KONZERT: Poets Of The Fall - Köln, Die Kantine 23.09.2026 (Poets Of The Fall)

BY Bianca Riessinger





Konzert vom 23.09.2026

Zwanzig Jahre nach dem Erscheinen von „Carnival Of Rust“ sind POETS OF THE FALL wieder mit ihrem Erfolgsalbum auf Jubiläumstour und waren dabei auch in Köln zu Gast. Mitgebracht hatten die Finnen neben ihrem musikalischen Glanzstück auch herrliches Spätsommerwetter, das den Wartenden das Anstehen in der Schlange vor der Kantine mit Sonnenschein und milden Temperaturen versüßte.

 

Los ging es um 20 Uhr mit RABBIT CULT, die ebenfalls aus dem Land der tausend Seen stammten. Das Duo, bestehend aus Salla-Marja Hätinen an Mikrofon und Kantele und Multi-Instrumentalistin Marianne Heikkinen, kredenzte eine Mischung aus Elektronischem, finnischen Zitherklängen und Metalgrowls, die etwas an die Japanerinnen von BABYMETAL erinnerte und von der Band selbst in Anlehnung an ihre Bunny-Öhrchen-Outfits als „Bunny Metal“ bezeichnet wurde. Exzentrisch war es allemal und Songs wie „Scandal“ und „Cute AF“ brachten das Publikum langsam auf Betriebstemperatur, auch wenn der Stil der beiden hasenbeohrten Musikerinnen zu dem der Headliner so gar nicht passen wollte. Da Finnland ja aber bekanntlich durchaus ein Herz für schräge Musikexporte hat, machte das Ganze auf kuriose Weise dann doch schon wieder fast Sinn und das Duo durfte sich auf jeden Fall über ein volles Haus freuen, denn POETS OF THE FALL hatten die Kantine bis auf das letzte Ticket ausverkauft.

 

Nach einer kurzen Umbaupause, in der sich der Innenraum tatsächlich noch weiter füllte als ohnehin schon, war es um 21 Uhr schließlich Zeit für die Headlinder des Abends: POETS OF THE FALL betraten unter lautstarkem Applaus die Bühne und legten mit „Fire“ gleich flott los. Mit dem rockigen „Locking Up The Sun“ wurde das Tempo erst mal beibehalten, nach „My Dark Disquiet“ folgte ein ausgedehntes Gitarrensolo, das Sänger Marko Saaresto größerenteils hinter der Bühne verbrachte, was er anschließend grinsend kommentierte: „I love that song – I can have my own little party backstage!“

Weiter ging es mit „Rogue“, „War“ und „King Of Fools“, bevor Marko, ganz der Gentleman, ankündigte: „You guys like flowers, don´t you? Poppies? Daisies… Roses?“. Es folgte der gleichnamige, ebenso ruhige wie melodiöse Song unter großem allgemeinem Jubel. Danach trat die Band mit „Choice Millionaire“ wieder etwas mehr aufs Gas, was die gesamte Konzertdauer über aber gleichblieb war der wunderbar warme, runde und volle Sound der POETS, der in der Kantine auch hervorragend abgemischt war.

Bei dem Instrumental „Firefly“, das ursprünglich von Gitarrist Olli Tukiainen unter seinem Künstlernamen „Ollie T“ veröffentlich worden war, duften beide Gitarristen zeigen, was sie draufhatten – Olli Tukiainen als Urheber wurde entsprechend von Marko als „true lord of the firefly“ angekündigt. Ob „Temple Of Thought“, die wunderbare Liebeserklärung „All The Way 4U“ oder „Dreaming Wide Awake“ – bei der großartigen Songauswahl und dem guten Sound verging die Zeit wie im Flug und ehe man sich´s versah, verließen die Musiker auch schon das erste Mal die Bühne. Zum Glück waren sie schnell wieder da und erkundigten sich höflich beim Publikum, ob es denn noch mehr hören wolle: „You´re not going home, are you? Well, neither am I… for a long, long time… W´ve got a few more songs for you, if you want to hear them?” Natürlich wollte die Menge. Und höflich, wie die POETS sind, entschuldigte sich Marko auch gleich noch bei dem am Bühnenrand sitzenden Plüschrentier, das vermutlich einer der Zuschauer dort platziert hatte: „Sorry, I didn´t mean to step on you. Are you ok?“ Nachgelegt wurde mit „Black Waters“, dem großartigen „Lift“ und schließlich, zu guter Letzt, dem noch großartigeren, der Tour ihren Titel gebenden „Carnival Of Rust“, das selbstverständlich unter gar keinen Umständen hätte fehlen dürfen und zu dessen Ehren sich Marko thematisch passend eine schwarzrote Federboa um den Hals warf. Überraschenderweise unerfüllt blieb die Hoffnung auf „Late Goodbye“, aber das war der einzige kleine Wermutstropfen bei einem wirklich rundum gelungenen Konzert. Und man braucht ja schließlich auch einen Vorwand zum Wiederkommen, wenn der Zirkus das nächste Mal in der Stadt ist – auf dass es bis dahin nicht zu lange dauern möge!