Review:

Crossing The Blades

(Running Wild)

RUNNING WILD, der Name hat immer noch einen Klang. Es gibt nicht viele Bands, die 10 nahezu perfekte Alben in ihrer Diskographie stehen haben (ja, für mich gehören auch “Masquerade” und “The Rivalry” dazu) und dennoch seit Jahren mit ihren Veröffentlichungen immens polarisieren. Ich persönlich fand die letzten beiden Alben “Resilient” und “Rapid Foray” zumindest gut. Aber eben auch nicht überragend und das ist eigentlich unter der Würde von RUNNING WILD. Spekulationen warum das so ist gibt es viele. Hilft aber nichts. Und so bleibt den nibelungentreuen Supportern nichts anderes übrig als zu hoffen, dass es vielleicht doch noch irgendwann ein Album geben wird, welches mit den großen Klassikern konkurrieren kann.

Bevor nächstes Jahr das neue Album in den Startlöchern steht, gibt es mit “Crossing The Blades” eine E.P. mit drei neuen Eigenkompositionen und einem Cover.

Los geht’s mit dem Titelstück “Crossing The Blades”, einer etwas flotteren, RUNNING WILD Hymne im “The Brotherhood”-Stil, welche textlich die “Einer für alle”-Thematik behandelt. Aber ich vermisse hier das “Wild”. Das ist gut jedoch nicht mitreißend. Man wippt mit, freut sich Rolfs Stimme zu hören, dreht aber nicht vor Begeisterung vollends am Rad. Das folgende “Stargazed” stellten RUNNING WILD schon bei ihrer letzten Wacken-Show vor. “Renegade” trifft auf “Kiss Of Death” umschreibt es wohl ganz gut. Rockig. Macht Spaß. Das KISS-Cover “Strutter” ist nett. Aber der RUNNING WILD Sound ist so speziell, dass Cover-Songs in meinen Ohren immer wie echte Fremdkörper klingen. Durch die persönlichen Linernotes von Rolf (wie er KISS Fan wurde und welche Bedeutung sie für RUNNING WILD haben), hat die Nummer als B-Seite einer E.P. durchaus ihre Berechtigung. Das abschließende “Ride On The Wildside” greift die “Chains & Leather” Thematik auf und beschwört das Konzertfeeling der Metalfans. Musikalisch ein weiterer Midtemposong, der durch die pumpende Rhythmusgitarrenarbeit außergewöhnlich klingt und gut das Meer an nach oben gerreckter Fäuste vor dem inneren Auge heraufbeschwört. Dass der Rezensent aus dem Info erfährt, dass Rolf bei dem Solo dieses Stück keine Gibson Explorer, sondern eine Stratocaster verwendet hat, wird wohl niemandem wirklich auffallen und macht das Stück jetzt nicht wirklich besonders speziell.

Der Sound der E.P. erinnert am ehesten an die “Rogues En Vogue” Scheibe und was das heißt, wissen die Meisten hier wohl.

Um es zusammenzufassen: “Crossing The Blades” ist ein netter Appetithappen für die Unverbesserlichen (zu denen ich mich selbst auch zähle). Eine objektiv betrachtet essentielle Veröffentlichung hingegen ist es nicht.

 

Crossing The Blades


Cover - Crossing The Blades Band:

Running Wild


Genre: Heavy Metal
Tracks: 4
Länge: 16:22 (EP)
Label: Steamhammer
Vertrieb: SPV