ ging es direkt druckvoll weiter. Die Truppe präsentiert dabei genau das, was ihre Shows seit Jahren auszeichnet: eingängige Hardrock-Hymnen mit großen Gesten und eine Band, die sichtbar Spaß an ihrem eigenen Auftritt hat. Die Bühne war für diesen besonderen Abend ebenfalls entsprechend aufgerüstet. Ein Steg führte weit ins Publikum hinein und ermöglichte Hannes immer wieder den direkten Kontakt zu den Fans. Dazu kamen Pyroeffekte, Flammen und später Lametta.

Spätestens bei Songs wie „Heartattack“, „Glory Days“, „My Monster“ und „Out in the Rain“ wurde deutlich, wie eng Band und Publikum mittlerweile miteinander verbunden sind. Die rund 4.000 Menschen im Palladium sangen lautstark mit und ließen Hannes immer wieder wissen, was er ihnen und der Band bedeutet. Bei „Ecstasy“ und „Lie for Me“ stehen Anna Brunner und Hannes gemeinsam auf der Bühne und Hannes nimmt am bereits weit gereisten Klavier Platz. Mit „I Salute You“, „Love Me, Hate Me“ und „Flying Colours“ nahm die Party wieder Fahrt auf. Der Sänger wirkte an diesem Abend sichtlich gelöst. Immer wieder ließ er sich vom Publikum feiern, reckte beide Arme in die Höhe und badete förmlich in der Zustimmung der Fans. Mit „Heart of Stone“ und anschließend dem akustischen „Lie for Me“ bekam der Abend zunächst noch einmal eine ruhigere Note, bevor mit „The Devil Is a Woman“ und „Steel of Swabia“ wieder ordentlich Gas gegeben wurde.

Gerade „Steel of Swabia“ durfte natürlich nicht fehlen. Der Titel vom gleichnamigen Debütalbum aus dem Jahr 2008 ist mittlerweile selbst ein Stück Bandgeschichte und damit passte er hervorragend in eine Setlist, die gleichzeitig Rückblick und Abschied war. Das Cover mit dem Bandfoto aus jungen Jahren prangt nun über der rot erleuchteten Bühne.

Die Setlist führt neben neueren Songs vom aktuellen Album „Kissin’ Dynamite“ und dem Vorgänger „Back With A Bang“ einmal quer durch ihre Karriere.

Songs wie „Raise Your Glass“, „You’re Not Alone“ und der Kracher „Not the End of the Road“ sorgten noch einmal für große Mitsingmomente. Bei „You`re not alone“ kommt Stadion-Rock-Feeling auf und Hannes wird mit dem Schlauchboot übers singende Publikum getragen.


This Is Not the End of the Road!

KISSIN DYNAMITE verabschieden sich von ihrem langjährigen Sänger, aber nicht voneinander und schon gar nicht von ihrem Publikum.

Mit „Coming Home“, „Six Feet Under“ und „Good in Goodbye“ setzte die Band drei weitere Ausrufezeichen unter einen Abend, der zwischen Party, Dankbarkeit und Abschied pendelte. Ein Abend mit etwas Wehmut, aber vor allem mit guter Stimmung, Flammen und der Setlist, die noch einmal viele Kapitel der gemeinsamen Geschichte aufschlug.


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