Konzert:

WACKEN OPEN AIR 2018

Konzert vom 02.08.2018

Das 29. WACKEN OPEN AIR ist Geschichte. Und was für eine. Statt Schlamm gab es tagelange Staubwüste eben das andere Extrem. Die gute Witterung hat dem Bierkonsum sicherlich nicht geschadet und auch die Stimmung auf dem Gelände sowie dem Zeltplatz war ausgelassen friedlich wie eh und je. Der Bummel durch das Dorf war ein Spießroutenlauf vorbau an unzähligen Bier und Fressbuden. Überall Party, überall gute Mucke. Wieso sieht eigentlich nicht jedes Strassenfest genau so aus. Hier ist also unser Wacken Bericht – für Euch vor Ort waren Christoph und Nico.

Donnerstag

Nach dem traurigen Highlight ein Jahr zuvor auf dem BYH Festival war die Erwartungshaltung bei Vince Neil eher gering. Umso mehr freuite es mich, dass die Glam Rock Legende offenbar einen guten Tag  hatte. Dr. Feelgood und Shout At The Devel jedenfalls haben prima am frühen Wackener Nachmittag funktioniert. Ok, er is alt geworden und auch nicht merh so richtig in Form – aber er hatet Spass und das schien bei den meisten Fans vor der Bühne nicht anders gewesen zu sein. Hands up für Kickstart My Heart und natürlich Girls Girls Girls.

Er ist ein Unikat, er ist unverkennbar und er ist legendär. Man muss ja nicht toll finden das ganze Hickhack mit U:D:O. „das letzte mal mit Accept Songs“ und kurz danach die DIRKSCHNEIDER Geschichte wo ja eigentlich das gleiche passiert – aber sei es drum. Heute Nachmittag jedenfalls zündet Udo DIRKSCHNEIDER wieder mal ein grandioses Feuerwerk alter ACCEPT Klassiker und gibt sich dabei in altbekannter Manier. Kurze Ansagen, ein knackiges „Dankeschön“ nach nahezu jedem Song und dazu die typische Stimmgewalt die wir alle lieben. „The Beast Inside” eben. “Midnight Mover”, “Living for Tonite”, lange Mitsingparts bei “Metal Heart oder “Princess of The Dawn”. Herrlich. Die Liste geht noch ewig weiter – eben “Balls To The Wall” gefühlt war alles dabei. Daumen hoch.

Yes, die Legende ist zurück in Wacken. JUDAS PRIEST – kaum eine andere Band hat die NWOBHM so geprägt wie die Herren aus Birmingham. Umso mehr freit es mich, das Rob Halford auch stimmlich wieder stark auf Kurs ist und selbst nach einer verhältnismäßig langen Konzertsaison in Wacken liefert. Nach „Warpigs“ als Intro geht es mit dem Hammer Opener vom aktuelen Album los – „Firepower“. Der Name ist Programm. Schade das außer „Lightning Strikes“ und „Rising From The Ruins“ nichts weiter vom selben mega starken Album gespielt werden. Dafür gibt es mehr oder weniger die üblichen Klassiker aneinander gereiht in einer amtlichen Bühnenshow mit und fettem  Licht. So laufen auf der LED Leinwand bei „Turbo Lover“ ein paar Kolben im Takt oder bei „The Ripper“ passenden Zeitungsausschnitte. Besonders cool, dass Glenn Tipton trotz seiner Parkinson Erkrankung zumindest im Zugabeblock mit auf die Bühen kam um „Metal Gods“, „Breaking The Law“ und „Living After Midnight“ zu zocken. Daumen drücken, dass wir Ihnen hoffentlich auch in den kommenden Jahren ab und zu noch zu sehen bzw. zu hören bekommen….

Freitag

Geil nach nach dem amtlichen Zeltabriss 2015 DARK TRANQUILLITY auch dieses Jahr wieder am Start waren und diesem die Party Stage ähm sorry – die LOUDER Stage in Schutt und Asche zerlegt haben. OK, bei der Mittagshitze zünden nocht alle atmosphärischen Schweden Tod Songs sofort aber dennoch fliegen um uns herum bei Songs wie „Monochromatic Stains“, „Final Resistance“ oder neueren Outputs wie „The Science Of Noise“ und „Forward Momentum“. Mikkael Stanne agil und sympathisch Ansagen wie eh und je und stimmgewaltig sowieso.  Dolles Brett – leider zu kurz – ne knappe Stunde gibt’s viele Klassiker auf die Ohren und am Ende „Miserys Crown“.

