KONZERT: Wings Of Steel, Böllverk - Aschaffenburg, Colos-Saal (Wings Of Steel)

Konzert vom 24.06.2026
WINGS OF STEEL sehen sich gerne als lebendigen Beweis dafür, dass sich der traditionelle Heavy Metal auch im Jahre 2026 bester Gesundheit erfreut. Und man darf feststellen: sie haben Recht. Wenn man als Newcomer an einem Mittwoch trotz unmenschlicher Hitze über 200 Nasen in den Colos-Saal lockt, dann macht man schon verdammt viel richtig.
Zuerst aber dürfen die lokalen Helden BÖLLVERK das Publikum anheizen. Kurioserweise ist es Dank der Klimaanlage im Colos-Saal angenehmer als überall sonst. BÖLLVERK passen mit ihrem traditionellen Metal teutonischer Prägung gut zum heutigen Headliner und auch wenn noch die eine oder andere nervöse Unsicherheit zu spüren ist, legen sie eine energische Show auf die Bretter. Gerade Gitarrist Raphael (auch in den Diensten der Thrash Shooting-Stars DISTANT THUNDER) möchte es wissen und ist nach wenigen Minuten schweißgebadet. Man merkt, dass zumindest Teile des Publikums mit dem Material vertraut sind und kräftig mitsingen. Mit so viel Rückenwind ausgestattet wird das Heimspiel von BÖLLVERK zum Erfolg und bereitet den Boden für die Hauptattraktion des Abends.
WINGS OF STEEL beackern fleißig alle Festivals, aber Clubgigs sind eher rar gesät und so freut man sich, die Jungs endlich mal mit einem kompletten Set erleben zu dürfen. WINGS OF STEEL schaffen auf es der Bühne ein unerschütterliches Selbstbewusstsein zur Schau zu stellen und dabei trotzdem kumpelhaft sympathisch zu bleiben. Auch wenn Sänger Leo und Gitarrist Parker die klaren Führungspersönlichkeiten sind, bekommen die anderen genug Raum und Platz, um ebenso zu glänzen und lassen damit WINGS OF STEEL als echte Einheit erscheinen. Mit dem neuen „Burning Sands“ erwischt man einen fulminanten Start, der sofort zeigt, was WINGS OF STEEL ausmacht: Virtuoses Gitarrenspiel, kraftvolle Vocals und hymnenhaftes Songwriting. WINGS OF STEEL können jedoch nicht nur Vollgas, sondern auch mit viel Gefühl. Das bluesige „She Cries“ sorgt für Gänsehaut und offene Münder, wenn Leo scheinbar mühelos die höchsten Sprossen der Tonleiter erklimmt. Man sieht den Musikern den Spaß an, den sie auf der Bühne haben und nimmt ihnen ab, dass sie den heutigen Abend mindestens genauso genießen wie die Show auf der riesigen Hauptbühne beim Hellfest einige Tage zuvor. Leo sucht auch immer wieder den Kontakt zum Publikum, animiert es und scherzt mit den vorderen Reihen. Der Colos-Saal dankt es ihm mit lauten Chören und tosendem Applaus. Die gute Stimmung innerhalb der Band manifestiert sich auch immer wieder in kleinen Interaktionen unter den Musikern auf der Bühne. Es wird viel gelacht und auch ein wenig herumgealbert, ohne dass die musikalische Darbietung auch nur eine Sekunde darunter leidet. Gitarrist Stefan, Bassist Matthieu und Drummer Damien haben augenscheinlich eine super Zeit und stehen ihren beiden Chefs in Sachen Spielfreude und Agilität in nichts nach.
Der Zugabeblock besteht aus dem epischen und 10-minütigen „Winds Of Time“ und der Bandhymne „Wings Of Steel“. Diese Band hat tatsächlich das Zeug dazu noch bedeutend größer zu werden und in den nächsten Jahren die Szene als relevanter Act maßgeblich mitzugestalten. Niemand, der heute sein Sofa oder den Baggersee verlassen hat, dürfte sein Kommen bereut haben.
Text: Fabian Zeitlinger
Fotos: Michael Berghammer



























