Review:

Welcome To The Pleasure Dome

(Frankie Goes To Hollywood)

Die 80er waren ja schon für einiges gut – gute Musik, tolles Lebensgefühl, schlimme Klamotten und Frisuren – dazu noch  die NDW und das kommerzielle Erwachen des Metal. Aber auch für musikalische Toleranz und Experimentierfreude. Einer der Impulse dabei war „Welcome To The Pleasure Dome” von FRANKIE GOES TO HOLLYWOOD. Ein Doppel-Album das 1984 in den europäischen Charts durch die Decke stieß und mit „Relax“, „War (…and hide)“ (musikalisch weit weg vom Original) und „Two Tribes“ drei weltweite Hits mit Hammerrefrains und Ohrwurmgarantie auf der zweiten Seite der ersten LP hatte. Das Besondere dabei war weniger die Güte der Hits – das waren einfach viele klasse Songs und clever arrangierte Kompositionen -  sondern die ausgefeilte, für damalige Zeiten und einem Pop-Album ungewohnt bombastische Produktion. Dabei ist die Einordnung in Pop hier sicher zu undifferenziert - „Welcome To The Pleasure Dome” bediente sich bei Funk und Disco, bei Rock und Prog. Dabei setzte Trevor Horn - jener Mann der den typischen, elektronischen 80er-Sound samt Synthesizer, Samples und Drumcomputer prägte - auf einen konzeptionellen Ansatz bei der Songauswahl (nicht bei den oft sehr anzüglichen Texten).
Das eine Pop-Band ein Album mit einem über 13-minütigen Song eröffnete (außer kurzen Intros bestand die F-Seite der ersten LP nur aus dem Titeltrack „Welcome To The Pleasure Dome”) zeigte, das man hier auf mehr als nur einen Hit setzte und hielt die Spannung hoch. Der Song hat Biss, ist genial bis ins Detail arrangiert und steckt voller kleiner Finessen. Und so verkaufte sich das Album aus Songs und Schnipsel unterschiedlichster Länge dann auch als Gesamtkunstwerk – wie die Band und deren Performance auch. Die G-Seite bestand aus den bereits oben genannten Chartbreakern, die zweite LP (die Seiten T und H) dann aus einer Mischung aus Coverversionen (darunter eine sehr funkig-elektronischen Version des BRUCE SRINGSTEEN Songs „Born To Run“ – die in den USA gar nicht gut ankam) und einer der großen Balladen der  80er - „The Power Of Love“. Hinhörer auch noch das Cover zu „Ferry (Cross The Mersey)“ und die zu Unrecht untergegangenen „The Ballad Of 32“ und „Black Night White Light“ die beiden zeigen, was FRANKIE GOES TO HOLLYWOOD-Hits auch musikalisch drauf hatten.
Klanglich macht „Welcome To The Pleasure Dome” einen guten Eindruck – die Aufnahmen wurden ja bereits für eine vorherige Wiederveröffentlichung von Originalproduzent Trevor Horn remastert. Das Ganze kommt im Deluxe Hardback Cover und einem 28-seiteigen Booklet in toller Aufmachung und interessanten Linernotes (The Guardian-Autor Paul Flynn) daher. Das der Produzent damals einige Bandmitglieder bei den Studioaufnahmen ersetzte dürfte kein Geheimnis mehr sein, trotzdem haben sie als Musiker hier ihr Vermächtnis hinterlassen: Peter Gill (Schlagzeug), Holly Johnson (Gesang), Brian Nash (Gitarre), Mark O’Toole (Bass) und Paul Rutherford (Backgroundgesang, Gesang).
Das 86er-Nachfolgealbum „Liverpool“ hatte zwar mit „Rage Hard“, „Warriors Of The Wasteland“ und „Watching The Wildlife“ drei gute Singles zu bieten – konnte kommerziell aber nicht die Erwartungen erfüllen, so dass FRANKIE GOES TO HOLLYWOOD ein Jahr drauf – auch durch innere Streitereien gefördert – auflösten. Was bleibt ist das gute „Back to the Eighties“-Feeling für alle Junggebliebenen, schon nach den ersten Takten eines FRANKIE GOES TO HOLLYWOOD-Hits.

01.  The World Is My Oyster

02.  including well… and snatch of fury (stay))

03.  Welcome To The Pleasuredome

04.  Relax (come fighting)

05.  War (…and hide)

06.  Two Tribes

07.  for the victims of ravishment

08.  Ferry (Go)

09.  Born To Run

10.  San Jose (The Way)

11.  Wish (The Lads Were Here)

12.  including The Ballad Of 32

13.  Krisco Kisses

14.  Black Night White Light

15.  The Only Star In Heaven

16.  The Power Of Love

17.  bang

Welcome To The Pleasure Dome


Cover - Welcome To The Pleasure Dome Band:

Frankie Goes To Hollywood


Genre: Pop
Tracks: 17
Länge: 64:44 (CD)
Label: BMG
Vertrieb: ADA / Warner
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