PERSEFONE ist nicht nur die erste Band aus Andorra, deren metallische Klänge meinen Gehörgang erreichen, sondern auch feinster Progressive Metal. Obwohl der gewöhnliche Wacken-Besucher um diese Uhrzeit noch in der Schlange vor den Spülklos steht, ist das Zelt vor der W:E:T-Stage bis hinten gefüllt. Die Bandbreite der musikalischen Elemente ist gewaltig. Zwischen getragenen Passagen, clean Gesang, frickeligem Gitarrenspiel und Thrash-Elementen shoutet immer wieder der hyperaktive, über die Bühne sprintende Marc Martins Pia mit so viel Einsatz dazwischen, dass sämtliche der Blutgefäße seinen Körper verlassen wollen - vielleicht liegt das aber auch an den tropischen Temperaturen im Zelt. Ein grandioser Auftakt zu einem mal wieder sonnigen Wacken: shine shine shine!

Klar – MR. BIG. Da gehste mal hin. Gesagt getan. Und schwubdiwupp geflasht. Was war das denn Bitte.  Die Band um Eric Martin können aber mal so was von fett abrocken. Und damit meine ich natürlich nicht „Wild World“ oder „To Be With You“ (beide Song kommen natürlich trotzdem und werden auch entsprechend abgefeiert) . Es sind die eher unbekannteren Songs bzw. die, die man vielleicht nicht auf Anhieb den Amies zurechnet. „Rock And Roll Over“ oder „Colorado Bulldog“ gehen richtig nach vorne und zwingen einen dazu, den eigenen Backkatalog schnellstmöglich aufzurüsten.

Während NIGHTWISH die Faster bespielt, füllen BLUES PILLS das Zelt vor der W:E:T-Stage. Wie es sich für einen standesgemäßen Wacken-Besucher gehört, hat die Crowd den Tag über bei bestem Sonnenschein dem Alkohol gefrönt: Die Stimmung ist großartig; nicht nur die Band ist bei „Bliss“ in völliger Extase. Gerade bei „High Class Woman“ zeigt sich, dass die Bühnenpräsenz von Frontfrau Elin Larsson einfach umwerfend ist. Selten habe ich das Zelt so laut wie beim THE GREAT SOCIETY Cover „Somebody to Love“ erlebt. Psychodelic-Blues-Rock funktioniert also auch auf dem Wacken.

Obwohl es vor der Headbangers-Stage brechend voll ist, läuft der Schweiß nicht ganz so schnell wie noch zur Mittagszeit. Kann aber auch gut sein, dass das durchs Zelt wehende Lüftchen für Abkühlung sorgt, denn die Band um Frontmann Chris Jericho heizt ansonsten mit Titeln wie „Judas“ vom aktuellen, gleichnamigen Album ordentlich ein. Dass FOZZY auch und vor allem von der Persönlichkeit des Wrestlers lebt, wird deutlich, als die Menge gegen Ende nur noch „ausziehen“ skandiert. Nichtsdestotrotz: geile Show!

Bevor es losgeht werden zunächst noch die Gitarren feinjustiert. Klar, wenn drei davon auf der Bühne bespielt werden, sollten die aufeinander abgestimmt sein. Los geht es mit dem super schweren und tragenden „The Alpha”, das mit vielen unterschiedlichen Track-Phasen begeistert. Nach dem Intro haucht Sängerin Ryanne van Dorst nur mit Basslauf unterlegt ins Mikrofon worauf es wieder in die vollen geht und die gesamte musikalische Wand aus drei Gitarren der Menge entgegen drückt. Stellenweise erinnern die NiederländerInnen von DOOL an ein vielschichtiges AVATARIUM. Die Wenigen, die es vor die Headbangers-Stage geschafft haben, erleben eine der abwechslungsreichsten Klangwelten, die das Wacken 2018 zu bieten hat. DOOL bewegen sich zwischen Doom, Psychedelic und leichten Progressive-Einflüssen. Kein Wunder also, dass die Crowd vor allem genießt und die Bühnenpräsenz auf sich wirken lässt. Für mich sind DOOL auf jeden Fall die Neuentdeckung auf dem diesjährigen Wacken.

Als FIREWIND zum Intro von „Ode to Leonidas” die Bühne betreten, werden sie vor der W:E:T-Stage gebührend begrüßt. Die Power-Metaller aus Griechenland geben direkt Vollgas und man spürt, dass die Chemie zwischen Crowd und Band stimmig ist. Neben weiteren Tracks vom aktuellen Album wird das Publikum aber auch mit alten Hits wie „Mercenary Man“ und „The Fire and the Fury“ beglückt. Das groovige, synchronisierte Klampfenspiel zwischen Frontmann Gus G. und dem „Bob“ zeigt einmal mehr, dass die alten Hasen wissen, wie man die Fans begeistert: griechisch, sonnig, energiegeladen, perfekt!

Nun ist es amtlich, bei IN FLAMES bin ich endgültig raus. Ich habe es nochmals versucht aber neben einer dicken Show (die so dick gar nicht mal war) war das für ältere Fans der Schweden echt ernüchternd. Und ich meine nicht mal die ganz alten Fans – ich zähle mich zur mittleren Fangeneration – zu allem was zwischen „Colony“ und „Come Clarity“ passierte. Der älteste Song ist „Only For The Weak“ und „Pin Ball Map“. Klar bei ersterem ist die Stimmugn riesig. Aber die Performance von Anders Friden hat rein gar nichts mehr von damals zu tun – gesanglich wird hier frei intoniert. Sorry aber ich fand das gruselig. Dazu reihen sich locker 50 Prozent ganz neue Songs die auch musikalisch nichts mehr mit meinen IN FLAMES zu tun haben. Und aus diesem Grund… bin ich raus.

Die Überraschung des Festivals – GHOST. Vor Jahren mal gesehen – irgendwann mittags auf einer kleinen Bühne und keine weitere Beachtung mehr geschenkt. Und nun – Freitag Abend – Main Stage – fette Bühnenshow – alles im Gewandt einer Kirche und dazu das charismatische Auftreten des Masterminds Cardinal Copia und seinen maskierten namenlosen Ghouls. Und die Musik – schwer zu beschreiben – von allem ein bisschen trifft es ganz gut . Im gesamten aber atmosphärisch teilweise psychadellisch angehauchter Rock und ein paar Ausflügen in den Klassischen Metal und eine markante eingängige Stimme des Kardinals. Und natürlich… HITS. „Rats“  oder „Absolution“ gehen einfach ins Ohr und die Wackener feiern ihren Meister zu später Stunde ab. „Year Zero“ als weiteres Highlight bevor der Cardinal seine Jünger zum tanzen auffordert: „Dance Macabre“ und „Square Hammer“ sind ein Brett und den Rest vom Festival krieg ich die Dinger nicht mehr aus der Birne.

Samstag

Guten Morgen Wacken – 12 Uhr – brütende Hitze und Zeit für RIOT V. Und die fangen einfach mal mit „Thundersteel“ an, vermutlich größten Hit der Band. Junge Junge, da wird einem der Schlaf schnell aus den Augen gepustet und das Bierchen läuft auch schon. Todd Hall ist ein begnadeter Fronter und schmetter alte Gassenhauer wie „Flight Of The Warrior“ oder „Johnnys Back“ von der Louder Stage überzeigt aber auch bei langsameren Passagen wie bei „Take Me Back“. Fast noch geiler die Songs des aktuellen Albums nämlich „Victory“ und „Angels Thunder, Devils Reign“. Was ein Brett. Da darf sich Todd auch gerne für seine weiblichen Fans sein Shirt vom Leib reissen bevor es mit „Warrior“ den Abschluss gibt.

Zieht euch NIGHT DEMON rein. Unbedingt. Was die Kanadier hier zu drott abziehen ist meisterlich. Klar – sie erfinden kein Rad neu aber dafür gibt es klassichen aber dennoch frischen Heavy Metal auf die Ohren mit starken Tendenzen zum NWOBHM. „Welcome To The Night“ sind Programm im Zelt und mittlerweile haben sich NIGHT DEMON nach zwei Studio Alben auch schon eine amtliche Fanschar erspielt. Mal langsamer und düster „Darkness Remains“, mal flott auf die 12 „Full Spead Ahead“ Alles dabei was einem das Metal Herz höher schlagen lässt, und das ganze trotz lockerem Schlagzeug – professionell gelöst! Und zum Schluss noch ein Maiden Cover nämlich „Wasted Years“. Zum Glück war der Gig alles andere als eine Verschwendung. Nochmal: zieht euch NIGHT DEMON rein!

2018 modulo zwei gleich null. Tatsächlich, es sind schon wieder zwei Jahre vergangen, seit dem sich STEEL PANTHER das letzte Mal im beschaulichen Wacken haben blicken lassen. Ich gehe stark davon aus, dass das nur der Anfang ist und sich die Jungs aus den Staaten mit Doro und Saxon in die Reihe der Bands einsortieren, die bis zu ihrem Ableben in regelmäßigen und kurzen Intervallen die Leute vor eine der Hauptbühnen ziehen werden, auch wenn die Bühnen dann wieder Black und True Metal heißen werden.

Los geht es mit einem Bälleregen und „Goin‘ in the Backdoor“, gefolgt von „Asian Hooker“. Da die Biografien von Stix Zadinia, Lexxi Fox und Micheal, „the Harvey Weinstein of Heavy Metal“, Starr deutlich interessanter als ihre Musik zu sein scheinen, verwendet Satchel satte zehn Minuten darauf, seine Bandkollegen nur etwas schlechter als sich selbst dastehen zu lassen. Während „Poontang Boomerang“ scheint sich die Crowdsurfer zu einem Flashmop verabredet zu haben, unter anderem zwei Typen, die sich auf einem Schlauchboot über die Menge tragen lassen. Die schüchterne Jessica hat es dank ihrer offenherzigen Bewerbung von der ersten Reihe auf die Bühne geschafft und stimmt den Singalong zu „Girl from Oklahoma“ an. Aber da ist sie nur die erste. Irgendjemand kann nicht zählen und so stehen statt „17 Girls in a Row“ 80 girls bunched together auf der Harder-Stage. Auch während „Gloryhole“ werden STEEL PANTHER angetanzt und eine Menge Selfies gemacht. Eine der 80 ist die glückliche, beim anschließenden „Community Property“ von Mr. Starr besungen zu werden, romantisch. Zum abschließenden „Party All Day (Fuck All Night)“ traut sich auch endlich die Sonne raus. Ein wundervoller Abschluss zu einem standesgemäßen Auftritt.

 

Es ist der krönende Abschluss des 29. Wacken Open Airs. Es sind zweieinhalb Stunden deutsche Metal Ikonen Vollbedienung und es ist eine unglaubliche Bühnenshow mit netten Comic Kürbis Einspielern (Seth & Doc) aber auch coolen Movies zugeschnitten auf die einzelnen Songs. Mit „Halloween“ geht’s los gefolgt von „Dr. Stein“ mit Kiske natütrlich am Gesang. Und schon da brennt der Acker. Insgesamt wechsel sich Kiske und Deris ab, singen manchmal auch im Duett und ergänzen sich perfekt. Es gibt aus allen Schaffensphase Songs auf die Ohren. Neues Zeug wie „Are You Metal“ aber auch Zeug aus den Anfangszeiten von Deris wie das großartige „Perfect Gentlemen“ und „Sole Survivor“. Natürlich fehlt nicht viel von der Kiske Ära. „A Tale That Wasn`t Right“ sorgt für Gänsehaut während „Rise And Fall“ einfach nur abgefeiert wird. Dazu die aktuelle Helloween Bandbestzung plus Kai Hansen an der Gitarre der ziemlich zu Beginn für ein „Walls Of Jericho“ Medlex bestehend aus „Starlight, Ride The Sky und Judas“ sogar kurzzeitig das Mikro übernimmt. Nicht nur bei „Power“ wird lauthals im „Ohoho“ Chor mitgesungen. Ein weiteren Gänsehaut Moment beim Drumsolo bei dem über die Leinwand ein original Drum Solo vom damaligen original Drummer Ingo Schwichtenberg synchron abläuft. In voller Länge wird das grandiose „Keepers Of The 7 Keys“ zelebriert und damit die Stimme die nächsten drei Tage auch wirklich versagt, dürfen „Eagly Fly Free“, „Future World“ und „I Want Out“ natürlich nicht fehlen. Die Kürbissköppe sind zurück und mögen sie es in dieser Konstellation bitte bleiben.



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